„Verurteilen wir aufs Schärfste“

Kaufland-Produkt löst Empörungswelle aus: Händler nimmt rassistische Figur aus Onlineshop

Eine Kauflandfiliale am Abend.
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Kaufland musste nach einem umstrittenen Produkt im Onlineshop Konsequenzen ziehen.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Auf der Online-Plattform von Kaufland tauchte ein rassistischer Dekoartikel auf. Nach einem Hinweis regierte der Lebensmittelhändler und entfernte das Produkt aus dem Shop.

Neckarsulm - Die Lebensmittelhandelskette Kaufland ist als Teil der Schwarz-Gruppe mit Sitz im baden-württembergischen Neckarsulm (Kreis Heilbronn) einer der größten Händler Europas. In letzter Zeit stieg die Anzahl der deutschlandweiten Kaufland-Filialen noch weiter an. Kaufland bekam im Dezember 2020 grünes Licht für die Übernahme von 92 Real-Märkten und baute damit das Handelsnetz weiter aus. Der Supermarkt-Riese übernahm dabei auch einen Bereich von Real, in dem er zuvor versagt hatte. Der Online-Auftritt der zerschlagenen Handelskette Real wurde zur Online-Plattform von Kaufland.

Auf der Online-Plattform von Kaufland, die in Form eines „Marktplatzes“ funktioniert, werden nicht ausschließlich Waren des Lebensmittelhändlers aus Neckarsulm angeboten. Auch externe Händler können dort ihre Waren verkaufen. Unter diesen angebotenen Artikeln eines externen Händlers war auch eine rassistische Deko-Figur, die als „Kartenhalter Dekofigur Kolonial ‚Mohr‘“ angeboten wurde, wie der Südwestrundfunk (SWR) berichtet.

Die Bezeichnung „Mohr“ gilt als diskriminierend, im vergangenen Jahr forderten Tausende, dass ein rassistisches Symbol von einem Wappen in Stuttgart verbannt wird. Nach einem Hinweis reagierte auch Kaufland und entfernte den Dekoartikel aus dem Online-Sortiment.

Kaufland: Rassistischer Dekoartikel in Online-Shop - „verurteilen wir aufs Schärfste“

Die Bezeichnung „Mohr“ bezeichnete historisch in älteren Sprachformen des Deutschen Bewohner des antiken und mittelalterlichen Nordafrikas (Mauren). Seit dem Mittelalter wurde der Begriff jedoch allgemein für Menschen mit einer dunklen Hautfarbe verwendet. Inzwischen wird die Bezeichnung als Verweis auf die Versklavung in der Kolonialzeit angesehen und gilt als diskriminierend und rassistisch. Deshalb wurde die Bezeichnung in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten aus Straßennamen, Firmennamen oder Bezeichnungen von Begrifflichkeiten entfernt. Das im Online-Shop von Kaufland angebotene Dekostück zeigte einen Mann mit dunkler Hautfarbe als Diener mit weißer Bekleidung und Turban, berichtet der SWR.

Die im „Marktplatz“ von Kaufland von einem externen Händler angebotene Dekofigur trägt nicht nur eine rassistische Bezeichnung, sondern zeigt mit einer gebückten, unterwürfigen Haltung auch das Bild der stereotypischen Vorstellung eines Menschen mit dunkler Hautfarbe in der Kolonialzeit. Die Lebensmittelkette Kaufland reagierte und entfernte das Produkt aus dem Online-Shop. „Wir stehen für Vielfalt, Toleranz und Offenheit. Rassismus und Diskriminierung verurteilen wir aufs Schärfste“, heißt es in einem Kaufland-Statement an den SWR. „Diese Dekofigur haben wir umgehend aus dem Angebot entfernt und uns hierzu mit dem Händler in Verbindung gesetzt.“

Kaufland: Diskussionen im Netz und Folgen für Händler

Nach der Entdeckung der rassistischen Dekofigur auf der Online-Plattform von Kaufland entbrannte auf Instagram eine hitzige Diskussion. Laut dem SWR fühlten sich mehrere User von dem Artikel diskriminiert und die Frage stand im Raum, welches Bild von „People of Color“ mit dem Artikel denn vermittelt werden solle, wenn man in der eigenen Wohnung eine solche Figur stehen habe. Noch sei nicht überall im Bewusstsein angekommen, dass solche Darstellungen und Muster verletzend sein können, sagte Tanja El Ghadouini von der Antidiskriminierungsstelle Heilbronn. Besonders schwer nachzuvollziehen sei eine solche Situation für Menschen, die davon noch nie betroffen waren.

Die Lebensmittelkette Kaufland kündigte nach der Entfernung des Artikels weitere Schritte gegen den externen Händler an, der die rassistische Dekofigur auf die Online-Plattform stellte. „In diesem Fall werden wir den Händler, neben der Löschung seines Angebots, abmahnen und bei einem erneuten Verstoß von einem Verkauf auf unserem Online-Marktplatz ausschließen“, heißt es in dem Statement. Im Online-Shop von Kaufland verkaufen externe Händler beispielsweise auch Garten- und Strandstühle. Ein Kaufland-Kunden waren irritiert, wegen völlig überteuerten Möbeln und ein weiterer Kaufland-Kunde entdeckte Gartenstühle für 10.000 Euro im Angebot.

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