Der einzige wirkliche Leuchtturm Süddeutschlands steht am Bodensee
Leuchttürme leiten seit Jahrhunderten Schiffe zurück in den sicheren Hafen; der einzige wirkliche Leuchtturm in Süddeutschland steht am Ufer des Bodensees.
Lindau - Auf stürmischer See oder bei dichtem Nebel sind die Lichter von Leuchttürmen seit Jahrtausenden der Rettungsanker für Seefahrer, um wieder zurück in den sicheren Hafen zu finden. In Baden-Württemberg ist ein typisch rotweißer Leuchtturm zwar nur im Europapark bei Rust zu sehen, am Hafen der Bodenseestadt Konstanz befinden sich aber immerhin die bekannten Molefeuer, die einen ähnlichen Zweck erfüllen. Zudem steht in Baden-Württemberg der Turm mit der weitesten Fernsicht in ganz Deutschland.
Wer bei Leuchttürmen automatisch an die Nordsee oder insgesamt eher an Norddeutschland denkt, liegt dabei nicht falsch. Einer Auflistung zufolge befinden sich die meisten Türme, die auch bis heute im Gebrauch sind, in Bundesländern wie Niedersachsen, Brandenburg und vereinzelt auch in Nordrhein-Westfalen. Wenn man die angesprochenen Molefeuer von Konstanz und die Wallfahrtskirche St. Bartholomä im bayerischen Schönau am Königssee außen vor lässt, ist der Leuchtturm der Bodenseestadt Lindau (Bayern) der einzige wirkliche Leuchtturm im Süden der Republik.
Leuchtturm in Lindau und der gesamte Hafen gehörten für eine Zeit den Konstanzer Stadtwerken
„Dass Bayern einen Leuchtturm hat, wissen selbst innerhalb des Freistaates nicht alle Bewohner“, heißt es auf der Seite der Stadt Lindau. Dasselbe dürfte vermutlich auch für die Bewohner Baden-Württembergs gelten, auch wenn die bayerische Stadt nur wenige Kilometer von der Landesgrenze entfernt liegt. Fertiggestellt wurde der südlichste Leuchtturm Deutschlands im Jahr 1856; ursprünglich wurde sein Warnlicht zur Orientierung der noch mit Kohle und einem Blasebalg entfacht. Später wurde der Ofen von Öl- oder Gaslampen abgelöst, seit 1936 ist das Licht des Leuchtturms elektrisch.

Obwohl der Leuchtturm am Lindauer Hafen direkt gegenüber von einer großen Statue des Bayerischen Löwen, der Symbolfigur des Freistaats, steht, gehörte das Bauwerk und der gesamte Hafen der Bodenseestadt nicht immer zu Bayern. Ursprünglich wurde der Leuchtturm von einer Abteilung der Deutschen Bahn betrieben, die ihn jedoch mitsamt dem Hafengelände der Stadt und der Bodensee-Schiffsbetriebe GmbH an die Stadtwerke Konstanz verkauften. Erst seit 2010 gehören das Hafengebiet und damit der Leuchtturm wieder zu Lindau.
Leuchtturm Lindau erfüllt bis heute seinen Zweck – allerdings nur bei sehr schlechtem Wetter

Das Leuchtfeuer des Turms am Lindauer Hafen ist zwar noch immer in Betrieb, allerdings nicht mehr durchgängig. Die Stadt schreibt auf ihrer Seite auch, dass sich das Leuchtsignal ursprünglich bei Sturm 10-mal pro Minute drehte und so den Schlaf der Anwohner störte. In den 30er Jahren wurde das Licht deshalb zur Stadtseite hin abgeblendet und heute ist es nur noch dann aktiv, wenn es die Bodenseeschiffe per Funk aktivieren. Der einzige Leuchtturm Süddeutschlands erfüllt demnach noch immer seinen Zweck, allerdings nur bei sehr schlechten Wetterbedingungen auf dem Bodensee.
Im nur wenige Kilometer entfernten Hafen von Konstanz steht übrigens auch ein absolutes Unikat; nämlich das weltweit einzige Denkmal für eine Prostituierte.