Gleisprobleme durch Hitze

Karlsruher Bahn-Chaos: KVV gibt keine Rückerstattung für Fahrkarten - Kunde platzt der Kragen

Passanten überqueren die Gleise der Straßenbahn in Karlsruhe
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Ein Fahrgast zeigt sich von der Antwort der Verkehrsbetriebe Karlsruhe enttäuscht.
  • Berkan Cakir
    VonBerkan Cakir
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Tagelang war der Bahnbetrieb in Karlsruhe aufgrund von Hitzeschäden nicht möglich. Ein Fahrgast fordert deshalb Rückerstattung. Der Verkehrsverbund zeigt sich wenig kulant.

Karlsruhe - Mitte Juni herrschten in Deutschland deutlich zu hohe Temperaturen. Bei der ersten richtigen Hitzewelle des Jahres erreichte das Thermometer im Südwesten bis zu 37 Grad. Das zog selbst Bahnschienen in Mitleidenschaft: In Karlsruhe sorgte die Hitze für ein Bahnchaos. Dabei wurde Fugenmasse an zahlreichen Stellen im Gleisbett aufgeweicht, ein Straßenbahnbetrieb war in der Folge tagelang nicht möglich.

Rund zwei Wochen später teilt der Verkehrsverbund Karlsruhe (KVV) mit, dass dadurch Schäden in Millionenhöhe verursacht worden seien. Noch immer sind nicht alle Linien der Straßenbahn wieder in Betrieb. Die Reinigungsarbeiten laufen nach wie vor.

Fahrgast fordert von Karlsruher Verkehrsbetriebe eine Rückerstattung

Die zahlreichen Ausfälle sorgen für Ärger. Nicht nur der Fahrgastbeirat aus Karlsruhe kritisiert laut SWR das Krisenmanagement der Verkehrsbetriebe. Wie die Badischen Neuesten Nachrichten berichten, bemühen sich auch Pendler vergeblich um eine Rückerstattung des Ticketpreises für die Tage, an denen die Fahrten ausfielen.

Berichtet wird von einem Fahrgast, der sein Monatsticket genau an dem Tag kaufte, an dem das Bahnchaos ausbrach. Nach dem sich nach wenigen Tagen herausgestellt habe, dass der Bahnbetrieb so schnell nicht wieder laufen werde, habe er sich an die Mitarbeiter des KVV gewandt. Seine Bitte: Der Verkehrsbetrieb möge ihm für jeden ausgefallenen Tag 1/30 seines Monatskartenpreises von insgesamt 85,50 Euro zurückerstatten - also rund 2,80 Euro pro Tag.

Die Antwort der KVV Beschwerdestelle: Man sei lediglich bereit, die Monatskarte ganz zurückzunehmen. Allerdings würden für jeden bisher genutzten Tag fünf Prozent des Kaufpreises abgezogen.

Die Antwort der Karlsruher Verkehrsbetriebe verärgert den Pendler

Bei dieser Antwort sei dem Fahrgast der Kragen geplatzt, der das Verhalten der Verkehrsbetriebe als „grenzwertig“ bezeichnet. Es könne nicht sein, dass er ein solches Angebot erst neun Tage nach dem Beginn des Bahnchaos erhalte. Andernfalls hätte er gleich reagieren und das Ticket am ersten Tag der Schienenausfälle zurückgeben können. Eine Entschädigung, so schreibt das Unternehmen an den Fahrgast, sei jedenfalls nicht möglich, da er das Ticket noch weiterhin nutzen könne.

„Nicht alle Fahrgäste waren von dem Ausfall gleichermaßen betroffen, manche Schulfahrten konnten auch wie geplant gemacht werden“, sagt der KVV-Pressesprecher zu den Badischen Neuesten Nachrichten. „Deshalb müsste man im Einzelfall dezidiert auseinanderklamüsern, wer an welchen Tagen nicht zum Ziel kam.“ Dieser Aufwand sei allerdings kaum zu stemmen.

Fahrgast aus Karlsruhe überlegt, ob er nicht aufs Fahrrad umsteigt

Für den betroffenen Fahrgast, der sich schriftlich mehrmals an den Verkehrsbetrieb wandte, ist die Antwort des KVV trotz seiner Bemühungen ernüchternd. Er habe sich das anders vorgestellt und mehr Kulanz erhofft. Ob er sich noch einmal eine Monatskarte kaufe - oder lieber mit dem Fahrrad fahre - wolle er sich überlegen.

Auch in anderen Teilen Baden-Württembergs kam es zu zahlreichen Bahnausfällen und Verkehrsbehinderungen. Betroffen war vor allem die Region Stuttgart. Der Grund war nicht, wie in Karlsruhe, die extreme Hitze. In der Nacht von Montag auf Dienstag kam es zu heftigen Gewittern. Wetter-Prognosen zufolge bleibt es weiterhin gefährlich, vor allem in Baden-Württemberg soll es wieder Unwetter geben.

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