„Kunst am Bau“

Finanzamt Karlsruhe verkauft Banknoten-Parfüm: wurde dafür Steuergeld verschwendet?

  • Valentin Betz
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Im Neubau des Finanzamts Karlsruhe wird Parfüm verkauft, das nach Geld riecht. Der Steuerzahlerbund wittert Verschwendung von Steuergeldern - und hat sich beschwert.

Karlsruhe - Weil die Gerber für ihr Leder Urin aus öffentlichen Toiletten benutzten, erhob der raffinierte römische Kaiser Vespasian eine Latrinensteuer. Auf die Frage, wie er aus solch einer fragwürdigen Quelle Geld machen könne, soll er geantwortet haben „Pecunia non olet“ - „Geld stinkt nicht.“ Das genaue Gegenteil ist jetzt sogar im Neubau des Finanzamts Karlsruhe der Fall - denn dort wird künftig Parfüm verkauft, das nach Geld duftet. Die Kreation „Aerarium“ wurde von Konzeptkünstlerin Katharina Hohmann entwickelt und ist Sieger eines „Kunst am Bau“-Wettbewerbs.

Für Künstler wurde Geld verdienen wegen der Corona-Pandemie zuletzt immer schwerer. Auch die Kultur in Stuttgart steht seit Monaten still. Für den Steuerzahlerbund stinkt das Geld-Parfüm aus Karlsruhe trotz der schwierigen Zeiten für Künstler hingegen gewaltig. Der Verein hat laut der Deutschen Presseagentur eine Anfrage an das Finanzministerium gestellt. Der Bund vermutet Verschwendung von Steuergeldern, weshalb man das Parfüm ins sogenannte „Schwarzbuch“ aufnehmen will.

Banknoten-Parfüm: Steuerzahlerbund wegen „Kunst am Bau“-Aktion alarmiert

Weil es sich bei dem Banknoten-Duft aber um eine Kunstaktion handelt, könne der Steuerzahlerbund vielleicht auch gar nichts machen, erklärte ein Sprecher des Vereins der Deutschen Presseagentur. Denn bei Neu-, Um- und Erweiterungsbauten des Landes Baden-Württemberg können den Angaben zufolge - „soweit Zweck und Bedeutung der Baumaßnahme dies rechtfertigen“ - bis zu ein Prozent der anrechenbaren Kosten für sogenannte „Kunst am Bau“ veranschlagt werden.

„Kunst am Bau“: Das Finanzamt Karlsruhe bietet Parfüm an, das nach Geld riecht. Der Steuerzahlerbund wittert Verschwendung.

Das Parfüm „Aerarium“ kann im Internet bestellt werden und wird in verschiedene Flakons abgefüllt. Die Fläschchen sind in einer Vitrine im Eingangsbereich des Finanzamts ausgestellt, können dort abgeholt werden und gehören damit quasi zum Neubau. Ein Sprecher des Finanzministeriums erklärte der Deutschen Presse-Agentur, die Ausgaben für das Kunstwerk hätten 90.000 Euro betragen, die Investition in den Neubau insgesamt rund 27 Millionen Euro. „Das Budget für ‚Kunst am Bau‘ wird zu Beginn der Maßnahme festgelegt und ist somit für alle Entwurfsbeiträge gleich“, so der Sprecher.

Parfüm im Finanzamt Karlsruhe: Durch Verkauf der Flakons entsteht kein Mehrwert

„Aerarium“-Flakons mit dem Duft des Geldes kosten 60 Euro. Die Einnahmen fließen aber direkt wieder in die Produktion einer neuen Charge. Einen Gewinn erzielen damit weder die Künstlerin noch das Finanzamt Karlsruhe. „Das Parfüm Aerarium macht die philosophische Assoziation von Duft und Geld erlebbar“, heißt es auf der Homepage zu der Kreation. „Beide sind nicht wirklich greifbare, teils symbolisch umgedeutete, aber auch flüchtige Stoffe.“ 

Neben der im Sprachgebrauch lange vorhandenen Beziehung zwischen Geld und Geruch hat die Künstlerin Katharina Hohmann aber wohl vor allem der Ort für den Neubau des Finanzamtes Karlsruhe inspiriert. Laut Angaben der Stadt Karlsruhe stand dort nämlich ursprünglich die Parfümerie F. Wolff und Sohn.

Rubriklistenbild: © Uli Deck/dpa

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