Megaprojekt über 4,5 Millionen Euro

Jan Ullrich plant Bike-Imperium in Südwest-Gemeinde - Einwohner protestieren heftig

Jan Ullrich äußert sich nach seinem neuesten Krankenhaus-Aufenthalt.
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Jan Ullrich wollte in seiner Wahlheimat Merdingen ein 4,5 Millionen Euro teures Bike-Imperium aufbauen und stieß damit bei den Einwohnern der Gemeinde auf heftigen Widerstand (Archivbild).
  • Nadja Pohr
    VonNadja Pohr
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Ex-Radrennfahrer Jan Ullrich wollte in seiner Wahlheimat Merdingen ein Bike-Imperium eröffnen. Der Plan scheiterte - auch weil der Protest der Einwohner groß war.

Merdingen - Der ehemalige Radrennfahrer Jan Ullrich hat in Merdingen im Bundesland Baden-Württemberg* seine Wahlheimat gefunden. In den vergangene Jahren sorgte Jan Ullrich zumeist mit seiner Drogensucht für Aufsehen und absolvierte erst kürzlich wieder einen Entzug. Nun wollte sich der Sportler ein zweites Standbein aufbauen und verärgerte damit die Bewohner seiner Wahlheimat.

Jan Ullrich war der erfolgreichste Radrennfahrer des Landes. Als einziger Deutscher gewann er im Jahr 1997 die Tour de France und schrieb mit seinem Sieg Geschichte. Einen kleinen Beitrag zum Erfolg von Ullrich hat auch die Gemeinde Merdingen (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) geleistet: Hier hat der einstige Rennradprofi trainiert und konnte dort immer wieder zur Ruhe kommen.

In der Gemeinde, die der gebürtige Rostocker später zu seiner Wahlheimat auserkoren hatte, wollte Ullrich nun ein Geschäft aufbauen. In Merdingen sollte ein ganzes Bike-Imperium entstehen: Nicht nur ein Hotel, ein italienisches Restaurant, ein Fahrradladen und eine Spielhalle, sondern auch ein Jan-Ullrich-Museum waren geplant. Die Bewohner zeigten sich jedoch alles andere als begeistert von dem Vorhaben.

Merdingen: Einwohner protestieren gegen Bike-Imperium von Jan Ullrich

Das Bauprojekt von Jan Ullrich, das satte 4,5 Millionen Euro kosten soll, lehnten die Einwohner der Gemeinde ab. Es führte sogar zum Protest der Bürger: Jeder dritte hatte bereits eine Petition gegen das Projekt unterschrieben. Auf einer Bürgerversammlung wurden die Zweifel an dem Bike-Zentrum deutlich, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet.

Die Menschen aus Merdingen fragten sich unter anderem, ob der Ort diese Sehenswürdigkeit* nötig hat. Aufgrund der Vergangenheit von Ullrich fürchteten sie auch, dass es in den Hotelzimmern zu zwielichtigen Aktivitäten kommen könnte. „Wir werden dort keinen Puff aufmachen“, schaffte Mike Baldinger, Ullrichs Geschäftspartner aus dem Ort, diese Sorge bei der Versammlung aus der Welt.

„Die Vision des Bike-Zentrums ist vor einem Jahr auf dem Rad entstanden. Ich hatte eine schwere Phase hinter mir und war glücklich, dass meine Freunde mich aufgenommen haben“, begründete Ullrich sein Vorhaben. In Merdingen sei seine Energie zurückgekommen, so der frühere Tour-de-France-Sieger. „Hier ist die schönste Radgegend Deutschlands“, fügte er hinzu.

Protest gegen Jan Ullrich erfolgreich: Bike-Zentrum in Merdingen gescheitert

Nach der langen Debatte kam schließlich im Dezember des vergangenen Jahres das Aus für die Planung des Bike-Zentrums. Grund dafür war nicht nur der Protest der Einwohner, sondern vermutlich auch, dass die Investoren von der Gemeinde verlangten, sich an dem Bau mit einer halben Million Euro zu beteiligen.

Mike Baldinger kündigte jedoch an, dass das Projekt deswegen nicht aufgegeben werde und er bereits mit anderen Gemeinden im Austausch sei. Eine Option könnte der Nachbarort Ihringen sein. Auch ein anderer Geschäftsmann aus Baden-Württemberg wurde kürzlich für ein Vorhaben kritisiert: Ein Heilbronner-Hotelier will einen Gepard als Haustier halten (BW24* berichtete). *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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