„Greift meine Menschenwürde an“

Kunde will Kaufland nicht mehr betreten und löst Diskussion aus: „Glückwunsch zur Blamage“

Kunden stehen am 25.01.2012 an der Infotheke einer Kaufland-Filiale in München (Bayern).
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Bei Kaufland können sich Kunden einmal pro Woche auf das Coronavirus testen lassen. Für einen Kunden ist das ein Grund, dort nicht mehr einzukaufen.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Kaufland baut derzeit Schnelltest-Zentren vor seinen Filialen auf. Ein Kunde kündigte deshalb einen Boykott der Läden an - und argumentierte mit Verschwörungstheorien.

Neckarsulm - Einmal wöchentlich einen Coronatest machen und sich dadurch vor dem Besuch bei den Eltern oder Großeltern noch einmal absichern: Das wird bald ganz einfach und kostenfrei auch bei Kaufland und Lidl vor Ort möglich sein. Die Discounter wagen einen Vorstoß im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg und bundesweit. In Eppingen und Heilbronn wurden bereits die ersten Schnelltest-Zentren eröffnet, in Kürze folgen hunderte weitere Märkte. Doch nicht alle Kunden sind über die Teststationen erfreut. Einer will deswegen nun sogar Kaufland fern bleiben - und äußerte krude Verschwörungstheorien.

„Laut Medienberichten habe ich erfahren, dass Kaufland vor den Filialen Corona-Test-Stationen für Kunden einrichten möchte“, schreibt der Kunde auf der Facebook-Seite von Kaufland. „Sollte diese Nachricht stimmen und Sie die Maßnahmen durchführen, werde ich Kaufland nicht mehr betreten.“ Er sei „gesund und nicht ansteckend“. Außerdem dürfe nur ein Arzt - „laut medizinischem Recht“ - darüber bestimmen. „Jeder Test, der nicht von einem medizinisch ausgebildeten Personal erfolgt, greift meine Menschenwürde an“, so der Nutzer. „Ich lasse meine Gesundheit nicht von einer Verkäuferin oder Wachdienst bestimmen.“

Kaufland-Kunde erntet Kritik: „Typischer Fall von gefährlichem Halbwissen“

Prompt folgte Gegenwind von anderen Kunden. „Die Test-Stationen sind freiwillig und man darf ja auch ohne Test einkaufen. Das hat doch damit nichts zu tun“, ärgert sich eine Nutzerin. „Sei froh, dass es nun immer mehr Möglichkeiten gibt für die Menschen, die sich testen lassen möchten.“ Eine andere Nutzerin sieht hier einen „typischen Fall von gefährlichem Halbwissen“. Sie gratulierte dem Mann herzlich „zur öffentlichen Blamage“.

Es folgte eine ganze Welle an entrüsteten Reaktionen, die dem Mann widersprachen und ihn belächelten. „Schon mal das Wort ‚asymptomatisch‘ gehört?“, frage jemand. Offenbar wollte der Verfasser des Beitrags die Kritik nicht auf sich sitzen lassen und setzte nochmal mit einer Verschwörungstheorie nach: „Wer sich genau informiert hat, weiß, es gibt keine Pandemie. Es gibt noch nicht einmal eine Epidemie.“ In einem regelrechten Textschwall steigerte sich der Nutzer in seine kruden Theorien hinein und gab sich weiterhin überzeugt: „Ohne Test kein Einkaufen! Es fängt im Kleinen an“ Wer glaubt, das alles passiert freiwillig, schläft.“

Kaufland: Nicht der erste Verschwörungstheoretiker - prominentestes Beispiel: der Wendler

Kaufland kündigte an, dass die Testzentren vor den Filialen von einem Dienstleister aus dem Gesundheitswesen namens Ecolog durchgeführt werden. Personen, die sich testen lassen wollen, können sich auf einer eigens dafür eingerichteten Website anmelden oder die Eco-Care-App herunterladen und dort einen Termin buchen. Alternativ ist auch vor Ort eine Anmeldung möglich. Selbstverständlich wird niemand zu einem Test gezwungen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Kaufland mit Verschwörungstheoretikern zu tun hat. Das wohl prominenteste Beispiel: Kaufland löschte die Werbung mit Michael Wendler, weil der Schlager-Star verstörende Aussagen zu den Maßnahmen zum Infektionsschutz getroffen hatte. So behauptete Wendler, die Corona-Verfassung verstoße gegen das Grundgesetz und die Medien seien „gleichgeschaltet“. Einen Tag, nachdem der Wendler-Werbespot im Netz war, löschte ihn Kaufland und distanzierte sich von seinen Aussagen.

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