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Abwasser-Orakel liefert treffsichere Prognosen der Corona-Zahlen

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Von: Sina Alonso Garcia

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Kläranlage und Labor
Abwasser aus dem Karlsruher Klärwerk wird im Labor auf Coronavirus-Erreger untersucht (Symbolbild). © dpa/Thomas Frey/Hendrik Schmidt (Fotomontage BW24)

Anhand des Abwassers in der Karlsruher Kläranlage lässt sich das Infektionsgeschehen in der Bevölkerung bis zu zehn Tage zuverlässig vorhersagen.

Karlsruhe - Im Karlsruher Klärwerk wird das Abwasser von rund einer halben Million Menschen gereinigt. Damit ist es das zweitgrößte Klärwerk in Baden-Württemberg. Doch im Trüben fischt man hier mitnichten. Was hier angespült wird, gibt wichtige Informationen über Infektionen mit dem Coronavirus in der Bevölkerung - häufig schon, bevor die Infizierten selbst davon wissen.

Wird das Coronavirus vom menschlichen Körper ausgeschieden, zerfällt es und landet in Bruchstücken im Abwasser. „Anhand von Abwasserproben im Klärwerk lassen sich diese Bruchstücke sehr genau erfassen und bestimmen“, sagt Andreas Thiem vom Technologiezentrum Wasser in Karlsruhe gegenüber dem SWR. Bis zu zehn Tage vorher lässt sich so genau vorhersagen, wie sich das Infektionsgeschehen bei den 500.000 Menschen, deren Abwasser hier landet, entwickelt.

Coronavirus: Karlsruher Abwasser erkennt sogar Mutanten

Das „Abwasser-Orakel“, wie es bei den Badenern jetzt gerne genannt wird, ist sogar in der Lage, Mutanten des Coronavirus genau zu erkennen. Auch die Omikron-Variante könnte es identifizieren. „Wenn sich nur 20 Menschen in Karlsruhe infizieren, würden wir das im Abwasser sehen“, erklärt Andreas Tiehm.

Für politische Entscheidungsträger sind die Ergebnisse des Abwasser-Orakels höchst interessant: Wie der SWR berichtet, ziehe Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) die Werte wiederholt im Krisenstab des Stadt- und Landkreises Karlsruhe zurate.

Abwasser-Orakel in Karlsruhe: Zahlen sind der Öffentlichkeit nicht zugänglich

„Wir überwachen das Wasser rund um die Uhr auf Inhaltsstoffe“, sagt Martin Kissel, Leiter des Karlsruher Tiefbauamtes. Infektiös sei das Abwasser jedoch nicht mehr, da es keine lebenden Viren enthalte, sondern eben nur Bruchstücke.

Nachdem die Zahlen des Abwasser-Orakels seit März 2021 regelmäßig an den städtischen Verwaltungsstab übermittelt wurden, hatte die Gemeinderatsfraktion Freie Wähler/FÜR Karlsruhe beantragt, die Zahlen auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Verwaltung im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen erteilte dem Ansinnen jedoch eine Absage. „Wir würden dadurch möglicherweise Verwirrung stiften, weil die Sachlage sehr komplex ist“, erklärte Baubürgermeister Daniel Fluhrer.

Es handle sich um wissenschaftliche Daten, die einen Trend darstellen, aber nicht in allgemein verständliche Eckdaten umgerechnet werden können. Darüber hinaus sei die ebenso gewünschte Stadtteil-spezifische Untersuchung durch den Projektpartner Technologiezentrum Wasser nicht umsetzbar, da dazu eine signifikant größere Anzahl an Proben entnommen werden müsste und eine aufwändigere Analyse notwendig sei.

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