„Es sind Tränen geflossen“

Nach 60 Jahren: Freiburger Traditionshaus muss schließen - 215 Mitarbeiter verlieren Job

Eine Verkäuferin arbeitet in einer Modefiliale.
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Rund 7.000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche verschwinden mit der Marke Kaiser aus Freiburg (Symbolbild).
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Das Freiburger Modehaus Kaiser macht Ende Juni 2022 die Schotten dicht. Schuld sind laut Inhaber die wachsende Konkurrenz durch den Online-Handel sowie die Folgen der Corona-Pandemie.

Freiburg - Ein Traditionsunternehmen verschwindet aus Freiburg: Die Modefirma Kaiser schließt ihre drei Häuser in der Innenstadt. Das berichtet die Badische Zeitung. 215 Mitarbeiter seien betroffen - viele von ihnen sind wohl schon jahrzehntelang im Unternehmen. Für sie soll es „verträgliche Soziallösungen geben“, heißt es. Laut Inhaber Frank Motz sehe man in dem Geschäft keine Zukunft. Zum einen wachse die Konkurrenz im Online-Handel, zum anderen hat das Coronavirus die Wirtschaft fatal getroffen* (BW24* berichtete). Motz spricht von Umsatzverlusten in Millionenhöhe.

Das Geschäft bei Kaiser lief offenbar nicht erst seit dem Ausbruch des Coronavirus* schlechter. Schon zuvor seien die Umsätze um ein Viertel zurückgegangen, sagte Frank Motz der Badischen Zeitung. Die Kundenfrequenz in der Freiburger Innenstadt habe abgenommen, während der Online-Handel immer mehr Marktanteile bekommen habe. In den Corona-Jahren 2020 und 2021 habe der Umsatz des Modehauses bei nur noch 50 Prozent gelegen.

Modehaus Kaiser: Mitarbeiter brechen wegen Schließung in Tränen aus

Zwar hatte sich Kaiser zwischenzeitlich einen eigenen Online-Shop zugelegt. Der sei laut des Unternehmens-Chefs jedoch weder wirtschaftlich noch ökologisch rentabel gewesen. Den endgültigen Todesstoß verpasste dem Unternehmen dann die Corona-Pandemie. Der Handelsverband in Baden-Württemberg* warnte bereits Ende 2020, dass 12.000 Händler im Land die Lockdowns nicht überleben könnten.*

Die Kaiser-Mitarbeiter nahmen die Schreckensnachricht sichtlich emotional auf: „Es sind heute viele Tränen geflossen“, sagte Frank Motz der Badischen Zeitung, nachdem die Mitarbeiter informiert worden waren. „Das ist ein Schlag für alle Mitarbeitenden, aber auch für unsere Freiburger Innenstadt und den Einzelhandel“, betonte auch Oberbürgermeister Martin Horn.

Modehaus Kaiser in Freiburg gibt 7.000 Quadratmeter Fläche auf

Insgesamt 7.000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche verschwinden mit Kaiser aus dem Freiburger Stadtkern. Dazu gehören das Damenhaus an der Kaiser-Joseph-Straße und das Herrengeschäft nebenan sowie das Herrengeschäft S1 an der Schusterstraße. Was danach mit dem Leerraum geschieht, ist noch ungewiss. Motz rechnet jedoch nicht damit, dass hier nochmal ein Einzelhändler einzieht - vielmehr spricht er von Wohnungen oder Arztpraxen, die womöglich bald hier entstehen.

Nach der Verkündung des Traditionsunternehmens, nach 60 Jahren dicht zu machen, befinden sich Einzelhandelsorganisationen vor Ort in Schockstarre. Gegenüber der Badischen Zeitung berichten Handelsvertreter von einem „schweren Verlust für Freiburg“. Das Modegeschäft sei in seiner Qualität, seiner Auswahl und seinem Ambiente etwas „ganz Besonderes“ gewesen.*BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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