Trotz Coronavirus

Aggressionen, Lärm, Wildpinkeln: Alkoholexzesse von Hunderten Jugendlichen empören Tübingen

Illustration - Jugend und Alkohol
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Auf dem Österberg in Tübingen feiern jedes Wochenende bis zu 300 Jugendliche. (Symbolfoto)
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Wegen der Einschränkungen aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg wissen viele Jugendliche nicht, wo sie abends hingehen sollen. In Tübingen treffen sich auf dem Österberg, wo es immer wieder zu Alkoholexzessen, aggressivem Verhalten und Lärm kommt.

  • Am Wochenende treffen sich auf dem Österberg in Tübingen viele Jugendliche zum feiern, trinken und Musikhören.
  • Seit den Beschränkungen wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg sind es noch mehr Jugendliche geworden. Immer wieder kommt es zu Alkoholexzessen - erst kürzliche musste die Polizei einschreiten.
  • Jugendgemeinderat gibt zu: Es gibt nicht genügend Veranstaltungen oder Plätze - vor allem für Minderjährige.

Tübingen - Trotz vieler Corona-Lockerungen seit dem 1. Juli müssen die Menschen im Südwesten wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg weiterhin enorme Einschränkungen in ihrem Alltag hinnehmen. Die Pflicht zum Tragen einer Maske in Öffentlichen Verkehrsmitteln und im Supermarkt zum Schutz vor Covid-19 bleibt bestehen. Dasselbe gilt für die Abstandsregeln. Auf diese Weise soll eine erneute Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg unterbunden werden.

Zwar ist mittlerweile das Kontaktverbot unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen weitestgehend aufgehoben, Tanzveranstaltungen in Clubs und Diskotheken bleiben jedoch weiterhin verboten. Auch alle Konzerte, Festivals und Events im Indoor-sowie die meisten im Outdoor-Bereich sind nicht zugelassen - von Autokonzerten abgesehen. Aktuell sind die Fallzahlen von Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg recht gering.

Alkoholexzesse in Tübingen: Bis zu 300 Jugendliche feiern regelmäßig auf Österberg

Vor allem Jugendliche treffen die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus in Baden-Württemberg hart - insbesondere jetzt in den Sommerferien. Weil es nicht viele Möglichkeiten gibt, wo sie sich treffen können, kommt es an vielen öffentlichen Plätzen und Parks zu großen Versammlungen von Jugendlichen. Bestes Beispiel dafür ist der Obere Schlossgarten rund um den Eckensee, der Mitte Juni aufgrund der Ausschreitungen in Stuttgart traurige Berühmtheit erlangte.

In Tübingen sehen sich Stadt und Anwohner mit einer ähnlichen Situation konfrontiert. Bereits seit Jahren entwickelt sich dort der Österberg zu einem Jugend-Treffpunkt, der vor allem Minderjährige zwischen 14 und 16 Jahren anlockt. Weil diese in der Stadt keine Möglichkeiten zum Ausgehen haben, treffen sie sich auf der großen Wiese des Bergs in kleinen und großen Gruppen. Wie der Südwestrundfunk berichtet, war die Zahl der Jugendlichen nie so hoch wie 2020, was mit den Beschränkungen wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg zu tun haben könnte. Die meisten Etablissements in Tübingen haben nach wie vor geschlossen.

Wie das Polizeipräsidium Reutlingen in einer Mitteilung bekannt gab, trafen sich beispielsweise am Freitagabend vor anderthalb Wochen circa 300 Jugendliche - unter ihnen einige Minderjährige - auf dem Österberg. In der Folge kam es zu Alkoholexzessen, während derer eine 14-Jährige mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Die Polizei sprach am Abend diverse Platzverweise aus.

Anwohner beschweren sich zudem seit Längerem über zu laute Musik, Wildpinkeln, zurückgelassenen Müll und aggressives Verhalten. Dass die Abstandsregeln wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg eingehalten werden, ist ebenfalls fraglich.

Das Problem ist in der Stadt bereits bekannt - viele Anwohner fordern eine Lösung. Im Fall der Minderjährigen liegt das Problem nicht nur an den Beschränkungen, die durch das Coronavirus in Baden-Württemberg hervorgerufen werden. Wer noch nicht volljährig ist, dem fehlte bereits in den vergangenen Jahren ein Ausgeh-Angebot in Tübingen. „Wir kennen das Problem“, zitiert der Südwestrundfunk Jugendgemeinderätin Margarita Urich. „Es gibt zu wenig Veranstaltungen und Plätze für unter 18-Jährige. Daran arbeitet der Jugendgemeinderat gerade.“ 

Coronavirus in Baden-Württemberg: Viele Menschen zieht es auf öffentliche Plätze zum Feiern

Aufgrund der angespannten Lage im Nachtleben kommen in Tübingen nun doppelt so viele Sicherheitskräfte zum Einsatz - unter Umständen droht sogar ein Alkoholverbot. Auch andernorts kommt es im Südwesten dieser Tage immer wieder zu großen Menschenansammlungen. Aufgrund der Hygienemaßnahmen wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg wird beispielsweise nur eine limitierte Zahl von Menschen in die Freibäder eingelassen.

Viele andere zieht es daher an die Badeseen, die bei sommerlichen Temperaturen zum Teil völlig überfüllt sind. Volle öffentliche Plätze sind zum nicht nur ein Problem, das durch Jugendliche hervorgerufen wird. Am Marienplatz in Stuttgart treffen sich bereits seit Monaten und Jahren viele Gruppen - und hinterlassen noch dazu ihren Müll. Um gegen derartiges Benehmen vorzugehen, hat die Landeshauptstadt ein neues Projekt ins Leben gerufen. Sogenannte Respektlotsen sollen Jugendliche in Zukunft auf ihr Verhalten ansprechen - die Idee sorgt jedoch für Spott.

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