Andrang bei Ärzten

Kinderärzte überrannt: „Eltern sind kranke Kinder nicht mehr gewohnt“, sagt Mediziner

Ein Kinderarzt untersucht ein Kind
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Kinderarzt-Praxen in Baden-Württemberg sind überlastet.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Durch die Hygienemaßnahmen und Lockdowns sind Kinder während der Pandemie seltener erkrankt. Jetzt, da der normale Alltag allmählich zurückkehrt, ändert sich die Lage drastisch.

Reutlingen - Aufgrund von Masken und Kontaktbeschränkungen erkrankten Kinder im vergangenen Jahr deutlich seltener als zuvor. Durch Lockerungen im Alltag werden die Lebensumstände nun wieder normaler. Damit kehren offenbar auch die Viren wieder zurück. Kinderärzte in Baden-Württemberg werden überrannt. Auch der Reutlinger Kinderarzt Till Reckert kann sich vor dem Andrang in seiner Praxis aktuell kaum retten. Sogar an seinem freien Tag habe er vergangene Woche „nonstop gearbeitet“, wie der Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte in Baden-Württemberg auf Anfrage von BW24 erklärt.

„Eltern sind es nicht mehr gewohnt, dass ihre Kinder krank werden“, so Till Reckert. „Sie waren jetzt lange mit ihnen wegen der Coronamaßnahmen daheim.“ Nun würden sie wieder daheim sitzen, diesmal aber wegen „infektiologischem Nachsitzen“. Viele Kinder hätten aktuell Schnupfen, Husten, Mittelohrentzündung oder Fieber. Aber auch Erbrechen und Durchfall sowie schmerzhafte Mundbläschen seien bei vielen wieder präsent. „Zudem ist auch die Nachfrage nach Attesten groß“, sagt der Kinderarzt aus eigener Erfahrung.

Mediziner: „Nicht nur Corona - auch andere Infektionen führen zu schweren Verläufen“

Zwischen all den derzeit kursierenden Erregern würde man das Coronavirus laut Reckert selten entdecken, wenn man nicht routinemäßig zu Selbsttests verpflichtet wäre. „Die Symptome unterscheiden sich zumeist nicht von den anderen Infekten“, so Reckert. „Auch andere Infektionen können in der Summe seltene Komplikationen hervorrufen und zu schweren Verläufen führen. Da bildet Corona keine Ausnahme.“

Problematisch sei es, wenn Erwachsene als Kinder nicht gelernt hätten, mit einem Virus umzugehen, so der Mediziner - beispielsweise, weil ein Virus neu in der Welt ist. Er spricht sich daher ausdrücklich für die Impfungen von Erwachsenen aus, die „eine gute Lernhilfe“ für das Immunsystem seien.

Kinderärzte überzeugt: „Infekte werden jetzt nachgeholt“

Aufgrund von Kita-Schließungen und anderen Corona-Maßnahmen im vergangenen Winter und Frühjahr sind viele Kinder bis jetzt nicht in Kontakt mit bestimmten Erregern gekommen. „Die Infekte werden jetzt nachgeholt“, bestätigte Jakob Maske, Sprecher des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte, gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa). Wegen der Atemwegsinfektion durch das Respiratorische Synzytial-Virus (RS-Virus) sind viele Kinderkrankenhäuser überfüllt, berichtet unser Partnerportal 24vita.de*.

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) sind die Krankenhaus-Einweisungen wegen Infektionen mit dem RS-Virus insbesondere bei den Ein- bis Vierjährigen rasant gestiegen. Mediziner sorgen sich angesichts der vielen schwerkranken Kinder um deren Versorgung in Herbst und Winter.*24vita.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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