Keine Musik beim Einkaufen

Lidl: Darum spielt der Discounter in seinen Filialen absichtlich keine Musik

Eine Frau schiebt in Stuttgart (Baden-Württemberg) in einer Filiale von Lidl einen Einkaufswagen durch die Regalreihen.
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Keine Musik in den Lidl-Filialen? Das hat einen Grund.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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In vielen Läden wird eine musikalische Untermalung im Hintergrund als psychologischer Trick eingesetzt. In Discountern wie Lidl und Aldi wird jedoch keine Musik gespielt - das ist der Grund.

Neckarsulm - Musik ist ein ständiger Begleiter im Alltag. Auf dem Weg zur Arbeit läuft das Radio im Auto. In der Bahn hören viele Musik mit Kopfhörern, um nicht den Gesprächen der anderen Fahrgäste zuhören zu müssen. In Läden wird die musikalische Untermalung dagegen sogar als psychologischer Trick eingesetzt. Neben einer angenehmen Stimmung kann, passend für die Art des Geschäfts, ausgewählte Musik die Kunden auch davon überzeugen, länger im Laden zu bleiben und dementsprechend mehr zu kaufen. Inzwischen hat nahezu jedes Geschäft leise Musik im Hintergrund laufen, sei es ein Supermarkt, ein Kleidungsgeschäft oder ein Baumarkt.

Die Discounterkette Lidl mit Hauptsitz im baden-württembergischen Bad Wimpfen (Kreis Heilbronn) verzichtet jedoch - wie auch Aldi - auf Musik in den Filialen, wie das Portal t-online berichtet. Man fragt sich: Will Europas größter Lebensmittelhändler in seinen rund 10.800 Filialen weltweit nicht auch die Kunden in eine gewisse Stimmung versetzen und dadurch zum Kaufen animieren? Wir erklären den Grund, warum sich Discounter wie Lidl, Aldi und Co. gegen eine musikalische Untermalung entschieden haben.

Lidl, Aldi und Co.: Kassenpiepsen und Kundengespräche, aber keine Musik in den Filialen

Die Kunden der Discounterkette Lidl schätzen vor allem das große Sortiment und die günstigen Eigenmarken. Beim Einkaufen in einer der Filialen hört man hauptsächlich Kundengespräche, das Piepsen der Kasse oder das Scheppern der Einkaufswagen. Musik hört man dagegen in den Discountern wie Lidl und Aldi nicht. Das ist vielen Kunden vielleicht noch gar nicht bewusst aufgefallen, denn die Musik wird nicht offensichtlich, sondern unterschwellig eingesetzt. „Diese Stimmungslagen sind eher der Hintergrund des Geschehens“, sagt der Psychologe Jens Lönneker, Geschäftsführer vom Kölner Marktforschungsinstitut Rheingold Salon, auf Nachfrage von t-online.

Stattdessen soll die Musik beim Einkaufen die Aufmerksamkeit der Kunden auf andere Dinge lenken. Dabei ist die Auswahl der musikalischen Untermalung auch an das jeweilige Sortiment angepasst. „Je nachdem, in welchen Geschäften Sie sich befinden, werden Sie auch durch eine besonders ausgewählte Musik beeinflusst“, erklärt Lönneker. Da Lidl, Aldi und Netto auf Musik in den Filialen verzichten, müssen die Kunden wohl nicht erst vom Kauf der Produkte unterschwellig überzeugt werden. Das könnte man zumindest annehmen, tatsächlich hat der Musik-Verzicht jedoch einen ganz einfachen Hintergrund.

Lidl, Aldi und Co.: Discounter verzichten aus Kostengründen auf musikalische Untermalung.

Der offensichtliche Grund für das Fehlen der Musik in Filialen von Lidl, Aldi und Co. ist der der Kosteneinsparung. Im Gegensatz zu Supermärkten wie Kaufland oder Rewe wollen die Kunden in den Discountern vor allem günstig einkaufen und im besten Fall noch ein besonderes Schnäppchen erhaschen. Extra zum Kauf animiert werden müssen sie in diesem Fall gar nicht. „Kunden erwarten nicht, im Discounter inspiriert zu werden oder ein Einkaufserlebnis zu haben“, sagt Lönneker gegenüber t-online. In den Supermärkten mit größerem Sortiment wollen die Kunden dagegen „das Einkaufen zelebrieren“, so der Psychologe.

Ein weiterer Grund für den Verzicht auf Musik in den Filialen von Lidl und Aldi hat ebenfalls mit der Kosteneinsparung zu tun. Wer kommerzielle Musik im öffentlichen Raum spielen will, muss Abgaben an die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) zahlen, wie ruhr24* berichtet. Da die Discounter den Kunden jedoch vor allem Ware zum niedrigen Preis anbieten und somit das oftmals deutlich größere Sortiment der Supermärkte ausstechen wollen, verzichten sie auf solche Abgaben. Dennoch droht bei einem wichtigen Produkt bei Lidl, Kaufland und dm ein historischer Preisanstieg. *ruhr24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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