Umsatz auf Rekordhoch

Lidl-Rekordzahlen dank Ex-Chef: Klaus Gehrig hinterlässt großes Vermächtnis

Lidl-Filiale in Rathenow
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Der Discounter Lidl legte im letzten Geschäftsjahr ordentlich an Umsatz zu.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Er zog bei der Lidl-Mutter hinter den Kulissen die Strippen: Klaus Gehrig führte die Schwarz-Gruppe mit eiserner Hand an die Spitze. Dank ihm kann Lidl nun Rekordzahlen vorweisen.

Neckarsulm/Bad Wimpfen - Die Nachricht ließ die Branche erzittern: Klaus Gehrig, Chef des Lidl-Discounters, legte Anfang des Monats sein Amt nieder - offenbar nicht ganz freiwillig. Der 73-Jährige hatte dem Unternehmen zu Größe verholfen, die Supermarktketten Kaufland und Lidl zu den erfolgreichsten Lebensmittelhändlern in Deutschland und Europa gemacht. Sein Vermächtnis kann sich sehen lassen: 125 Milliarden Euro Umsatz, 12.900 Filialen und insgesamt 500.000 Mitarbeiter.

Die Zahlen machen deutlich: Klaus Gehrigs Personalie hatten bedeutenden Einfluss auf die Schwarz-Gruppe. Wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte, haben Lidl und Kaufland im abgelaufenen Geschäftsjahr 2020/2021 ordentlich an Umsatz zugelegt. Der Erlös stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 114,3 Milliarden Euro auf 125,3 Milliarden Euro. Der Discounter Lidl erreichte sogar ein Umsatzplus von 9,9 Prozent auf 96,3 Milliarden Euro. Kaufland legte beim Filialumsatz um 7,5 Prozent auf 25,5 Milliarden Euro zu. Bei Letzterem spielte die Übernahme zahlreicher Real-Filialen allerdings noch keine Rolle. Diese werden Kaufland erst im laufenden Geschäftsjahr zu Umsatzschub verhelfen.

Beeindruckendes Vermächtnis: Klaus Gehrig verhalf Lidl zu weltweiter Größe

Rekordzahlen, die das Unternehmen maßgeblich Klaus Gehrig zu verdanken hat. 1976 kam er vom direkten Konkurrenten der Discounter-Kette Aldi zur Schwarz-Gruppe. Der Manager hatte entscheidenden Anteil am Erfolg von Lidl und Co.: Innerhalb von 40 Jahren verhalf er dem kleinen Einzelhändler zu weltweiter Größe.

Von gut 30 Geschäften wuchs die Firma unter seiner Führung zu einem Weltkonzern mit rund 12.900 Filialen heran. Insbesondere den Discounter Lidl machte er in seiner Laufbahn bei der Schwarz-Gruppe zum größten Konkurrenten von Aldi. Lidl hat inzwischen nicht nur in Europa, sondern weltweit Standorte und ist somit zum global viertgrößten Händler aufgestiegen.

Ende bei Lidl: Kritik an Personalmanagement Grund für Austritt

Dass Klaus Gehrig trotz seines Erfolgs gehen muss, liegt offenbar an einer Meinungsverschiedenheit mit Unternehmensgründer Dieter Schwarz. Der Auslöser: Klaus Gehrig soll sich geweigert haben, von seiner Macht abzulassen. Der Manager soll Vertrauten gegenüber gesagt haben, erst mit 85 in Ruhestand gehen zu wollen. Ein weiterer Streitpunkt soll seine Personalpolitik gewesen sein. Vor allem jüngere Frauen seien von Klaus Gehrig für Spitzenpositionen bevorzugt worden. Ausschlaggebend für Klaus Gehrigs Aus bei der Schwarz-Gruppe war laut einer Pressemitteilung, dass er sich mit Unternehmensinhaber Dieter Schwarz bezüglich einer wichtigen Personalie nicht einig wurde. Um wen genau es sich dabei handelte, verriet die Firma nicht. Doch es brodelt weiterhin im Unternehmen. Nach Klaus Gehrig musste nun auch Vorständin Annabel Ehm gehen.

Klaus Gehrigs Nachfolger soll sein aktueller Stellvertreter, der 49-jährige Lidl-Chef Gerd Chrzanowski, werden. Zuletzt leitete er die Lidl-Zentrale in Bad Wimpfen. Eigentümer Dieter Schwarz will die von Gehrig geräumte Funktion des Komplementärs so lange selbst wahrnehmen, bis Chrzanowski das Mandat übernehmen kann.

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