Kritik an Barrierefreiheit

Kundin sauer: Einkauf bei Kaufland und Lidl wird für viele Menschen zur Tortur - weil richtige Wagen fehlen

Ein Rollstuhlfahrer schiebt einen Rollstuhl-gerechten Einkaufswagen.
+
Eine Kaufland-Kundin versteht nicht, wieso die Rollstuhlfahrer-gerechten Einkaufswagen nicht längst in allen Filialen angekommen sind.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
    schließen

Viele Supermarkt-Filialen lassen in Hinblick auf die Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern zu wünschen übrig. Eine Kundin fordert deshalb von Kaufland und Co., mehr Rollstuhl-gerechte Einkaufswagen anzubieten.

Neckarsulm - Menschen mit besonderen Bedürfnissen müssen im Alltag häufig zurückstecken. Vor allem Personen mit Handicap stehen beim Einkaufen immer wieder vor Schwierigkeiten. Nicht jeder Supermarkt bietet zum Beispiel Rollstuhlfahrer-gerechte Einkaufswagen an. Für die Betroffenen wird der Lebensmittelkauf so zum Kraftakt. Eine Kundin hat diesen Missstand bemerkt - und richtet sich in einem eindringlichen Appell an Kaufland, Lidl, Penny, Aldi, Rewe und Edeka.

In ihrem Facebook-Posting, das die Kundin an die großen Supermarkt-Ketten richtet, zeigt sie, wie Rollstuhlfahrer-gerechtes Einkaufen aussehen sollte. Auf einem Foto aus einem Supermarkt in Holland hält sie fest, wie eine Person im Rollstuhl einen perfekt auf sie zugeschnittenen Wagen vor sich herschiebt. „So etwas müssten die Märkte in Deutschland auch haben - nicht nur in Großstädten“, meint die Verfasserin des Beitrags. „Dann ist das Einkaufen für einen Rollstuhlfahrer auch einfacher.“

Kaufland, Lidl, Penny und Co.: Märkte orientieren sich am Durchschnitts-Verbraucher

Dass sich der Einzelhandel in der Ausstattung von Läden häufig am Durchschnitts-Verbraucher orientiert, stößt so manchem Kunden bitter auf. Erst kürzlich forderte eine Lidl-Kundin die Einführung von Zwillingswagen in allen Filialen. Da ihre beiden dreijährigen Zwillinge nicht beide Platz im Wagen hatten, war es zu chaotischen Szenen gekommen. Im Vergleich zum Thema Barrierefreiheit wirkt ihre Forderung jedoch wie ein Luxusproblem.

„Einkaufen ist für mich grundsätzlich eine Herausforderung“, sagte eine Rollstuhlfahrerin gegenüber dem Reha-Care-Magazin. Manche Lebensmittelgeschäfte hätten oft nur noch große Einkaufswagen und keine kleinen Tragekörbe mehr. Auch andere Rollstuhlfahrer bestätigten diesen Eindruck gegenüber der Zeitschrift. „Ich würde mir wünschen, dass Barrierefreiheit im jeweiligen Konzept der Märkte automatisch integriert ist“, sagt eine Betroffene.

Barrierefreiheit in Deutschland: Rollstuhlfahrer sehen Ausbau-Bedarf

Augenscheinlich fehlen Behinderten-gerechte Wagen an allen Ecken und Enden. Doch das ist wohl nur die Spitze des Eisbergs. „Auch die Regalhöhe ist für mich als Rollstuhlfahrerin ein ständiges Problem“, schilderte eine Frau gegenüber dem Reha-Care-Magazin. Hinzu kommt in vielen Städten eine Infrastruktur, die Menschen im Rollstuhl nicht berücksichtigt.

Auch in der Landeshauptstadt Stuttgart fehlt es in vielen Läden, Restaurants und an öffentlichen Plätzen an Barrierefreiheit, wie eine Bestandsaufnahme der Stuttgarter Nachrichten zeigt. „Manche Architekten sollten sich mal in einen Rollstuhl setzen, um zu sehen, wie es den Leuten geht“, sagte eine Rollstuhlfahrerin gegenüber der Zeitung.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare