Prozess in Konstanz

„Konnte nichts machen“: 13-Jähriger schildert tödlichen Überfall

Symbolbild Landgericht.
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Am Landgericht Konstanz geht es um Mord sowie um zweifach versuchten Mord (Symbolfoto).

Weil er seinen ehemaligen Chef mit einem Beil getötet haben soll, steht ein 36-Jähriger in Konstanz vor Gericht. Bei dem Überfall werden auch die beiden Söhne des Opfers lebensgefährlich verletzt. Zum Prozessauftakt schildert der Ältere der beiden seine schrecklichen Erlebnisse.

Konstanz (dpa/lsw) - Vermummt habe der Mann an einem Samstag im Januar vor dem Haus seines Vaters im Landkreis Konstanz gestanden. Wegen des Winterwetters und Corona habe er keinen Verdacht geschöpft, sagt der 13-Jährige vor Gericht. Er habe ihn sogar zunächst für den Postboten gehalten. Erst als er ein Beil bemerkt habe, sei er davongerannt. Wenig später ist sein Vater tot, sein 9 Jahre alter Bruder und er selbst schweben wegen schwerer Kopfverletzungen in Lebensgefahr.

Wegen des tödlichen Überfalls muss sich seit Mittwoch ein ehemaliger Mitarbeiter des getöteten Familienvaters vor dem Landgericht Konstanz verantworten (Az. 4 Ks 40 Js 1250/21). Die Staatsanwaltschaft wirft dem 36 Jahre alten Rumänen Mord und zweifachen versuchten Mord aus Habgier vor. Er habe aus dem Wohnhaus und Firmensitz seines ehemaligen Chefs Geld stehlen wollen. Zum Prozessauftakt schwieg der Angeklagte zunächst zu den Vorwürfen. Der 13 Jahre Sohn des Opfers schilderte die Tat dagegen ausführlich.

Sein Vater habe nur kurz ein Schulheft für seinen jüngeren Bruder kaufen wollen, als der Angreifer geklingelt und nach seinem Vater gefragt habe, sagte der Junge. Er spricht schnell, aber deutlich, beantwortet die Fragen der Richter, des Staatsanwalts und der Verteidigerin umfassend. Nach der Rückmeldung des 13-Jährigen, dass er seinen Vater nicht erreiche, habe der Mann auf einmal ein Beil gezückt. Vier oder fünf Mal habe der Täter im Haus mit der stumpfen Seite des Werkzeugs auf seinen Kopf eingeschlagen. «Ich habe bei jedem Schlag ein Geräusch gehört», sagte der 13-Jährige vor Gericht. «Ich war k.o., konnte nichts machen.»

Laut Staatsanwaltschaft war das erst der Beginn des Gewaltausbruchs des Angeklagten. Auch auf den jüngeren Bruder des 13-Jährigen habe der Mann mehrmals eingeschlagen, nachdem sich der 9-Jährige im Badezimmer des Hauses versteckt hatte. Der 46 Jahre alte Familienvater, von seinem jüngeren Sohn noch telefonisch alarmiert, sei nach seiner Rückkehr ins Haus vom 36-Jährigen tödlich verletzt worden. Später nimmt die Polizei den ebenfalls schwer verletzten Verdächtigen fest. Die Anklage geht davon aus, dass sich der Mann noch im Haus selbst mit einem Taschenmesser in die Brust stach.

Offen blieb zum Prozessauftakt die Frage nach dem Warum. Sein Vater habe den Angeklagten zwar vor einigen Jahren gekündigt, weil der im Verdacht gestanden habe, zu stehlen, sagte der 13-Jährige. «Aber ich hätte nie gedacht, dass er auf so eine Idee kommt.» Sein Bruder und er hätten den Mann gekannt und ein gutes Verhältnis zu ihm gehabt, betonte er. «Es ist mir ein Rätsel, warum er das gemacht hat.»

Auch der Vater des Todesopfers, der neben seinem Sohn wohnte und in der gemeinsamen Firma arbeitete, beschrieb den Angeklagten als «überaus freundlich». Zwar habe es den Verdacht auf Diebstahl gegeben, aber nie eine Konfrontation. Gekündigt habe der Mann vor vier Jahren selbst, danach habe der 72-Jährige ihn nicht mehr gesehen - bis er ihn, vom älteren Enkel alarmiert, nach dem Überfall mit einem Beil im Wohnhaus seines Sohnes erblickt habe.

Der vorsitzende Richter Arno Hornstein dämpfte nach der Aussage des 13-Jährigen die Hoffnung auf neue Erkenntnisse zum Motiv vor Gericht: «Ich glaube nicht, dass diese Frage beantwortet wird.» Es sei aber «großartig», dass der Junge ausgesagt habe, betonte Hornstein. «Du bist ein ganz wichtiger Zeuge.» Um den Schüler vorzubereiten, habe er sich zuvor mit dem Jungen im Sitzungssaal getroffen, sagte Hornstein. Immer wieder habe dieser dabei gesagt, dass er sich öffentlich äußern wolle. Zur Unterstützung saß eine Prozessbegleiterin an seiner Seite.

Eine konkrete Auswirkung hatten die Schilderungen des Jungen schon am Mittwoch: Der Angeklagte brach nach dessen Aussage sein Schweigen zu den Tatvorwürfen. «Er sagt, er hat keine Worte dafür», sagte die Dolmetscherin des 36-Jährigen, «und dass es ihm leidtut».

Für den Prozess hat das Gericht acht weitere Verhandlungstermine angesetzt. Ein Urteil ist demnach Ende Oktober möglich. Bei einer Verurteilung droht dem Angeklagten eine lebenslange Haftstrafe.

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