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Debatte um Ende der Isolationspflicht - sinnvoll oder gefährlich?

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Von: Nadja Pohr

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Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hält an der Isolationspflicht fest. Viele Bürger im Netz sehen darin allerdings längst keinen Sinn mehr und fordern ebenfalls die Abschaffung. © IMAGO/Emmanuele Contini

Vier Bundesländer fordern das Ende der Isolationspflicht. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach ist jedoch strikt dagegen. Im Netz diskutieren die Bürger intensiv über das Thema.

Stuttgart - Geht es nach Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein, soll die Isolationspflicht für Corona-Infizierte abgeschafft und mehr auf Eigenverantwortung gesetzt werden. In einem Brief forderten sie Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) bereits zur Änderung auf. Dieser ist jedoch strikt dagegen und will in Anbetracht steigender Fallzahlen kein „Öl ins Feuer gießen“.

Die FDP im Bundestag hat die vier Länder nun zum Handeln aufgefordert. Denn diese können bereits selbst über die Dauer einer Isolation im Falle einer Corona-Infektion entscheiden. „Wenn die Minister das Ende der Isolationspflicht fordern, können sie das jetzt schon umsetzen“, sagte FDP-Gesundheitsexpertin Christine Aschenberg-Dugnus. Die Politik in Baden-Württemberg argumentiert darauf jedoch, es solle eine bundeseinheitliche Regelungen in diesem wichtigen Feld geben. Im Netz entbrannte derweil eine Diskussion, ob das Ende der Isolationspflicht überhaupt sinnvoll sei.

Isolationspflicht-Ende: Sinnvoll oder Gefährlich?

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter debattieren die Nutzer darüber, wie hilfreich oder wie gefährlich das Ende der Quarantäneregel wäre. Auch Karl Lauterbach betont dort noch einmal: „Pandemien kann man nicht mit Wunschdenken bekämpfen“. Würde die Isolationspflicht fallen, käme es laut ihm zu noch mehr schweren Verläufen mit Krankenhausaufenthalt. Zuspruch erhält der Bundesgesundheitsminister von vielen weiteren Usern.

„Es ist naiv zu glauben, dass ein Ende der Isolationspflicht für symptomlos Infizierte eine sinnvolle Strategie gegen die Corona-Fehltage am Arbeitsplatz wäre“, schreibt eine Autorin der Süddeutschen Zeitung auf Twitter. Viele Nutzer fürchten, dass das Ausmaß zu groß werden würde, wenn man auf Eigenverantwortlichkeit setze. Man wisse eben nicht, was man bei einer anderen Person auslöse, wenn man selbst denkt, man habe nur einen kleinen Schnupfen, argumentiert ein User. „Warum verstehen die Leute nicht, dass die Bekämpfung einer Seuche strenge Maßnahmen erfordert?“, fragt sich eine Nutzerin.

Ein Großteil fordert jedoch die Abschaffung der Isolationspflicht und weist auf Länder wie Österreich oder Australien hin, wo dies bereits vollzogen wurde. Im Nachbarland von Deutschland würden die Zahlen aktuell zeigen, dass nicht unbedingt ein Anstieg durch den Wegfall droht. „Ganz ehrlich - wer hält sich denn noch an die Isolationspflicht, wenn sich kaum noch jemand testet? Das Volk hat diese Pflicht schon lange beendet“, kommentiert eine Twitter-Userin. „Wer krank wird, bleibt zu Hause. Wer sich gesund fühlt, kann machen, was er will - so hat es auch vor Corona funktioniert“, schreibt ein anderer.

Karl Lauterbach appelliert nochmals an die Bundesländer

Auf einer Pressekonferenz appellierte Karl Lauterbach nochmal an Baden-Württemberg und die anderen Länder und deren Möglichkeiten, durch das neue Infektionsschutzgesetz eine mögliche nächste Corona-Welle im Herbst und Winter zu verhindern. Am 1. Oktober tritt das Gesetz in Kraft und ermöglicht den einzelnen Bundesländern beispielsweise, die Maskenpflicht in Innenräumen anzuordnen.

Zwar stehe Corona momentan nicht an erster Stelle, wie der Bundesgesundheitsminister erklärte, aber man befinde sich ganz klar am Beginn einer Herbst- und Winterwelle. Ebenso appelliert der Chef des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, an die Vernunft: „Auch in der jetzigen Situation sollten wir uns bewusst sein, welches Risiko wir eingehen wollen und welches wir vermeiden können.“ Da Lauterbach auf die Isolationspflicht pocht, wird es wohl unwahrscheinlich sein, dass es einheitliche Regelung geben wird - es liegt also an den Ländern zu entscheiden, welchen Corona-Kurs man für die kommenden Monate fahren will.

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