Hoffnung Geothermie

„Unendliche“ Energiequelle unter der Erde im Kreis Karlsruhe entdeckt

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Baden-Württemberg muss den Ausstoß von CO2 reduzieren. Besonders die Autoindustrie ist in der Pflicht. Aber auch neue Energiequellen können dabei helfen - zum Beispiel ein Fund in Karlsruhe.

Karlsruhe/Waghäusel - Der Klimawandel bedroht die Bevölkerung weltweit. Doch Gegenmaßnahmen können nicht nur Regierungen im großen Maßstab ergreifen - auch Bundesländer wie Baden-Württemberg sind gefragt. Während der Corona-Pandemie bezeichnete Winfried Kretschmann den Klimawandel als viel größere Gefahr.

In Baden-Württemberg stehen dabei besonders Fahrzeughersteller wie die Daimler AG im Fokus. Der Konzern aus Stuttgart setzt künftig auf E-Mobilität. In Baden-Württemberg gab es zuletzt einen E-Auto-Boom. Die Autoindustrie muss sich mit dem Strukturwandel aber beeilen, denn die EU plant, den Verbrenner zu verbieten.

Doch E-Autos alleine sind noch nicht nachhaltig. Ihr CO2-Ausstoß misst sich aus daran, aus welcher Quelle der Strom kommt, den sie tanken. Eine Untersuchung hat jetzt für den Kreis Karlsruhe eine neue, klimaneutrale Möglichkeit erschlossen: Geothermie.

Nachhaltige Energiequelle: Unternehmen hält Geothermie im Kreis Karlsruhe für möglich

Schon seit November 2019 führte das Unternehmen Deutsche Erdwärme im Bereich Waghäusel und Philippsburg Messungen mit Schallwellen durch. Der etwa 40 Kilometer von Karlsruhe entfernte Ort war bis vor kurzem für sein Atomkraftwerk bekannt. Inzwischen ist dieses aber stillgelegt, die Sprengung der Kühltürme des AKW Philippsburg wurde von einer Drohne begleitet.

Die Wagen des Unternehmens Deutsche Erdwärme prüfen mit Schallwellen, ob Geothermie im Kreis Karlsruhe möglich ist.

Die Atomkraft gilt zwar auch als klimaneutral. Aufgrund der Risiken durch die Strahlung der Brennstäbe hat Deutschland aber den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. Ein Problem ist auch die Lagerung der Brennstäbe. Baden-Württemberg könnte sogar ein Endlager für gen gesamten deutschen Atommüll werden.

Der Kreis Karlsruhe könnte seine Energie hingegen bald aus Erdwärme beziehen. Die Messkampagne von Deutsche Erdwärme zeigte mehrere geologische Brüche, die sich für die Gewinnung von Thermalwasser zum Betrieb von Erdwärmeanlagen eigneten, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.

Kreis Karlsruhe besonders geeignet: Unternehmen will mehrere Standorte für Geothermie-Kraftwerke bestimmen

Für ein Geothermie-Kraftwerk muss allerdings eine Grundbedingung erfüllt sein. „Damit eine Erdwärmeanlage Strom und Wärme erzeugen kann, muss die Temperatur des Thermalwassers im Untergrund deutlich über 100 Grad Celsius liegen“, schreibt das Unternehmen Deutsche Erdwärme auf seiner Website.

Der Oberrheingraben, in dem auch der Kreis Karlsruhe liegt, ist mit Wassertemperaturen bis 145 Grad in Tiefen von mehr als 2.500 Metern besonders für Geothermie geeignet. Nach den erfolgreichen Messungen will die Deutsche Erdwärme jetzt Gespräche über möglicher Standorte mit der Kommune führen.

Geothermie im Kreis Karlsruhe: Energiequelle eine sinnvolle Ergänzung zu anderen nachhaltigen Stromlieferanten

Das Prinzip der Geothermie ist relativ simpel: Heißes Wasser wird aus der Tiefe gepumpt und gibt einen Teil seiner Energie über einen Wärmetauscher ab. Das Wasser erhitzt ein weiteres Betriebsmittel in einem Sekundärkreislauf - der dadurch entstehende Dampf treibt eine Turbine zur Stromerzeugung an. Zuletzt wird das heiße Wasser wieder in die Erdschicht zurückgeführt, es handelt sich also um einen geschlossenen Kreislauf, also quasi so etwas wie eine „unendliche“ Energiequelle.

Prinzip Geothermie: Thermalwasser wird aus der Tiefe gefördert und erzeugt Strom oder Fernwärme.

Die Energie aus Erdwärme kann nicht nur zur Stromerzeugung, sondern auch zum Betrieb eines Wärmenetzes verwendet werden. Im Gegensatz zur Solarenergie ist die Geothermie allerdings nicht endlos. „Einmal erschlossen, liefert Erdwärme zuverlässig über Jahrzehnte hinweg erneuerbaren Strom und Wärme, rund um die Uhr und schwankungsfrei – eine optimale Ergänzung zu den ebenfalls erneuerbaren Energien aus Sonne und Wind“, schreibt das Unternehmen Deutsche Erdwärme.

Ganz unumstritten ist die Geothermie trotzdem nicht. Im baden-württembergischen Staufen im Breisgau kam es in Folge von Geothermie-Bohrungen zu Geländehebungen, zahlreiche Häuser bekamen Risse und wurden teils schwer beschädigt. Im Kreis Karlsruhe könne das laut einem Pressesprecher von Deutsche Erdwärme allerdings nicht passieren, weil mögliche Bohrungen in deutlich größeren Tiefen stattfinden würde, als in Staufen.

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