Anschlag bleibt ungeklärt

Nach geplantem Attentat auf Karlsruher Eisbahn 2017: Angeklagter freigesprochen - Richter zweifeln

Ein mutmaßlicher Islamist hält sich einen Ordner vor das Gesicht und wird von Justizbeamten an seinen Platz im Gericht geführt.
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Dem Angeklagten wurden Unterstützung und Mitgliedschaft in der Terrormiliz Islamischer Staat vorgeworfen.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Ein 32-jähriger aus Freiburg ist von dem Vorwurf freigesprochen worden, einen Anschlag auf die weihnachtliche Eislaufbahn in Karlsruhe geplant zu haben. Wegen seiner Angehörigkeit zum IS muss er trotzdem ins Gefängnis.

Karlsruhe/Stuttgart - An seiner IS-Mitgliedschaft gibt es für die Richter keine Zweifel, doch ob er 2017 wirklich einen Anschlag auf die Karlsruher Eisbahn geplant hat, ist weiterhin unklar. Es gibt zwar eine Zeugenaussage, aber gleichzeitig zu viele Ungereimtheiten und zu wenig eindeutige Beweise. Deshalb wurde der 32-jährige Verdächtige nun vor dem Oberlandesgericht in der Landeshauptstadt Stuttgart freigesprochen. Der Prozess zog sich insgesamt mehr als zwei Jahre. Baden-Württemberg will sich in Zukunft für Szenarien wie diese wappnen und bereitet sich auf mögliche Terroranschläge des IS vor.

Der rätselhafte Fall hatte im Winter 2017 für Aufsehen gesorgt: Gerade mal ein Jahr nach dem Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz mit insgesamt zwölf Toten soll der Mann erwogen haben, mit einem Lastwagen auf die Stände an der Karlsruher Eislaufbahn zuzufahren und möglichst viele Menschen zu töten. Das vermutet die Bundesanwaltschaft laut der Deutschen Presseagentur (dpa). Der Haken an der Sache: Die Vorwürfe stützten sich im Wesentlichen auf die Aussagen einer Vertrauensperson, die Verbindungen zu dem Mann gehabt hatte. „Auf seine Angaben können wir nicht bauen“, sagte jedoch der Richter in Stuttgart.

Freispruch im Fall um möglichen Anschlag auf die Karlsruher Eisbahn

Ob der Angeklagte vor drei Jahren wirklich einen Anschlag auf die Karlsruher Eisbahn geplant hatte oder nicht, wird womöglich nie abschließend geklärt. Trotz des Freispruchs zum Vorwurf des geplanten Anschlages, wurde der Angeklagte wegen seiner nachweislichen Zugehörigkeit zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Staatsschutzsenat ist sich sicher, dass der Mann IS-Mitglied war und die Organisation unterstützt hat. So soll er beispielsweise auch in verschiedenen Chatgruppen Propaganda des IS verbreitet haben.

Die Bundesanwaltschaft hatte ursprünglich eine Haftstrafe von insgesamt acht Jahren und drei Monaten gefordert. Da der Angeklagte bereits eine dreijährige Untersuchungshaft absitzt und bereits im Irak eine Gefängnisstrafe bekommen hat, ist bisher noch nicht klar, wie viel von den fünfeinhalb Jahren er überhaupt letztendlich noch absitzen muss.

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