Prozess in Freiburg

„Immer unheimlicher“: Erzieherin beobachtet Kollegen mit Dreijährigem und hegt ungeheuerlichen Verdacht

Ein Kleinkind sitzt auf dem Boden und spielt mit Bauklötzen - den Kopf sieht man nicht
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In einer Kita in Freiburg will eine Erzieherin beobachtet haben, wie sich ein Kollege den Kindern auf unangemessene Weise näherte (Symbolbild)
  • Julian Baumann
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Eine Erzieherin einer Kita in Baden-Württemberg beschuldigt einen Kollegen, sich an einem Dreijährigen vergangen zu haben. Sie verliert sie ihren Job. Nun wird der uneindeutige Fall in Freiburg verhandelt.

  • Eine ehemalige Erzieherin einer Kita in Baden-Württemberg hält das Verhalten ihres Kollegen für verdächtig. Durch die Meldung verliert sie ihren Job.
  • Seit über einem Jahr kämpft die Frau vor Gericht gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber - der Fall wirft Fragen auf.
  • Durch das Coronavirus in Baden-Württemberg verzögerte sich die Verhandlung. Das Arbeitsgericht in Freiburg führte die Verhandlungen Ende Mai fort.

Freiburg - Eine Erzieherin einer Kita in Baden-Württemberg wirft einem Kollegen Übergriffe auf Kinder vor. Sie meldete ihren Verdacht dem damaligen Arbeitgeber. Der kündigte ihr im März vergangenen Jahres. Seit über einem Jahr kämpft die Frau vor dem Arbeitsgericht in Freiburg.

Laut der Badischen Zeitung gehe es ihr dabei nicht um Geld, sondern um Rehabilitierung. Ihr Anwalt Dr. Sascha Berst-Frediani bezeichnet die Erzieherin gegenüber der BZ als „Whistleblowerin“ („Hinweisgeber“) und kritisiert die Kündigung seiner Mandantin. Nach einer Verzögerung wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg wurde die Verhandlung in Freiburg Ende Mai fortgesetzt.

Kita in Baden-Württemberg: Erzieherin erzählt von besorgniserregenden Beobachtungen

Die Vorfälle in der Kita in Baden-Württemberg sind rätselhaft: Was passierte wirklich? Die ehemalige Erzieherin aus dem Umland von Freiburg wirft ihrem Kollegen vor, sich Kindern in der KIta auf unangemessene Weise genähert zu haben. Einige Vorfälle will sie sogar selbst beobachtet haben. Der Kollege habe sich während des Mittagsschlafs in der Kita in „Löffelchenstellung" zu den Kindern gelegt, sagte die Frau der Badischen Zeitung.

Anfangs habe sie sich gut mit dem Kollegen verstanden. Doch „ab einem gewissen Punkt“ sei es „immer unheimlicher" geworden. Die Erzieherin aus Freiburg berichtet außerdem, dass sie den Kollegen dabei erwischt habe, wie er einen dreijährigen Jungen mit heruntergezogener Hose auf dem Arm gehalten habe. Als er sie bemerkte, soll er die Hose des Kindes nach oben gezogen haben. Eingemischt habe sich die Erzieherin damals nicht, sie sei nicht auf Konfrontation aus gewesen, berichtet sie weiter.

Erzieherin meldet angeblichen Missbrauch mit deutlicher Verzögerung

Wie die Badische Zeitung berichtet, vertraute sich die ehemalige Erzieherin einer Kita in Baden-Württemberg zunächst niemandem an. Nachdem sie sich schlussendlich doch dazu entschieden hatte, sei sie nicht angehört und auf eine Teambesprechung verwiesen worden. Auch zur Polizei ging die Frau zunächst nicht, sie wollte die Vorfälle im Team klären. Zu einem Gespräch in der Kita in Freiburg kam es jedoch erst einen Monat später. Zu diesem Zeitpunkt war die Kündigung der Erzieherin schon beschlossen, berichtet die Badische Zeitung.

Das Arbeitsgericht Freiburg wies die Klage letztlich ab. Für die angeblichen Beobachtungen von Übergriffen in einer Kita in Baden-Württemberg gab es keine stichhaltigen Beweise. „Am Ende des Tages zahlt sie allein die Zeche“, sagte der Anwalt der ehemaligen Erzieherin nach Abweisung der Klage.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Regelbetrieb in Kitas wieder möglich

Schon Ende Mai gab das Land bekannt, dass Kitas und Schulen in Baden-Württemberg nach der Corona-Pause wieder öffnen sollen. Grundlage war eine Studie, die ein geringes Infektionsrisiko bei Kindern nahelegt. Das Kultusministerium verkündete am Dienstag, dass der Regelbetrieb in Kitas ab dem 29. Juni wieder möglich sei.

Die Studie des Universitätsklinikums Heidelberg bestätigte, dass Kinder unter zehn Jahren deutlich weniger anfällig für eine Erkrankung am Coronavirus in Baden-Württemberg sind. „Auf dieser Grundlage ist eine umfassende Öffnung der Kindertageseinrichtungen verantwortbar. Ebenfalls ermutigen uns die ersten Erkenntnisse aus anderen Ländern wie etwa Sachsen“, sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Dienstag in Stuttgart.

Neue Corona-Infektionen an einer Kita meldete die Stadt Sindelfingen. Nach Tests bestätigte sich der Verdacht, zwei Kinder sind mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg infiziert. Mehrere Kitas in Sindelfingen mussten kurz nach der Öffnung wieder schließen.

Die Staatsanwaltschaft Baden-Baden meldete am Donnerstag, den 9. Juli die Festnahme eines 63-Jährigen. Ihm wird eine hohe Zahl an Kindesmissbrauchsfällen vorgeworfen. Der 63-Jähriger aus Bühl soll sich 14 Jahre lang an kleinen Mädchen vergangen haben - die Staatsanwaltschaft geht von 180 Missbrauchsfällen aus.

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