Blau für Umweltschutz?

Kaufland-Kunden bekommen plötzlich blaue Kassenbons - das steckt dahinter

Ein Hinweisschild hängt am 13.02.2014 in Stuttgart (Baden-Württemberg) in einer Kaufland-Filiale über einer süßigkeitenfreien Kasse.
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Ein Kaufland-Kunde wunderte sich über einen blauen Kassenbon - was hat es damit auf sich?
  • Julian Baumann
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Kassenbons sind traditionell weiß, ein Kunde der baden-württembergischen Supermarkt-Kette Kaufland erhielt jedoch einen blauen Bon - was hat es damit auf sich?

Neckarsulm - In den Supermärkten und Discountern hat sich so einiges geändert. Neben der herkömmlichen Kuhmilch gibt es inzwischen eine breite Auswahl an pflanzlichen Alternativen und auch das vegetarische und vegane Angebot wächst immer weiter. Ein Kunde der Supermarkt-Kette Kaufland aus dem baden-württembergischen Neckarsulm (Kreis Heilbronn) staunte jedoch über eine ganz andere Änderung. Statt einem klassischen Kassenbon aus dünnem weißen Papier erhielt er einen blauen Bon. Auf Facebook teilte er seine Entdeckung und begrüßte den damit verbundenen Umweltgedanken. Er hatte jedoch auch einige Kritikpunkte an dem bunten Kassenbon - doch was hat es damit eigentlich auf sich?

Auf der Facebook-Seite der Warenhauskette Kaufland, die wie Lidl zur Schwarz-Gruppe gehört, posten Kunden so manche Entdeckungen aus den zahlreichen Filialen in Deutschland. Erst kürzlich postete ein Kaufland-Kunde Fotos aus einer Filiale, die leere Regale zeigten. Eine weitere Kundin schrieb auf Facebook, Kaufland habe ihr aufgrund eines Kinderwagens den Zutritt verwehrt. Im Vergleich dazu sorgt ein blauer Kassenbon wohl weniger für Aufregung. Doch so wie auch der Kaufland-Kunde wunderten sich bestimmt schon viele beim Einkaufen über die blauen Zettelchen. Hintergrund der farbigen Kassenbons ist tatsächlich ein Umweltgedanke, wie das Portal geo.de berichtet.

Kaufland: Blau statt Weiß - sind die bunten Kassenbons tatsächlich umweltfreundlicher?

In allen Geschäften in Deutschland gibt es seit einiger Zeit eine sogenannte Bonpflicht. Das bedeutet, dass die Verkäufer verpflichtet sind, den Kunden einen Kassenbon auszustellen. Ob die den Zettel mit der Auflistung ihrer Einkäufe und den entsprechenden Preisen annehmen, bleibt jedoch den Kunden überlassen. Durch die Pflicht stieg jedoch in jedem Fall die Menge an ausgestellten Bons und damit auch die Menge an Papier, das in den Müll wandert. Inzwischen setzen einige Discounter und auch Drogeriemärkte auf die blauen Bons, der Kaufland-Kunde wurde dagegen zum ersten Mal mit einem solchen Stück konfrontiert, wie er auf Facebook schreibt. „Tolle Sache (auf den ersten Blick)“, heißt es dort. Demnach hat der Kunde über die blauen Zettel nicht nur Positives zu berichten.

Da Papier normalerweise weiß ist, könnte man annehmen, die blauen Kassenbons seien mit einer Chemikalie eingefärbt worden. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie mehr Gift enthalten - ganz im Gegenteil. Die klassischen weißen Kassenbons werden auf Thermopapier gedruckt, das bis Ende 2019 die Chemikalie Bisphenol A (BPA) enthielt. Diese Substanz ist als „besonders besorgniserregender Stoff“ seit Anfang 2020 verboten, wie geo.de berichtet. Viele Hersteller nutzen seitdem Bisphenol S (BPS), was in den Augen des Umweltbundesamtes keinen wirklichen Fortschritt bedeutet. Obwohl die blauen Kassenbons, wie sie nun auch Kaufland verwendet, auf den ersten Blick künstlicher erscheinen, sind sie im Endeffekt jedoch deutlich umweltfreundlicher.

Kaufland-Kunde sieht nicht nur Vorteile - „Lösung eher ungeeignet“

Die blauen Kassenbons werden vor allem im Einzelhandel immer häufiger und bieten gleich mehrere Vorteile. Laut geo.de sind sie vollkommen ungiftig bei der Berührung und können sogar mit Lebensmitteln in Kontakt kommen. Das ist demnach auch ein Vorteil bei Lebensmittelhändlern wie Kaufland. Zudem können die blauen Bons problemlos im Altpapier entsorgt werden und sind durch die blau-graue Färbung für die Kunden als umweltfreundlich zu identifizieren. Die Bons vergilben im Gegensatz zu den Alten nicht und sind laut Herstellerangaben auch nach Jahrzehnten noch gut lesbar. In Bezug auf die Lesbarkeit hat der Kaufland-Kunde jedoch eine ganz andere Meinung.

„Beim zweiten Blick hatte ich diverse Probleme durch die niedrigen Kontrastunterschiede zwischen Schrift und Hintergrund“, schreibt der Kaufland-Kunde auf Facebook. „Bei mir geht´s ohne Brille gerade noch - aber Einkaufende mit Sehschwächen sind da wohl deutlich benachteiligt.“ Dass die blauen Bons nicht mehr in den Restmüll müssen, sondern bequem im Altpapier entsorgt werden können, hält er jedoch für eine „gute Lösung“. Kritik äußert er jedoch in Bezug auf die Haltbarkeit der Kassenbons. „Bei Nässe erweist sich der Bon als sehr rissempfindlich und man bekommt schwarze Finger vom Abrieb der sich auflösenden Farbe.“, schreibt er. Sein Fazit ist deshalb, dass die blauen Bons von Kaufland zum Entgegennehmen und direkt Entsorgen okay seien. Zum Nachlesen und archivieren sei die „Lösung eher ungeeignet.“

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