Wissenschaftler aus Heidelberg

Hoffnung für Millionen Infizierte: Nach jahrzehntelanger Forschung könnte dieses Medikament Leben retten

Hepatitis-B-Viren neben menschlichen Zellen.
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Hepatitis-B-Viren neben menschlichen Zellen: Hepatitis-D kann nur bei einer Vorerkrankung mit Hepatitis-B auftreten.
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Am Universitätsklinikum in Heidelberg forschten Wissenschaftler jahrzehntelang an einem Wirkstoff gegen die Infektionskrankheit Hepatitis-D. Jetzt gelang ihnen der Durchbruch und ihr Medikament wurde zugelassen. Das bedeutet für Millionen Infizierte Hoffnung.

  • Wissenschaftler in Heidelberg forschten 25 Jahre lang an einem Wirkstoff gegen Hepatitis-D.
  • Bislang gab es kein Mittel gegen die Infektionskrankheit, die bei Betroffenen sehr schwer verläuft.
  • Jetzt wurde das Medikament aus Heidelberg von der Europäischen Komission zugelassen.

Heidelberg - In Bezug auf Investitionen, Forschung und Entwicklung ist Baden-Württemberg im EU-Ranking Spitzenreiter. Das zeigte eine kürzlich veröffentlichte Auswertung des Statistischen Landesamts in Stuttgart. Mit Ausgaben von etwa 34 Milliarden Euro im Jahr 2017 investierte das Bundesland im Südwesten Deutschlands demnach mehr als jede andere der 90 Regionen der Europäischen Union. Allen voran die wirtschaftsstarke Landeshauptstadt von Baden-Württemberg spielt dabei eine tragende Rolle.

Doch nicht nur die Daimler AG, die Porsche AG, Bosch und Co. tragen viel zur Forschungs- und Entwicklungsregion Baden-Württemberg bei. In Tübingen wird derzeit beispielsweise unter Hochdruck an einem Impfstoff für das Coronavirus gearbeitet. Einen ersten Teilerfolg konnte dort das Biotechnologie-Unternehmen Curevac bereits erzielen, indem es vielversprechende Ergebnisse mit einem potentiellen Impfstoff bei Tierversuchen lieferte.

Neues Medikament aus Heidelberg: Wissenschaftler forschten 25 Jahre lang

Auch am Standort Heidelberg wird in Baden-Württemberg geforscht - nicht nur in Bezug auf das neuartige Coronavirus, für das es bislang immer noch keinen Impfstoff gibt. Infizierten einer anderen Krankheit könnte der jüngste Erfolg des Universitätsklinikums (UKHD) und der Medizinischen Fakultät Heidelberg nun jedoch Hoffnung geben. Nach 25 Jahren Grundlagenforschung entwickelten die Wissenschaftler gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) ein Medikament gegen Hepatitis-D, das jetzt von der Europäischen Kommission zugelassen wurde.

„Wir freuen uns sehr über diesen Erfolg, der auf jahrzehntelanger virologischer Forschung in Heidelberg basiert“, erklärt Professor Doktor Hans-Georg Kräusslich vom DZIF. Für rund 25 Millionen Hepatitis-D-Infizierte weltweit bedeute die Entwicklung des Wirkstoffs laut Pressemitteilung des UKHD neue Hoffnung. Bislang habe es kein zugelassenes Medikament gegen diese Infektionserkrankung gegeben.

Eine chronische Infektion mit dem Hepatitis-D-Virus gilt als besonders aggressiv und schwierig zu therapieren. Patienten [...] entwickeln oft innerhalb von fünf bis zehn Jahren einen Leberumbau bis hin zur Leberzirrhose. [...] Im Stadium der Leberzirrhose mit ihren Komplikationen bleibt dann nur noch die Lebertransplantation als einzige Therapieoption.

Professor Doktor Uta Merle vom Universitätsklinikum Heidelberg

Bei Hepatitis-D handelt es sich um eine Infektionskrankheit, die nur bei Menschen vorkommt, die bereits an Hepatitis-B erkrankt sind. Aus diesem Grund verläuft eine Infektion besonders schwer. Im Vergleich zu einer bloßen Hepatitis-B-Erkrankung führt sie schnell zu Leberzirrhose und Lungenkrebs. In diesem Stadium können Patienten nur noch auf eine Lebertransplantation hoffen. Übertragen wird Hepatitis-D hauptsächlich durch Blut. Bei den etwa 6.000 Betroffenen in Deutschland handelt es sich in der Regel um Menschen, die sich Drogen spritzen und dafür unsauberes Besteck verwendet haben.

Wie mehrere klinische Studien gezeigt haben, hemmt das neue Medikament „Hepcludex“ die Vermehrung von Hepatitis-D und B in der Leber. Damit behandelte Menschen vertragen den Wirkstoff gut. In einer Langzeitstudie soll nun herausgefunden werden, welche Auswirkungen das Mittel über einen längeren Zeitraum hat. Noch vor der Zulassung des neuen Wirkstoffs gegen Hepatitis-D gelang in Heidelberg bereits vor Jahren auch ein Beitrag zur Entwicklung von Medikamenten gegen Hepatitis-C.

Hepatitis D nimmt schnell einen sehr schweren Krankheitsverlauf - am Ende hilft nur noch eine Organtransplantation

Derzeit beschäftigen sich die Forscher am Univeristätsklinikum Heidelberg unter anderem mit dem aktuellen Coronavirus. Besonderes Augenmerk legten sie dabei auf die Faktoren, die zu schweren Krankheitsverläufen führen. Bei ihren Untersuchungen der an Covid-19 Verstorbenen, machten sie eine interessante Entdeckung, die mit dem Tod der Patienten zu tun hat.

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