Kritik am Bund

Impfstoff-Desaster: Wegen Mangel so gut wie keine Erstimpfungen möglich

Eine Mitarbeiterin im Impfzentrum verabreicht eine Corona-Impfung an einen Patienten.
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In den baden-württembergischen Impfzentren mangelt es an Impfstoffen.
  • Berkan Cakir
    vonBerkan Cakir
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Zur Eindämmung des Coronavirus in Baden-Württemberg ist Impfstoff nötig. Weil dieser aber nicht ausreichend geliefert wird, sind Erstimpfungen derzeit kaum nicht möglich.

Stuttgart - Das baden-württembergische Sozialministerium beklagt, dass es im Südwesten an Corona-Impfstoffen mangelt. Viele Erstimpfungen könnten nicht mehr vorgenommen werden, da man den Großteil der Vakzine für die Zweitimpfungen benötige. Derzeit werden aufgrund dessen weniger Termine für Erstimpfungen bereitgestellt.

Im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg* (BW24* berichtete) stellt der Impfstoff-Mangel einen Rückschlag dar, der sich bereits abzeichnete. In der vergangene Woche hatten Impfzentren in mehreren Landkreisen darauf hingewiesen, dass der Impfstoff in Baden-Württemberg knapp wird*. Anfang Mai hatte Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) ebenfalls auf den Mangel hingewiesen und einen Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geschrieben.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Großteil der Impfstoffe wird für Zweitimpfungen gebraucht

„Es hatte die Aussage gegeben, im Mai komme soviel Impfstoff, dass wir kaum noch wissen würden, wohin damit“, sagte Layla Distler, Leiterin der Stabsstelle Impfen des Sozialministeriums, im Gespräch mit der Badischen Zeitung. In den Impfzentren sei deshalb mit der vollen Kapazität geplant worden. Den Großteil der Impfstoffe benötige man nun allerdings für die Zweitimpfungen und könne weniger Termine für Erstimpfungen bereitstellen. Auch die niedergelassenen Ärzte signalisierten, dass sie mehr impfen können. Hausärzte in Baden-Württemberg* impfen bereits seit April ihre Patienten. Am Montag, 17. Mai, fiel zudem die Impfpriorisierung bei den Hausärzten in Baden-Württemberg*. Experten erwarteten einen „Impf-Run“.

Dieser dürfte bei fehlender Impfstoff-Lieferung allerdings ausbleiben. Auch in den Hausarztpraxen stehen bald die Zweitimpfungen an. Um dafür vorbereitet zu sein, laufen laut Layla Distler die Verhandlungen für die Impfstoff-Lieferungen für das dritte Quartal.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Curevac könnte ein Hoffnungsschimmer sein

Das Personal im Ministerium, dass für die Corona-Impfungen zuständig ist, sei unterdessen stark ausgebaut worden. Von anfangs drei Leuten seien es mittlerweile 60, die bei der Stabsstelle Impfen angestellt sind, so Layla Distler. Momentan plane man Impf-Aktionen in sozial benachteiligten Gebieten. Zudem arbeiteten Distler und ihr Team daran, das Vorhaben des Bundes umzusetzen, dass alle Schüler über zwölf Jahre bis nach den Sommerferien mindestens eine Erstimpfung bekommen. „Dafür wurde uns auch zusätzlicher Impfstoff in Aussicht gestellt“, so Distler.

Hilfreich könnte dabei auch das Vakzin aus Tübingen sein. Der Virologe Ulf Dittmer vom Universitätsklinikum Essen sieht einen „Hoffnungsschimmer für junge Menschen“ im Impfstoff von Curevac*. Derzeit warten das Tübinger Biotech-Unternehmen allerdings noch auf die Zulassung des mRNA-Vakzins. Zuletzt geriet die Produktion zudem durch den US-Exportstopp wichtiger Rohstoffe in Gefahr. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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