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Krankheitsfälle belasten Kliniken - Teils werden Eingriffe verschoben

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Krankenhaus in Dresden
Die Pandemie habe die Situation in den baden-württembergischen Kliniken verschärft. Noch nie sei es so schwierig gewesen, freie Stellen in der Pflege zu besetzen (Symbolbild). © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Das Personal überlastet und krank, dazu steigende Corona-Zahlen - die Lage der Südwest-Kliniken ist angespannt. Das bekommen Patienten schon zu spüren. Im Herbst könnte es sich zuspitzen.

Karlsruhe (dpa/lsw) - Krankheitsausfälle und Fachkräftemangel belasten zurzeit Südwest-Kliniken und wirken sich teilweise schon auf Patienten aus. Intensivmediziner sprechen aufgrund vieler Krankmeldungen von einer durchaus angespannten Lage. Weil Personal fehlt, werden mancherorts weniger dringliche Operationen aufgeschoben. Nach Angaben des baden-württembergischen Sozialministeriums mussten solche Eingriffe bislang aber nicht flächendeckend reduziert werden. Die Notfallversorgung sei derzeit sichergestellt. Mit Sorge blicken Krankenhäuser auf den Herbst.

Nach Angaben der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG) kam es schon vor Corona wegen des Fachkräftemangels vor, dass Krankenhausbetten nicht belegt werden konnten. Die Pandemie habe die Situation verschärft. Noch nie sei es so schwierig gewesen, freie Stellen in der Pflege zu besetzen.

Corona-Lage immer noch stabil - Situation könnte sich nochmals verschärfen

«Wir gehen davon aus, dass aktuell 10 bis 15 Prozent der Krankenhausbetten nicht belegt werden können, obwohl die Corona-Lage noch relativ stabil ist», sagte BWKG-Hauptgeschäftsführer Matthias Einwag. Die Situation werde sich verschärfen, wenn neue Corona- oder Grippewellen zu mehr Personalausfall führen. «Realistisch gesehen muss man davon ausgehen, dass in vielen Krankenhäusern derzeit von Tag zu Tag entschieden wird, welche Operationen mit den vorhandenen Personalressourcen durchgeführt werden können», sagte Einwag. Die Verschiebung von Operationen gehöre damit leider in vielen Kliniken zum Alltag.

Beunruhigt registrieren Mediziner, dass es bei Corona keine «Sommererholung» gibt. «Im Gegenteil: Die Zahl der Corona-Patienten steigt seit Mitte Juni wieder leicht an, und es ist noch nicht abzusehen, wie sich diese „Sommerwelle“ weiterentwickeln wird», meinte Einwag.

Personalausfälle stellen Klinikum Stuttgart vor Herausforderung

Das Klinikum Stuttgart sieht sich als größtes Krankenhaus in Baden-Württemberg personell vergleichsweise gut aufgestellt. Eine große Herausforderung sind aber die Personalausfälle: Zurzeit fallen hier über 80 der 8000 Beschäftigten nach einem positiven Corona-Test aus. «Die Situation ist aber noch kontrolliert und die Einschränkung der Behandlungskapazitäten bisher moderat», sagte der Klinik-Vorstandsvorsitzende Jan Steffen Jürgensen. «Mit etwas Sorge blicken wir auf den Herbst: Im Zusammenspiel mit anderen Infektionskrankheiten könnten die Personalprobleme gravierender werden.»

Teilweise müssen im Stuttgarter Klinikum planbare, weniger dringliche Operationen verschoben werden, weil es nicht genug Anästhesie- und Operationstechnische Assistenten gibt. Das sei für viele Betroffene bitter, räumte Jürgensen ein. Die OP-Kapazität liege bei immerhin 90 Prozent des Vorpandemieniveaus; bei höherer Nachfrage gebe es allerdings Wartelisten in einigen Spezialgebieten.

Die Intensivstationen im Land sind laut Sozialministerium derzeit durch Covid-19 deutlich weniger belastet als während der Delta-Welle. In ganz Baden-Württemberg seien aktuell 14 Prozent der Intensivbetten frei, 7 Prozent durch Covid-Patienten belegt.

Kapazität bei Intensivbetten ist im Vergleich zum Vorjahr gesunken

Nach Angaben der Krankenhausgesellschaft wurden Anfang der Woche 133 Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen und 1137 coronapositive Patienten auf den Normalstationen der Krankenhäuser behandelt. Die Kapazität der betreibbaren Intensivbetten sei im Vergleich zum Vorjahr gesunken: von 2350 auf knapp 2200, vor allem wegen des generellen Personalmangels sowie wegen zunehmender Überlastung und Erschöpfung des Personals, was durch die lang anhaltende Pandemie verschärft werde.

Für das Klinikum Stuttgart versicherte dessen Chef: «In Stuttgart muss derzeit niemand befürchten, dass es für ihn kein Intensivbett gäbe.» Es komme nur sehr vereinzelt und temporär zu Kapazitätseinschränkungen. Auch beim Universitätsklinikum Freiburg betonte ein Sprecher: «Die Gesundheitsversorgung ist gewährleistet.» Man spüre aber über alle Bereiche eine angespannte Personalsituation. Besonders in der Notaufnahme seien mehr Menschen als sonst, weil sich kleinere Häuser von der Notfallversorgung wegen Personalmangels abmelden würden.

Auch Klinikum Karlsruhe hat viele Ausfälle

Dass wegen fehlenden Personals weniger Betten belegt werden könnten, fürchtet man auch beim Städtischen Klinikum Karlsruhe. Allein beim Pflege- und Funktionsdienst würden derzeit 215 Mitarbeiter durch Krankheit, Quarantäne oder damit einhergehendem Beschäftigungsverbot ausfallen. «Das sind etwa zwei bis dreimal so viele wie zu Normalzeiten», so ein Kliniksprecher. Aktuell würden in Karlsruhe 70 Prozent der Intensivbetten betrieben. Von den Operationssälen seien aufgrund der Personalengpässe rund 80 Prozent in Betrieb; Eingriffe müssten verschoben werden.

«Die Situation wird jeden Tag analysiert und entsprechende Maßnahmen werden ergriffen», sagte der Sprecher des Karlsruher Klinikums. Die Versorgung der Patienten sei grundsätzlich nicht beeinträchtigt. «Aber die Mitarbeiter sind erheblich belastet.»

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