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Hyalomma-Zecke auch in Baden-Württemberg – bis zu zwei Zentimeter groß

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Von: Jason Blaschke

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In der Nähe von Mannheim wurden zuletzt Hyalomma-Zecken gesichtet, eine exotische Gattung, die größer ist, als der gemeine Holzbock – und aggressiver.

Mannheim – Das Wetter in Deutschland wird im Sommer immer heißer und trockener, hiervon betroffen sind primär die Menschen in Süddeutschland, wo Hitze und Dürre zunehmend ein Problem werden. In Baden-Württemberg ist die Ernte teils vertrocknet, wie aus einer Mitteilung vom Landesbauernverband (LBV) hervorgeht. Regnet es nicht, würden Ernteeinbußen von bis zu 50 Prozent in Deutschland drohen, warnt LBV-Präsident Joachim Rukwied.

Exoten in Baden-Württemberg: Hyalomma-Zecke nahe Mannheim nachgewiesen

Doch nicht nur in der Landwirtschaft macht sich die Wetterlage in Baden-Württemberg bemerkbar, auch die vielen Waldbrände im Südwesten sind ein Zeichen dafür, dass auch Deutschland vom Klimawandel nicht länger verschont wird. Die neuen Temperatur-Werte wirken sich jedoch nicht nur auf die Natur aus, auch die Tierwelt in Baden-Württemberg erlebt einen Wandel. Exoten, die früher nie in Deutschland hätten überleben können, werden heimisch.

Dazu zählen etwa die exotischen Mückenarten in Baden-Württemberg, deren prominenteste Vertreterin die asiatische Tigermücke ist, die von Bill Gates einst als „tödlichstes Tier der Welt“ bezeichnet wurde. Und jetzt bekommt die Tigermücke in der Insektenwelt noch mehr Gesellschaft, denn nahe der Landesgrenze von Mannheim in der Pfalz wurden erst vor mehreren Wochen Hyalomma-Zecken-Funde gemacht, die Aufsehen erregen.

Hyalomma-Zecken, die aktiven Jäger – blitzschnell und bis zu 100 Meter weit

Hyalomma-Zecken können Berichten der Südwest-Presse (swp) zufolge bis zu zwei Zentimeter groß werden. Somit sind sie noch deutlich größer als der heimische gemeine Holzbock, weshalb sie laut wwf auch gerne als „Monster-Zecken“ bezeichnet werden. Und nicht nur das, auch das typische Jagdverhalten der beiden Zeckenarten unterscheidet sich. Während der gemeine Holzbock auf seine Opfer wartet und sich über Körperkontakt abstreifen lässt, sind die Hyalomma-Zecken aktive Jäger, die ihre Opfer verfolgen.

Diese Zeckenart bewegt sich blitzschnell und jagt ihre Opfer auch mal über einhundert Meter weit, berichtet die swp. Ursprünglich kommt die Hyalomma-Zecke aus den trockenen Gebieten Asiens, Afrikas und Südosteuropas, hier ist sie primär wegen gefährlicher Krankheiten gefürchtet, die sie übertragen kann. Genau wie die exotischen Krankheiten der asiatischen Tigermücke sind die Erreger, die die Hyalomma-Zecke übertragen kann, nicht zu unterschätzen:

Hyalomma-Zecke kann Bakterien und Viren übertragen – Krim-Kongo-Fieber

Die European Scientific Counsel Companion Animal Parasites (kurz ESCCAP) berichtet jedoch, dass bisher in keiner der gefundenen Hyalomma-Zecken in Deutschland das gefährliche Krim-Kongo-Virus nachgewiesen wurde. „Mehrere der Exemplare beherbergten aber das Bakterium Rickettsia aeschlimannii, welches das Zecken-Fleckfieber bei Menschen auslösen kann“, schreiben die ESCCAP-Autoren. Solche bakteriellen Infektionen lassen sich mit Antibiotika gut behandeln.

Gefährlich wird es tatsächlich, wenn eine Zecke virale Erreger überträgt, denn hier schützt bloß eine Impfung, sofern es die gibt. Im Fall von FSME, einem Virus, das auch vom gemeinen Holzbock übertragen wird, gibt es eine Schutzimpfung, die von Experten auch empfohlen wird. Vorsicht ist das Gebot der Stunde, Panik muss man in Deutschland aber längst noch nicht haben, so der Experten-Konsens.

Krim-Kongo-Fieber – virales hämorrhagisches Fieber

Das Krim-Kongo-Fieber wird hauptsächlich von der Hyalomma-Zecke übertragen, die ersten Symptome treten meist erst nach drei bis sieben Tagen nach der Infektion auf. Typische Beschwerden sind hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Erbrechen und Durchfall. Zudem können Ausschläge und Blutungen auftreten. Einen Impfstoff gegen das Krim-Kongo-Virus gibt es noch nicht. Die Sterblichkeitsrate liegt zwischen zwei und 50 Prozent.

Quelle: Gesundheitsministerium Österreich

Hyalomma-Zecke in Baden-Württemberg: Behörden kennen keine Zahlen

Dem Landesgesundheitsamt in Stuttgart sind keine Zahlen von Hyalomma-Zecken-Funden in Baden-Württemberg bekannt, heißt es im swp-Bericht. Das hat auch damit zu tun, dass Zeckenfunde in Deutschland grundsätzlich nicht standardisiert erfasst werden. Auch deshalb lässt sich oft nur schwer abschätzen, wie groß die Gefahr tatsächlich ist. Hinzu kommt, dass nicht jede Zecke in Deutschland automatisch Krankheitserreger überträgt.

Gelassen sehen es deshalb auch die allermeisten User auf Facebook. „Bitte nicht bei jedem Zeckenstich sofort zum Arzt gehen. Nur wenn eine Wanderröte auftritt oder man sich schlapp und krank fühlt, Fieber oder Schmerzen entwickelt“, schreibt etwa eine Userin. Dazu ergänzt eine andere: „Zum Glück wurde bisher bei den in Deutschland gefundenen Hyalomma-Zecken dieses Krim-Kongo-Virus noch nicht nachgewiesen, hoffen wir, dass es so bleibt.“

Expertin mutmaßt: Hyalomma-Zecke reiste mit Zugvögeln nach Deutschland

Experten gehen übrigens davon aus, dass die Hyalomma-Zecken über Zugvögel nach Deutschland eingeschleppt wurden – dafür spricht, dass Tiere wie Vögel zu den bevorzugten Wirten der Zeckenart gehören. Auch Professorin Ute Mackenstedt, Parasitologin an der Uni Hohenheim, ist überzeugt, dass die Hyalomma-Zecken über die Luft gekommen sind. Mackenstedt: „Die Funde entlang der Zugstrecken sprechen dafür.“

Larven und Nymphen der Hyalomma-Zecke können sich der Expertin zufolge bis zu 28 Tage an einem Tier festsaugen – in diesem Stadium sei auch das Wetter ein entscheidender Faktor. Mackenstedt gegenüber der Südwest-Presse: „Nur wenn es längere Zeit heiß und trocken bleibt, werden sie zu adulten Zecken.“ Für erwachsene Hyalomma-Zecken kommen bevorzugt Pferde oder auch Rinder als Wirte infrage, aber auch Menschen.

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