Vor der Südküste Norwegens

„Das größte und gefürchtetste Schiff“: Superwaffe der Nazis nach 80 Jahren in der Tiefe entdeckt

Das Wrack des Kriegsschiffes „Karlsruhe“ ist auf einem Sonarbild zu erkennen.
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„Karlsruhe“: Kriegsschiff aus der Nazi-Zeit liegt seit 80 Jahren in 500 Metern Tiefe.
  • Julian Baumann
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80 Jahre lang galt das deutsche Kriegsschiff „Karlsruhe“ als verschollen. Ingenieure entdeckten nun die Überreste des Schiffs vor der Südküste Norwegens. Die Forscher sprechen von einer „fantastischen Entdeckung“.

Oslo - Das deutsche KriegsschiffKarlsruhe“ lief am 20. August 1927 als zweites Schiff der Königsberg-Klasse vom Stapel. Benannt wurde das Schiff nach der gleichnamigen Stadt Karlsruhe in Baden-Württemberg. Der damalige Oberbürgermeister der Stadt, Julius Finter, hielt die Taufrede. Die „Karlsruhe“ sank am 9. April 1940 durch einen britischen Torpedo. „80 Jahre lang wusste niemand, wo das Schiff genau gesunken war“, sagte Frode Kvalø, Archäologe am Norwegischen Maritimen Museum der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Mittwoch. Norwegische Ingenieure der Firma Statnett inspizierten Stromkabel auf dem Meeresgrund vor der Südküste und entdeckten das Wrack des deutschen Kriegsschiffs.

„Karlsruhe“: Einziges großes deutsches Kriegsschiff, das an unbekannter Position verloren ging

Die „Karlsruhe“ war Teil des Unternehmens Weserübung des Deutschen Reichs. Das Unternehmen hatte das Ziel, am 9. April 1940 gezielte Angriffe auf norwegische Häfen auszuüben, wie die dpa berichtet. Das Kriegsschiff war auch an der Eroberung der norwegischen Stadt Kristiansand beteiligt. Noch am selben Tag fuhr das Schiff mit der Hälfte der ursprünglichen Mannschaft wieder aus dem Hafen. Dabei wurde die „Karlsruhe" von einem britischen Torpedo getroffen und so stark beschädigt, dass sich der Kapitän gezwungen sah, das Schiff mit den eigenen Torpedos zu versenken.

Die „Karlsruhe“ ist nach Angaben der dpa das einzige große Kriegsschiff von Nazi-Deutschland, das beim beim Angriff auf Norwegen bei unbekannter Position verloren ging. Das Schicksal des Schiffs blieb für lange Zeit ungeklärt. Die Mitarbeiter des Stromversorgers Statnett entdeckten bereits vor drei Jahren bei der Untersuchung von Unterwasserkabeln zwischen Norwegen und Dänemark einen Schatten auf dem Sonar. Genauer untersuchen konnten die Ingenieure ihren Fund jedoch erst im Juni diesen Jahres.

„Karlsruhe“: Experten untersuchen den Schatten und entdecken das Kriegsschiff

Die norwegischen Forscher konnten sich das Wrack der „Karlsruhe“ erst in diesem Jahr genauer anschauen. „Im Sommer mussten wir unsere Inspektionen der Kabel aussetzen, weil das Wetter zu schlecht war“, berichtet Olivia Knudsen von Statnett. „Dadurch hatten wir Zeit, uns den Fund in der Nähe des Kabels näher anzusehen". Die Experten verschafften sich mithilfe eines ferngesteuerten Unterwasserfahrzeugs und mehrstrahligen Echoloten ein Bild von dem, was dort auf dem Meeresgrund lag, wie die dpa berichtet.

Bei den Erkundungen der Experten seien deutlich Kanonen an Deck des Schiffes zu sehen gewesen. Die Entdeckung eines Hakenkreuzes ließ dann keine Zweifel mehr, wie die dpa berichtet. Es handelte sich um das vor 80 Jahren gesunkene KriegsschiffKarlsruhe“. Die Firma Statnett bezeichnet das Schiff in einer Pressemitteilung als „the largest and most fearsome ship in the attack group against Kristiansand“ (Das größte und gefürchtetste Schiff beim Angriff auf Kristiansand). „Der Bug ist weggesprengt, weil ein Torpedo die Munitionskammer traf“, berichtete der Archäologe Kvalø nach Angaben der dpa. „Aber sonst haben wir den Eindruck, dass das ursprünglich 175 Meter lange Schiff in einem guten Zustand ist“.

Kriegsschiff „Karlsruhe“: Fund soll erklären, was vor 80 Jahren passiert ist

Nach der Entdeckung der „Karlsruhe“ hofft Kvalø, mehr über die Ereignisse im April 1940 herauszufinden. Wenn geklärt sei, wem das Wrack nun gehöre, könne es mithilfe von ferngesteuerten Unterwasserfahrzeugen näher untersucht werden, sagte er nach Angaben der dpa. Das Schiff könne möglicherweise noch große Mengen Öl geladen haben. Eine Bergung des deutschen Kriegsschiffs hält der Forscher jedoch für unwahrscheinlich. „Das wäre zu teuer und die Konservierung eines so großen Metallboots zu schwierig".

Unklar sei auch, ob die Soldaten, als sie die „Karlsruhe“ verließen, ihre getöteten Kameraden zurückließen. „Anhand der Kriegstagebücher wissen wir, dass 13 Männer dabei gestorben sind, aber wir wissen nicht, ob sie mit von Bord genommen wurden“. Das große deutsche Kriegsschiff könne nach Angaben der dpa also auch ein Schiffsgrab sein.

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