Expansion in Deutschland

Grünes Licht für Kaufland: Discounter darf 92 Real-Märkte übernehmen

Das Logo leuchtet am Morgen auf dem Dach eines Real Warenhauses.
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Durch die Entscheidung des Bundeskartellamtes könnten aus 92 Real-Standorten neue Kaufland-Filialen werden (Symbolbild).
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Der Lebensmittelhändler Real steckt in der Krise. Das Bundeskartellamt gab nun grünes Licht für die Zerschlagung der Kette - Kaufland darf 92 Märkte übernehmen.

Neckarsulm - Das Bundeskartellamt gab an diesem Dienstag, dem 22. Dezember, grünes Licht für die Zerschlagung der Lebensmittelkette Real, die sich seit längerer Zeit in der Krise befindet. Grund für die Auflösung der Kette ist neben der wirtschaftlichen Krise auch die Übernahme durch das russische Investmentunternehmen Sistema. Das Unternehmen hatte die ehemals 276 Real-Standorte von der Metro AG mit Hauptsitz in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) erworben.

Das Bundeskartellamt erlaubte dem Lebensmittelhändler Kaufland nun die Übernahme von bis zu 92 Real-Standorten in Deutschland, wie das Amt in einer Pressemitteilung schrieb. Kaufland gehört wie Lidl zu der Schwarz Gruppe mit Hauptsitz im baden-württembergischen Neckarsulm (Kreis Heilbronn). Beide Discounter zahlten ihren Mitarbeitern in diesem Jahr bereits Corona-Prämien für die Leistung während der Krise.

Kaufland: Lebensmitteldiscounter darf bis zu 92 Real-Märkte übernehmen

Die Schwarz-Gruppe ist mit einem Umsatz von rund 113 Milliarden Euro der mit Abstand größte Lebensmitteleinzelhändler in ganz Europa. Kaufland selbst betreibt rund 670 Warenhäuser und Verbrauchermärkte in Deutschland. Bereits vor zehn Jahren übernahm Kaufland mehrere Filialen von Schlecker in Ehingen (Alb-Donau-Kreis), Geislingen an der Steige (Kreis Göppingen), Göppingen und Schwäbisch Gmünd.

Am 15. Juni 2020 gab das Unternehmen bekannt, 101 Standorte der Handelskette Real und außerdem den Online-Marktplatz real.de übernehmen zu wollen. Das Bundeskartellamt gab diesem Vorhaben jedoch nicht nach.

Bei der Übernahme von Märkten durch ein anderes Einzelhandelsunternehmen muss das Kartellamt die Wettbewerbsfähigkeit gewährleisten. „Wir wollen für die Verbraucher dort, wo sie einkaufen, genügend Auswahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen Lebensmittelhändlern erhalten“, sagte Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, laut einer Pressemitteilung. „Deswegen erlauben wir Kaufland anstatt der 101 angemeldeten nur die Übernahme von bis zu 92 Real-Standorten“. In den betroffenen Märkten sei sonst die Ausweichmöglichkeit und der Wettbewerb zu stark beeinträchtigt worden.

Kaufland: Übernahme von Real-Standorten hängt von mehreren Faktoren ab

Ob Kaufland auch tatsächlich die genehmigten 92-Märkte von Real übernehmen kann, hängt laut der Pressemitteilung des Bundeskartellamtes von mehreren Faktoren ab. In einigen Fällen könnten die Standorte beispielsweise von mittelständischen Lebensmittelhändlern übernommen werden, in anderen stehe die Einigung zwischen Kaufland und den bisherigen Vermietern noch aus. Das Amt habe anhand von Payback-Daten ermittelt, aus welchem Gebiet 90 Prozent aller Kunden des jeweiligen Real-Marktes kommen. Auch das Verbraucherverhalten sei im Rahmen einer Verbraucherbefragung untersucht worden.

Sollte der gemeinsame Marktanteil der Schwarz-Gruppe, also der Discounter Kaufland und Lidl, inklusive der übernommenen Real-Standorte in einem regionalen Absatzmarkt 35 bis 40 Prozent oder mehr ausmachen, werde das Bundeskartellamt noch genauere Prüfungen der Wettbewerbsverhältnisse vor Ort vornehmen, heißt es in der Mitteilung. Durch die Zusage verzichtet Kaufland aufgrund der wettbewerblichen Bedenken des Amtes auf den geplanten Erwerb von 9 Real-Standorten. Darunter befindet sich auch ein Standort im baden-württembergischen Heidenheim an der Brenz.

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