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In Baden-Württemberg steht das weltweit einzige Denkmal für eine Prostituierte

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Dem ältesten Gewerbe der Welt wird überall nachgegangen. Das einzige Denkmal für eine Prostituierte steht jedoch in Baden-Württemberg.

Konstanz - Ein Denkmal für das älteste Gewerbe der Welt? Klingt ungewöhnlich, vielleicht sogar anrüchig. Ein solches ist allerdings seit 30 Jahren in Baden-Württemberg zu finden und damit wohl weltweit das einzige seiner Art. Als Wahrzeichen der größten Stadt am Bodensee steht die Imperia seit 1993 im Hafen von Konstanz. Entworfen wurde sie vom Bildhauer Peter Lenk, der auch ein Stuttgart-21-Denkmal entworfen hatte, das Winfried Kretschmann sehr freizügig zeigte, und damit einiges an Kritik auf sich zog. Auch das Denkmal für eine Prostituierte löste bei seiner Enthüllung vor 30 Jahren einige Proteste aus, inzwischen ist die Imperia als Wahrzeichen aus dem Konstanzer Hafen aber nicht mehr wegzudenken.

Die Figur „Imperia“ dreht sich an der Hafeneinfahrt von Konstanz, während das Motorschiff Stuttgart aus dem Hafen hinausfährt.
Die Imperia im Hafen von Konstanz ist das wohl weltweit einzige Denkmal für eine Prostituierte. © Felix Kästle/dpa

Konstanz verfügt über eine der schönsten Altstädte Baden-Württembergs und hat auch sonst, direkt am Bodensee gelegen und mit direkter Verbindung zur Schweiz, einiges zu bieten. Das Wahrzeichen der Stadt ist aber tatsächlich eine satirische Anspielung auf das Konzil von Konstanz aus den Jahren 1414 bis 1418. Auf einem Sockel, der aus den Resten des früheren Molenturms besteht, steht die neun Meter hohe und 18 Tonnen schwere Statue, die aus Beton gegossen wurde. Die Errichtung geht auf eine Initiative des Fremdenverkehrsvereins und der Wirte vom Bodensee zurück, die sich von der Freiheitsstatue inspirieren ließen.

Leichtbekleidete Frauenstatue Imperia in Konstanz hält zwei Männerfiguren in den Händen

Die Imperia ist als üppige und leicht bekleidete Frau stilisiert, die nur mit einem Umhang und einem notdürftigen Gürtel bekleidet ist. In den Händen hält die Statue am Hafen von Konstanz jeweils eine kleinere Männerfigur. Die Figur in der rechten Hand trägt eine Krone und hält einen Reichsapfel in der Hand, die in der linken trägt eine päpstliche Tiara. Oftmals wird angenommen, dass es sich dabei um die staatlichen und kirchlichen Machthaber zur Zeit des Konstanzer Konzils, Kaiser Sigismund und Papst Martin V., handelt. Der Bildhauer selbst hat jedoch eine leicht andere Erklärung.

Die neun Meter hohe Statue Imperia, ein Kunstwerk von Bildhauer Peter Lenk, dreht sich an der Hafeneinfahrt von Konstanz am Bodensee neben dem historischen Fährschiff namens Konstanz.
Die Imperia im Konstanzer Hafen hält zwei kleinere Männerfiguren in den Händen. Einer trägt eine kaiserliche Krone, der andere eine päpstliche Tiara. © Felix Kästle/dpa

„Es handelt sich bei der Figuren der Imperia nicht um den Papst und nicht um den Kaiser“, hatte Peter Lenz in einem Interview zum 20-jährigen Jubiläums des Denkmals im Labhards Bodensee Magazin 2013 erklärt. „Sondern um Gaukler, die sich die Insignien der weltlichen und geistlichen Macht angeeignet haben. Und inwieweit die echten Päpste und Kaiser auch Gaukler waren, überlasse ich der geschichtlichen Bildung der Betrachter.“ Dass Lenk sein Denkmal mit einem Augenzwinkern verstanden haben will, zeigt auch die Narrenkappe, die die Imperia trägt.

Prostituierten-Denkmal traf 1993 auf deutliche Kritik, gilt heute aber als Wahrzeichen von Konstanz

Dass es sich bei dem Denkmal am Hafen in Konstanz ausgerechnet um eine Prostituierte handelt, ein Umstand, der immer wieder deutlich kritisiert wurde, ist laut übereinstimmenden Quellen eine Anspielung auf die sogenannte Mätressenherrschaft. Diese bezeichnet abwertend eine direkte oder indirekte Beeinflussung der Machthabenden durch Mätressen. Das zeigt sich auch an den beiden Männerfiguren, die nackt auf den Händen der Imperia kauern und wirken, als seien sie ihr von ihren Trieben gesteuert ausgeliefert. Obwohl die Imperia heute als Wahrzeichen der Stadt gilt, gab es bei der Enthüllung aufgrund der Darstellungen deutliche Proteste.

Die Statue „Imperia“ des Künstlers Peter Lenk steht im Hafen von Konstanz am Bodensee.
Die Statue einer leicht bekleideten und vollbusigen Dirne traf 1993 auf deutliche Proteste. Inzwischen ist die Imperia aber aus dem Konstanzer Hafen nicht mehr wegzudenken. © Philipp von Ditfurth/dpa

Wie das Tourismusportal bodensee.de schreibt, forderten die Kirchen und bestimmte Stadträte im Jahr 1993 die Entfernung der Statue, da sie nicht nur die Kirche verunglimpfe, sondern auch einer Prostituierten ein Denkmal setze. Da das Gelände, auf dem die Imperia steht, der Deutschen Bahn gehört, konnte die Stadt die Forderung aber nicht durchsetzen. Deshalb steht im Hafen der Stadt Konstanz noch heute das weltweit wohl einzige Denkmal für eine Prostituierte. Zudem befindet sich im Sockel der Statue eine Pegelmessstation, die als älteste in ganz Baden-Württemberg gilt. Am Bodensee steht übrigens auch die älteste noch bewohnte Burg Deutschlands.

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