Coronavirus in Baden-Württemberg

Apotheker hält Astrazeneca in Deutschland für nicht mehr verimpfbar - „Kapitel ist beendet“

Eine junge Frau, die durch die Aufhebung der Priorisierung bei Corona-Impfungen impfberechtigt ist, bekommt im Impfzentrum des Klinikum Stuttgart ihre Erstimpfung mit dem Corona-Impfstoff von Moderna.
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Keine Zweitimpfung mit Astrazeneca: Wer eine Erstimpfung mit dem Vakzin bekommen hat, soll als zweites Moderna oder Biontech erhalten.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Die Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg sinken. Das Impfen schreitet voran. Nur für Astrazeneca sieht die Zukunft düster aus, glaubt ein Stuttgarter Apotheker. Die Zeit des Impfstoffs sei vorbei.

Stuttgart - Die Corona-Inzidenz sinkt kontinuierlich, es gibt immer mehr Lockerungen in Baden-Württemberg. Doch haben bei weitem noch nicht alle einen kompletten Impfschutz. Vor allem auf all diejenigen, die bei ihrer ersten Dosis Astrazeneca verabreicht bekommen haben, wartet nun eine Änderung: In ihrem Fall empfiehlt die Stiko seit dem 1. Juli 2021 eine sogenannte Kreuzimpfung. Heißt im Klartext: Als Zweitimpfung sollte ein mRNA-Impfstoff von Biontech oder Moderna verabreicht werden. Die Immunantwort bei einer Kreuzimpfung sei deutlich besser als bei zwei Astrazeneca-Impfdosen, sagt auch das Robert-Koch-Institut. Bedeutet das ein Aus für das Astrazeneca?

Coronavirus in Baden-Württemberg: Landet der Impfstoff nun im Müll?

Seit der neusten Stiko-Empfehlung gingen in Baden-Württemberg die Bestellungen für Astrazeneca stetig zurück, sagt Björn Schittenhelm, Apotheker aus Holzgerlingen, der Stuttgarter Zeitung. „In Deutschland ist der Impfstoff nach dieser Empfehlung nicht mehr verimpfbar“, ist er sich sicher. Auch bei den Erstimpfungen mit Astrazeneca sieht der Pharmazeut für die Zukunft schwarz. „Das Kapitel ist jetzt offiziell beendet.“ Was genau mit den noch vorhandenen Dosen passiert, ist noch nicht geklärt. Im Müll solle das nicht genutzte Vakzin aber auf keinen Fall landen, sondern eingelagert und eventuell in andere Länder verschickt werden.

Das Vakzin steht schon länger in der Kritik, zum einen wegen seiner geringen Wirksamkeit von 70 Prozent, zum anderen wegen seiner vielen Nebenwirkungen. Aufgrund von einzelnen Fällen, bei denen nach der Verimpfung von Astrazeneca Hirnthrombosen auftraten, wurden die Impfungen mit dem Stoff eine Zeit lang ausgesetzt.

Folglich blieb vielerorts auch noch eine Nachfrage aus, als der Astrazeneca-Impfstoff für alle freigegeben wurde. Björn Schittenhelm erwartet, dass die Nachfrage nach der Stiko-Empfehlung nur noch weiter sinkt. Schon jetzt zeichnet sich ein Trend ab: Laut dem Apotheker wird kommende Woche eine Lieferung mit 1,1 Millionen Dosen Astrazeneca in Deutschland erwartet, davon forderten Hausärzte aber nur 300.000 Dosen an. Denn häufig bleiben letztere auf den Astrazeneca-Dosen sitzen.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Wird der Impfstoff knapp?

Die neue Stiko-Empfehlung stellt das Land Baden-Württemberg vor eine große Herausforderung. „Wir benötigen kurzfristig und in den nächsten Wochen mehr mRNA-Impfstoffe, als ursprünglich geplant“, sagte ein Sprecher des Sozialministeriums in Stuttgart der Stuttgarter Zeitung. Dadurch könne es in den Impfzentren und Arztpraxen zu einem Mangel an mRNA-Impfstoffen kommen. „Wir sind bemüht, Engpässe, die sich abzeichnen, früh zu erkennen und zu beheben“, so der Sprecher weiter. Ein erneuter Impfstoff-Mangel wie im Mai 2021 sei in Baden-Württemberg jedoch nicht zu befürchten.

Seit der Aufhebung der Impfpriorisierung am 7. Juni 2021 können zudem alle erwachsenen Personen unabhängig von Vorerkrankungen, Alter oder Beruf einen Impftermin vereinbaren. „Wer jetzt eine Impfung haben will, bekommt sie auch“, betont Björn Schittenhelm.

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