Alarmierende Parallelen

Spaziergänger hört aus einem Schweine-Stall Schreie - im Inneren sieht er albtraumhafte Szenen

  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Ein Mann im Kreis Rottweil hörte bei seinem Spaziergang Schreie aus einem Stall. Im Inneren erlebte er einen „Albtraum“ - erneut grausame Handlungen in Baden-Württemberg aufgedeckt.

Rottweil - Einem Anwohner aus dem Kreis Rottweil boten sich bei einem Spaziergang Geräusche, die aus einem Horrorfilm stammen könnten. In der Nähe eines Hofes hörte er Schreie aus einem Stall und entdeckte wenig später grausame Szenen. Bereits Anfang September deckte die Organisation SOKO Tierschutz aus München grausame Szenen in einem Schlachtbetrieb in Baden-Württemberg auf. Den Mitarbeitern im Schlachthof Gärtringen wurde vorgeworfen, die Schweine misshandelt und geschlagen zu haben. Ein heimlich gefilmtes Video der SOKO Tierschutz zeigte Misshandlungen mit Elektroschockern und Tiere, die ohne wirkliche Betäubung geschlachtet werden. Das Landratsamt Böblingen schloss den Betrieb daraufhin vorläufig.

Die Aufdeckungen in einem Schweinemastbetrieb im Kreis Rottweil zeigen alarmierende Gemeinsamkeiten mit den Misshandlungen in Gärtringen. Nachdem der Spaziergänger die Schreie der Schweine aus dem Stall gehört hatte, trat er näher an die Käfige heran. „Dann habe ich gesehen, wie Schweine alle in Käfigen liegen, die kleiner waren als sie selbst. Da drin sieht es aus wie Sau - dreckig, es stinkt, alles voller Fliegen“, sagte der Mann gegenüber dem SWR. Das Landwirtschaftsministerium von Baden-Württemberg und das Landratsamt Rottweil schlossen den Betrieb am Montag.

Kreis Rottweil: Betreiber des Schweinemastbetriebs gilt als gut vernetzt - ist sogar Ortsvorsteher

Nach der schrecklichen Entdeckung wandte sich der Spaziergänger an das Veterinäramt im Kreis Rottweil, wie der SWR am Dienstag berichtete. Laut dem Mann gab es dort jedoch Bedenken, gegen den Betreiber des Schweinemastbetriebs vorzugehen. Bei dem Landwirt handle es sich um den Ortsvorsteher und Kreisobmann des Bauernverbandes Baden-Württemberg. Er gelte als politisch gut vernetzt, auch mit dem Landrat, der für das Amt zuständig ist. Nach Angaben des SWR trat der Landwirt bereits mit Peter Hauk, Landwirtschaftsminister von Baden-Württemberg und mit Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner auf.

Kreis Rottweil: Schweine leben in grausamen Zuständen.

Die SOKO Tierschutz wirft den Behörden nach Angaben des SWR vor, zu zögerlich reagiert zu haben. Sie seien bereits seit mehr als zwei Monaten über die Zustände in dem Betrieb im Kreis Rottweil informiert gewesen. „Selbst nach den Maßstäben der Massentierhaltung ist dieser Stall wirklich ein Albtraum“, sagt Friedrich Mülln von der Münchener Tierschutzorganisation.

Landwirt im Kreis Rottweil sieht Verfahren in seinem Betrieb als normal an - „Kannibalismus“

Die Aufdeckung der Misshandlungen in dem Betrieb im Kreis Rottweil kam, wie auch zuvor in Gärtringen, durch Aufnahmen der SOKO Tierschutz ins Rollen. Die Bilder wurden nach Angaben des SWR an den Report Mainz überspielt. Die Aufnahmen zeigen Tiere mit abgefressenen Schwänzen und Ohren, Schweine, die Artgenossen bei lebendigem Leibe auffressen, zerfetzte Kadaver, die sich im Stall stapeln und einen Landwirt, der seine Tiere schlägt. Der Betreiber sieht die Behandlungen der Tiere in seinem Betrieb jedoch als grundsätzlich in Ordnung an, wie er in einem Interview mit dem Report Mainz sagte. Auf die Frage, wie es zu dem grausigen Aussehen der Tiere komme, antwortete er: „Weil sie sich gestritten haben, Kannibalismus“.

Nach Angaben des SWR teilte das Veterinäramt im Kreis Rottweil schriftlich mit, dass der Betrieb in der Vergangenheit nicht auffällig gewesen sei. Im Juli seien bei einer ersten Überprüfung jedoch bereits erhebliche Mängel festgestellt worden. Nach den Hinweisen der SOKO Tierschutz und dem Report Mainz sei der Betrieb am vergangenen Freitag erneut geprüft worden. Dabei seien dann erhebliche tierschutzrelevante Mängel aufgedeckt worden, wie der SWR berichtet. Laut den Behörden wurde eine Strafanzeige gegen den Landwirt gestellt.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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