Sandmücken als Überträger

Keine Heilung: Parasiten verbreiten Hunde-Krankheit in Baden-Württemberg - auch Menschen betroffen

  • Valentin Betz
    vonValentin Betz
    schließen

Neue Tier- und Pflanzenarten können dank Klimawandel auch in Baden-Württemberg überleben. Das ist gefährlich, denn einige Insekten übertragen tödliche Krankheiten - zum Beispiel die Sandmücke.

Stuttgart - Tier- und Pflanzenarten, die eigentlich die warmen Temperaturen im Süden Europas gewohnt sind, werden auch in Baden-Württemberg zusehends heimisch. Das hat vor allem mit dem Klimawandel zu tun, der im Südwesten für immer mildere Winter sorgt. Denn normalerweise würden vor allem kleine Insekten während eines kalten Winters eingehen.

Beschleunigt wird der Prozess noch durch die Globalisierung: Als blinde Passagiere bevölkern neue Tierarten die ganze Welt. So gelangte auch das tödlichste Tier der Welt nach Stuttgart (BW24* berichtete): Die Tigermücke kann beispielsweise das Dengue-Fieber übertragen.

Jäger in Baden-Württemberg wollen die Tigermücke jetzt mit Gammastrahlen ausrotten.* Die kleinen Mücken können sich nach der Bestrahlung nicht mehr vermehren. Doch nicht nur die Tigermücke ist inzwischen in Baden-Württemberg als Krankheitsüberträger eine tödliche Gefahr. Auch die winzigen Sandmücken wandern aus Südeuropa zu uns ein. Ausgerechnet durch Hunde können Sandmücken Menschen lebensbedrohlich krank machen.

Sandmücken in Baden-Württemberg können gefährliche Krankheiten auf den Menschen übertragen

Wie der SWR berichtet, kommt die Sandmücke eigentlich im Mittelmeerraum vor und ist nur wenige Millimeter groß. Inzwischen ist sie schon in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gesichtet worden und wandert immer weiter nordwärts. Doch die Größe der Insekten täuscht: Sandmücken sind keinesfalls harmlos. Wie die Tigermücken können die Tiere gefährliche Krankheiten übertragen. Bei Untersuchungen wurden in Sandmücken zum Beispiel Phleboviren entdeckt, die das Toskana-Virus übertragen.

Durch den Stich von Sandmücken kann die Infektionskrankheit Leishmaniose übertragen werden.

Sandmücken dienen aber auch als Zwischenwirt für Leishmanien. Die Parasiten lösen bei Wirbeltieren die sogenannte Leishmaniose aus. Beim Menschen äußert sich die Krankheit durch schwere Entzündungen der Haut. Die Parasiten können aber auch innere Organe befallen, was schnell lebensgefährlich wird. Je nach Art des Erregers heilt die Krankheit bei Menschen selbst oder muss mit Medikamenten behandelt werden. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation gibt es jährlich weltweit fast zwei Millionen Neuinfektionen mit Leishmanien, so der SWR.

Gefahr von und für Hunde in Baden-Württemberg: Sandmücken infizieren Vierbeiner mit Leishmaniose

An sich ist die Leishmaniose eher selten und die Sandmücken müssen die Parasiten erst aufnehmen, um Menschen damit infizieren zu können. Ein Problem dabei könnte der beste Freund des Menschen sein. Denn auch Hunde können an Leishmaniose erkranken. Im Gegensatz zum Menschen können Hunde von der Krankheit nicht geheilt werden, die Vierbeiner bleiben ein Leben lang infiziert, sodass nur die Symptome behandelt werden können.

Die Forschung geht derzeit nicht davon aus, dass sich der Mensch direkt bei Hunden mit Leishmaniose infizieren kann - ausgeschlossen ist das allerdings noch nicht. Aber hier kommt wieder die Sandmücken ins Spiel. Sticht sie einen an Leishmaniose erkrankten Hund, kann die Mücke die Parasiten an den Menschen weitergeben.

Das Problem: Noch wurde zwar keine Sandmücke mit Leishmanien in Baden-Württemberg entdeckt. Im Zuge von Tierrettungsmaßnahmen gelangen aber immer wieder Hunde aus dem Mittelmeerraum nach Deutschland, die Leishmaniose haben. Nimmt die Sandmücken-Population durch den Klimawandel also weiter zu, steigt damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Insekten einen infizierten Hund stechen - und dadurch zum Überträger der Leishmaniose werden. (*BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks)

Rubriklistenbild: © Robert Günther

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare