Ukraine-Flüchtlinge in Baden-Württemberg

Lehrer fordern Konzept für Integration ukrainischer Kinder - „Brauchen Planung, die über die Zeit der Sommerferien hinausgeht“

Zwei ukrainische Kinder stehen mit gepackten Sachen da
+
Der Philologenverband fordert ein Integrationskonzept für die geflüchteten ukrainischen Kinder an Baden-Württembergs Schulen (Symbolbild).

Unter den zahlreichen Flüchtlingen aus der Ukraine sind viele Kinder, die nun in Baden-Württemberg auf die Schulen gehen müssen. Ein Experte fordert deshalb Integrationskonzepte.

Stuttgart (dpa/lsw) - Die Integration von ukrainischen Kindern könnte nach Auffassung des Philologenverbandes ein Stück weit leichter werden als die von jungen Menschen während der letzten Flüchtlingskrise. Alle Kinder, die nun ankämen, seien an die Schule gewöhnt, sagte Verbandschef Ralf Scholl am Mittwoch in Stuttgart.

Die Eingliederung sei einfacher, bis auf die Sprachbarriere. Wichtig seien nun intensive Deutschkurse. Mehrere Experten warnten jedoch bereits davor, dass durch die ukrainischen Flüchtlingskinder in Baden-Württemberg die Schulen bald an ihr Limit kommen werden.

Es sei eine Überforderung, die Kinder und Jugendlichen in eine normale Klasse reinzusetzen, wenn sie kein Wort Deutsch könnten. Maximal fünf bis zehn Prozent der Kinder würden Deutsch sprechen. Scholl forderte die Politik auf, sich intensiv mit der Frage der Integration zu befassen. Es sei naiv zu glauben, der Krieg in der Ukraine höre schnell auf. Es sei unklar, wie es weitergehe. «Wir brauchen Planung, die über die Zeit der Sommerferien hinausgeht.»

Experte sieht Schulsystem nicht gut genug vorbereitet

Der Philologenverband sieht das Schulsystem nicht vorbereitet, um die erwarteten Flüchtlingskinder angemessen aufzunehmen. Es seien bis zu 4 000 zusätzliche Lehrerstellen notwendig. Der Verband erwartet nach eigenen Berechnungen bis zu 65 000 Kinder aus der Ukraine, die zukünftig in Baden-Württemberg die Schule besuchen werden.

Zuletzt äußerte auch das Stuttgarter Schulamt, mit der Situation bereits heillos überfordert zu sein. Auch hier bereitet der Mangel an Lehrkräften große Sorgen. Man suche vor allem Personal mit ukrainischer Muttersprache und pädagogischer Vorbildung und sich zudem zutraue, eine Vorbereitungsklasse zu übernehmen.

Kommentare