Diskussion über Hütehund-Rasse

„Todes-Hund“ fehlt auf „Schwarzer Liste“ für gefährliche Rassen - Debatte entflammt in Ba-Wü

Ein anatolischer Hütehund, auch bekannt als Kangal, steht auf einer Wiese und schaut in die Kamera.
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Kangals gelten offiziell nicht als „Kampfhunde“. Eine Gemeinde im Zollernalbkreis diskutierte trotzdem darüber, die Rasse auf ihrer „Schwarzen Liste“ zu belassen.
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    VonValentin Betz
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Hundebesitzer in Deutschland zahlen Steuern. Über deren Höhe entscheiden die Gemeinden. Im Zollernalbkreis ist über eine „Schwarze Liste“ eine Diskussion entbrannt.

Haigerloch - Hunde sind in Baden-Württemberg ein beliebtes Haustier. Mit einem Vierbeiner als Weggefährten gehen allerdings nicht nur viel Verantwortung, sondern auch ordentliche Kosten einher. Dabei schlagen weniger die täglichen Anschaffungen wie Spielzeug oder Futter zu Buche, als die in Deutschland geltende Hundesteuer.

Wie hoch diese ausfällt, entscheiden in der Bundesrepublik die Gemeinden. In dem Ort Haigerloch im Zollernalbkreis hat der Gemeinderat unlängst über eine neue Hundesteuersatzung entschieden. Wie der Schwarzwälder Bote berichtet, entbrannte dabei eine Diskussion über deren „Schwarze Liste“. Sie führt Hunderassen auf, die als besonders gefährlich eingestuft und deshalb entsprechend hoch besteuert werden.

„Schwarze Liste“ in Haigerloch: Gemeinderat ordnet gefährliche Hunderassen neu ein

Als Anhaltspunkt für die Einstufung der Gefährlichkeit von Hunderassen gilt in Baden-Württemberg die Polizeiverordnung. American Staffordshire Terrier, Bullterrier und Pit Bull Terrier werden grundsätzlich als „Kampfhunde“ bewertet. Deren Halter müssen deshalb besondere Bedingungen erfüllen und hohe Steuern zahlen. In Baden-Württemberg werden neuerdings Hundebesitzer ohnehin genauer beobachtet. Für Halter ist der „Hundeführerschein“ inzwischen Pflicht.

Die Gemeinde Haigerloch im Zollernalbkreis hat sich in ihrer neuen Hundesteuersatzung an der Polizeiverordnung orientiert - die darauf gelisteten gefährlichen Rassen kosten den Halter dort 600 Euro. Da die Haltung nicht grundsätzlich verboten werden kann, will die Gemeinde das Vorkommen bestimmter Hunderassen über finanzielle Aspekte beschränken. Nach der Devise: Was viel kostet, wird seltener angeschafft.

Eine Hunderasse, die nicht in der Polizeiverordnung steht, sorgte in Haigerloch aber trotzdem für Diskussionen. Der Gemeinderat war sich bis zuletzt uneinig, ob der Kangal in der alten Version der „Schwarzen Liste“ belassen werden sollte. Die türkischen Hütehunde können eine Schulterhöhe von 90 Zentimetern erreichen und bis zu 80 Kilogramm schwer werden. Letztlich stimmten die Mitglieder aber dagegen - obwohl die Rasse bereits für tödliche Zwischenfälle gesorgt hat.

Kangal nicht auf „Schwarzer Liste“: Haigerloch stuft die Rasse nicht als gefährlich ein

Im Gemeinderat von Haigerloch stimmten 15 Mitglieder dafür, den Kangal von der „Schwarzen Liste“ zu streichen. Entsprechend fällt der Steuersatz für diese Rasse niedriger aus als bei klassischen „Kampfhunden“ wie dem Pit Bull Terrier. Sechs Gemeinderäte sahen den Kangal aber weiterhin als gefährliche Rasse. Sie stützten sich dabei auch auf einen tödlichen Zwischenfall aus der Vergangenheit.

Nicht weit von Haigerloch entfernt griff ein Kangal 2017 eine 72-jährige Frau an. Bei dem Vorfall in Stetten wurde die Seniorin tödlich verletzt, weshalb der Schwarzwälder Bote den anatolischen Hütehund als „Todes-Hund“ bezeichnete. Angriffe von Hunden kommen in Baden-Württemberg leider immer wieder vor, unabhängig von der Rasse. Im Juli dieses Jahres attackierten Hunde einen Spaziergänger und verletzten ihn schwer. Besonders dramatisch wird es, wenn sich die Vierbeiner auf Wehrlose stürzen. Wiederholt werden Kinder von Hunden gebissen. So zum Beispiel in Mannheim, wo ein Hund ein fünfjähriges Kind ins Gesicht biss. In Freiberg am Neckar sorgten ebenfalls Kangals für Angst in der Nachbarschaft.

Haigerloch im Zollernalbkreis entschied sich indes in einem weiteren Punkt, nicht der Polizeiverordnung zu folgen. Neun von zwölf „Kampfhund“-Rassen können durch eine Wesensprüfung eigentlich der Listung als „gefährlich“ entgehen - und damit zu einer Reduzierung der Steuern führen. In Haigerloch will man das aber nicht. Einmal als „gefährlich“ eingestuft, zahlt der Halter einer solchen Rasse auch den vollen Steuersatz.

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