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Bauern berichten von Wassermangel und Hitzestress – Ernte teils vertrocknet

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Von: Jason Blaschke

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Wassermangel und die Hitze stellen auch die Landwirte in Baden-Württemberg vor große Herausforderungen – im Norden sind die Böden extrem trocken.

Stuttgart – Das Wetter in Deutschland ist für viele Landwirte derzeit eine trockene und heiße Katastrophe. Schon seit Wochen sind Niederschläge die absolute Ausnahme. Und selbst, wenn es mal geregnet hat, waren es immer nur kurze Schauer und oft auch bloß in einzelnen Gebieten. Und Prognosen zufolge könnte der Herbst 2022 trocken und heiß in Baden-Württemberg weitergehen – für die Landwirte keine guten Aussichten, die schon jetzt mit der Wetterlage zu Kämpfen haben.

Herbstkulturen leiden unter Hitze: „Ernteeinbußen bis zu 50 Prozent“ drohen

Primär die späteren Kulturen wie Mais, Zuckerrüben, Kartoffeln und Soja leiden unter Wassermangel und Hitze. „Grünland und Mais sind zum Teil vertrocknet, Tierhalter füttern teilweise schon Winterfutter zu“, sagte der Präsident vom Landesbauernverband (LBV) – Joachim Rukwied – auf der Ernte-Pressekonferenz am 18. August 2022 in Stuttgart. Rukwied warnt: Sollte es zeitnah nicht regnen, „rechnen wir hier bei fast allen Kulturen mit Ernteeinbußen von bis zu 50 Prozent.“

Und gerade die Herbstkulturen wie Soja und Mais würden ab einem gewissen Stadium Wasser benötigen, erzählt Pressesprecherin Ariane Amstutz gegenüber BW24. Was die Felder in Baden-Württemberg benötigen, sei ein „langsamer sowie gemächlicher Regen, sonst wächst gar nichts.“ Die Böden seien mittlerweile so trocken, dass das Wasser erst wieder in die tieferen Schichten vordringen müsse. Dafür müsste es aber nicht nur langsam, sondern primär auch länger regnen.

Expertin im BW24-Gespräch: Wie sich Landwirte in BW gegen die Hitze wappnen

„Die Landwirte in Baden-Württemberg würden sich über zwei Wochen Regen freuen“, sagt Amstutz. Und auch die Feuerwehren im Ländle warten sehnsüchtig auf Niederschläge, da man gegen die Waldbrände in Baden-Württemberg machtlos ist und man auf das Ausmaß der derzeitigen Hitzeperioden einfach nicht gut genug vorbereitet war. Doch unabhängig, ob Katastrophenschutz oder die Landwirtschaft – in Zukunft ist ein Umdenken nötig.

In Baden-Württemberg würden die Landwirte immer mehr auf Boden-schonende Verfahren setzen, erklärt Amstutz. „Das bedeutet, dass etwa weniger gepflügt wird, sodass sich Humos im Boden besser aufbauen kann.“ Zudem setzte man zunehmend speziell auf trockenresistente Kulturen, die weniger Wasser benötigen. Das Problem ist, dass solche Pflanzen wiederum empfindlich reagieren, wenn es in einem Jahr viel regnet.

Trockene Felder
Leblos, trocken, staubig – so sehen in Baden-Württemberg aktuell viele Felder (Symbolbild) aus. © Kay Nietfeld/dpa

Bauern vor großen Problemen – „Gestiegene Kosten belasten Familienbetriebe!“

Amstutz gibt im Gespräch mit BW24 zudem zu bedenken, „dass selbst trockenresistente Kulturen ohne Wasser nicht wachsen“ – auch deshalb setzt man in der Landwirtschaft auf verschiedene Maßnahmen. Neben Bodenschonung und resistenteren Kulturen seien das etwa regenerative Landwirtschaft oder der Einsatz von Gen-Technologie, sofern diese von der EU nicht mehr so stark beschränkt werden würde.

Verbandspräsident Rukwied erinnerte auf der Pressekonferenz zudem an die Folgen des Ukraine-Kriegs. Rukwied in Stuttgart: „Die gestiegenen Kosten bei Energie, Futter, Dünger und Pflanzenschutzmittel belasten die Familienbetriebe schwer.“ Hinzu komme, dass Verbraucher aufgrund der Inflation vermehrt zu günstigeren Erzeugnissen – etwa aus Südeuropa oder anderen Drittländern – greifen würden.

Im Juli hatte die Inflation in Deutschland die 7-Prozent-Marke geknackt – Fachleute gehen davon aus, dass die Preise bald noch teurer werden könnten.

Die gestiegenen Kosten belasten unsere Familienbetriebe schwer.

Joachim Rukwied, LBV-Präsident

12-Euro-Mindestlohn verdrängt regionale Landwirtschaft aus BW in Drittländer

Für die vielen regionalen Betriebe im Südwesten kann das zu einer Existenzkrise führen – erst im Juni hatte BW24 mit Bauern über die „verheerende“ Erdbeer-Situation in Baden-Württemberg gesprochen. Gleich mehrere Landwirte hatten berichtet, dass sie teils ihre Ernten vernichten mussten, da sich der Erdbeeranbau für sie nicht mehr rentiert hatte. Die regionale baden-württembergische Ware bliebe liegen, bekräftige auch Rukwied.

Der Mindestlohn kommt für viele Betriebe als drittes großes Problem hinzu, denn die Anpassung auf 12 Euro verschärfe den schon bestehenden Wettbewerbsdruck weiter, sagt Rukwied. Er fürchtet, dass der deutsche Mindestlohn den „Obst- und Gemüseanbau in europäische Regionen mit niedrigeren Löhnen und Sozialstandards verdrängt“. Der Rückgang der Erdbeeranbauflächen in Baden-Württemberg sei nur ein Beispiel, das die Problematik verdeutliche.

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