Hoffnung auf Impfstoff

Baden-Württemberg arbeitet an einem Plan, wie Bürger bald gegen Corona geimpft werden sollen

  • Lisa Schönhaar
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Die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg steigt wieder an. Die baldige Zulassung eines Impfstoffs ist die Hoffnung - das Land bereitet sich bereits darauf vor.

Das Coronavirus in Baden-Württemberg (BW24* berichtete) verbreitete sich im Sommer deutlich langsamer als zu Beginn der Corona-Pandemie, doch in den vergangenen Wochen nahmen die Infektionszahlen wieder deutlich zu. Die Landesregierung verschärfte daraufhin die Verbote und Maßnahmen zum Infektionsschutz vor dem Coronavirus*, um die Verbreitung von Covid-19 einzudämmen. Experten gehen jedoch davon aus, dass letztlich nur die Marktreife eines Impfstoffs einen erfolgreichen Kampf gegen die Pandemie möglich machen wird.

Mittlerweile liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in Baden-Württemberg* bei 135,7 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche. Sie ist damit deutlich mehr als doppelt so hoch wie der festgelegte kritische Wert von 50, ab dem die höchste Warnstufe gilt. Durch einen erneuten Lockdown mit radikalen Maßnahmen*, der am 2. November in Kraft trat und bis Ende des Monats gilt, sollen die steigenden Infektionszahlen gesenkt werden, bis ein Impfstoff zugelassen wird.

Um die logistische Herausforderung der anstehenden Massenimpfung bewältigen zu können, bereitet sich das Land Baden-Württemberg schon jetzt auf die Zulassung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus vor. „Wir bereiten jetzt unter Hochdruck die Infrastruktur für das Impfen im Land auf, um an dem Tag startklar zu sein, an dem ein Impfstoff genehmigt wird“, sagte Gesundheitsminister Manfred Lucha nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Dieser Tag könnte schon bald kommen: Das Mainzer Unternehmen Biontech und der Pharmakonzern Pfizer wollen möglicherweise bereits in der kommenden Woche eine Zulassung für den USA beantragen.

Impfstoff gegen Coronavirus: Baden-Württemberg bereitet sich auf baldige Zulassung vor

Insbesondere für die häufig von schweren Verläufen betroffene Risikogruppe kann die rasante Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg* gefährlich werden. Diese ist deshalb besonders auf die baldige Entwicklung und Zulassung eines Corona-Impfstoffs angewiesen. Auch das in Tübingen ansässige Biotech-Unternehmen Curevac hat bereits Erfolge erzielt und kündigte an, möglichst zeitnah einen Impfstoff auf den Markt bringen zu wollen*, wie unter anderem Merkur.de* berichtet. Anfang September besuchte sogar Tesla-Chef Elon Musk den Impfstoffhersteller Curevac*.

Gesundheitsminister Manfred Lucha sagte, die zugeteilten baden-württembergischen Impfchargen gegen das Coronavirus würden an ein zentrales Lager im Südwesten geliefert, von dort werde der Anteil flächendeckend an einzelne Impfzentren gegeben. Zunächst würden für jeden der vier Regierungsbezirke im Land zwei Impfzentren aufgebaut. Diese würden dann später in einem zweiten Schritt auf alle Stadt- und Landkreise ausgeweitet werden. „Mittel- und langfristig soll die Impfung in den Arztpraxen stattfinden“, sagte Lucha laut dpa.

Abhängig von der Menge des zur Verfügung stehenden Impfstoffs in Baden-Württemberg wird es nach Angaben der dpa voraussichtlich eine Priorisierung bei den Impfungen geben. „Klar ist, dass nicht alle sofort berücksichtigt werden können“, sagte Gesundheitsminister Lucha. „Vorrang haben sehr alte Menschen, chronisch Kranke und auch medizinisches Personal.“ Eine Impfpflicht werde es allerdings nicht geben. Wann genau die ersten Dosen zur Verfügung stehen, sei noch unklar - ausgelobt worden seien aber bereits 18 Millionen Spritzen und Nadeln, um spätestens ab Mitte Dezember bereit zu sein, so Lucha.

Impfstoff soll Coronavirus in Baden-Württemberg eindämmen - Impfplan wird unter Zeitdruck erstellt

Die genaue Umsetzung der Impfstrategie in Baden-Württemberg wird Lucha zufolge derzeit mit den Kommunen und den Kassenärztlichen Vereinigungen geplant. Allerdings könne der Impfstoff auch nicht einfach „irgendwo“ in einer Praxis oder einer Kaserne gelagert werden, sagte der Gesundheitsminister laut dpa. Man brauche dafür besondere Räume mit Kühlmöglichkeiten bis zu minus 70 Grad. Das sei eine enorme logistische Anstrengung unter Zeitdruck. „Wir werden hier glaube ich unser Meisterstück machen“, so Lucha.

Wer darauf hofft, dass sich die Auswirkungen des Coronavirus in Baden-Württemberg mit der Marktreife eines Impfstoffs in kürzester Zeit verabschieden, dessen Hoffnungen dürften jedoch von den Mitgliedern der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts gedämpft werden. Die Experten mahnten, dass Deutsche trotz Impfstoff wohl noch Jahre mit Maskenpflicht und Abstand leben müssen*.

Mindestens 60 Prozent der Deutschen müssen geimpft sein, um den sogenannten Herdeneffekt zu erzielen und das Coronavirus zu besiegen - das könnte nach der Meinung von Kommissionsmitgliedern noch viele Monate nach Zulassung eines Impfstoffs dauern. Eine Studie aus Baden-Württemberg hat im Juli außerdem ergeben, dass sich überraschend wenig Menschen gegen das Coronavirus impfen lassen wollen*. *BW24 und Merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Christoph Soeder

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