Beliebte Teigware

„Grund, nicht mehr dort einzukaufen“: Kaufland wirft ganze Marke aus Sortiment - Kunden sind wütend

Einkaufswagen stehen vor einer Kaufland-Filiale.
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Bei Kaufland gibt es fortan die Nudeln von Riesa nicht mehr.
  • Berkan Cakir
    VonBerkan Cakir
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Weil sich Kaufland nicht mit einem Nudelhersteller preislich einigen kann, fliegt das Produkt aus den Regalen. Viele Kunden sind enttäuscht und fordern, die Ware wieder aufzunehmen.

Update vom 17. Juni, 16.05 Uhr: Es ist nicht einmal einen Tag her seit bekannt wurde, dass Kaufland Produkte des Unternehmens Risaer Teigwaren aus dem Sortiment werfen will, und schon gehen die Kunden des Discounters auf dessen Facebook-Seite auf die Barrikaden. Sie können den Schritt von Kaufland nicht nachvollziehen, die Produkte auszulisten. Kaufland hatte sich zu diesem Schritt entschlossen, weil dem Händler die gestiegenen Einkaufspreise bei den Risaer Teigwaren nicht passten.

Ein kommentierte daraufhin auf Facebook: „Wenn ich dann nur noch die über tausende von Kilometern hergebrachten Nudeln kaufen kann, ist das ganz klar wieder ein Grund mehr, nicht mehr bei Kaufland und Lidl einzukaufen.“ Kaufland nutze seine Marktmacht zulasten der Erzeuger aus.

Eine weitere Kundin sagt: „Schade, dass jetzt auch noch die Risaer Nudeln im Sortiment fehlen. Es sind viele gute Sachen verschwunden. Nur gut, dass ich vieles dann in anderen Supermärkten finde. Ich war immer gern bei Kaufland, wenn aber alles verschwindet...“

Kaufland reagierte auf die Posts lediglich mit kurz gehaltenen Entschuldigungen. Eine ausführlichere Begründung bekommen die verärgerten Kunden nicht.

Erstmeldung vom 16. Juni 2021: Neckarsulm - Warenverfügbarkeit war in Zeiten der Corona-Pandemie nicht immer selbstverständlich. Während der Lockdowns brach in Supermärkten und Drogerien die Panik aus. Kunden räumten Regale mit Nudeln, Konserven und insbesondere auch Toilettenpapier komplett leer. Die Hamsterkäufe gingen zum Teil so weit, dass sich die Drogeriekette dm genötigt sah, gegen die Panik im Corona-Lockdown eine Botschaft an die Kunden zu senden.

Nicht immer sind aber die Kunden dafür verantwortlich, dass keine Waren mehr verfügbar sind. Im aktuellen Fall von Kaufland etwa ist es das Unternehmen selbst, dass einem bei Kunden besonders beliebten Produkt in den Regalen keinen Platz mehr einräumen will. Seit einigen Monaten gibt es in den Filialen des Vollsortimenters keine Riesaer Teigwaren mehr - wenn überhaupt dann nur noch Restbestände aus dem Lager. Die Nudeln aus Sachsen waren bisher in allen Supermarkt-Ketten gelistet. Im Kaufland sollen sie fortan aber nicht mehr zum Verkauf stehen.

Kaufland führt einen knallharten Preiskampf gegen Riesa

Einem Bericht der Bild zufolge ist dafür ein knallharter Preiskampf verantwortlich. „Wir haben seit 10 Jahren unsere Preise nicht erhöht. Doch zuletzt sind die Kosten für Rohware, Verpackung und auch Benzin so explodiert, dass wir nachbessern mussten“, sagt Mike Henning gegenüber der Zeitung. Auf den höheren Einkaufspreis, den der Nudelhersteller aushandeln wollte, habe sich Kaufland aber nicht eingelassen, so der Riesa-Geschäftsführer. Dagegen hätte man sich mit Aldi, Rewe als auch Lidl einigen können.

Kaufland selbst wollte sich zu den Verhandlungsdetails nicht äußern. Fest steht nur, „dass keine weiteren Lieferungen geplant sind“. Für Riesa-Geschäftsführer Mike Henning sind die wirtschaftlichen und strukturellen Folgen, die die Auslistung haben könnte, noch völlig unklar. Gegenüber der Sächsischen Zeitung spricht er jedoch von einem „herben Schlag für sein Unternehmen“. Eine Einigung mit Kaufland sei derzeit nicht absehbar. Laut Bild fallen damit rund 20 Prozent der Gesamtnudelproduktion von Riesa weg.

Das Vorgehen von Kaufland ist nicht neu - auch andere Produkte wurden bereits ausgelistet

Viele Kunden sehen das Vorgehen von Kaufland kritisch. Auf der offiziellen Facebook-Seite des Unternehmens äußert sich der Unmut. Ein Nutzer schreibt, dass es sehr „bedauerlich“ sei, dass Riesa-Nudeln nicht mehr verkauft würden. Das führe dazu, „dass ich somit woanders einkaufen gehen werde“. Ein anderer Nutzer schreibt: „Es gibt keine Nudeln von Riesa mehr? Das ist eine große Enttäuschung.“

Das Vorgehen von Kaufland ist nicht neu. Im Preiskampf mit Herstellern ist die Auslistung für Lebensmitteleinzelhändler das letzte Mittel. Kaufland sorgte mit dieser Methode bereits für Schlagzeilen, als sämtliche Produkte von Unilever aus den Regalen genommen wurden. Rewe listete vor gut einem Jahr die Nudeln von Barilla aus. Zuletzt wurden 2020 von Lidl auch Produkte von Haribo aus den Filialen verbannt. Mittlerweile hat Lidl das Produkt jedoch wieder ins Sortiment genommen.

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