Fragwürdige Aktionen

„Brauchen die BRD nicht“: Querdenker nutzen Flut-Katastrophe für eigene Zwecke

  • Valentin Betz
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Nach der Flut-Katastrophe in Deutschland ist die Solidarität und die Unterstützung groß. Doch nicht alle, die anpacken, tun das offenbar bedingungslos. Unter die Helfer haben sich auch Querdenker gemischt.

Bad Neuenahr-Ahrweiler - Die Flut-Katastrophe in Deutschland hat für massive Zerstörung in den betroffenen Gebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gesorgt. Allein die Aufräumarbeiten bedeuten einen gigantischen Aufwand - ganz zu Schweigen von der Zeit, die zum Wiederaufbau benötigt werden wird. Dabei hätten zumindest die vielen Todesopfer wohl verhindert werden können, ein Meteorologe wirft den Behörden „totales Versagen“ bei der Katastrophe vor*.

Hoffnung macht hingegen die beispiellose Solidarität und Hilfsbereitschaft für die Opfer der Flut-Katastrophe in ganz Deutschland. Lidl hat bereits 10 Millionen Euro an die Hochwasser-Opfer gespendet (BW24* berichtete). Aber auch andere Unternehmen sagten den betroffenen Gebieten Unterstützung zu. Daimler schickte nach der Flut-Katastrophe spezielle Fahrzeuge los*. Wirtschaft und Politik stemmen die Bekämpfung der Hochwasserfolgen aber nicht alleine. Selbst Privatpersonen spenden Geld oder unterstützen Betroffene sogar vor Ort. Wie der SWR berichtet, sind darunter leider auch Menschen, die zur Querdenker- und Verschwörungsszene gehören.

Hilfe für die Hochwassergebiete: Auch Querdenker unter den Helfern zur Bekämpfung der Flut-Katastrophe

Demnach hat sich unter die zahlreichen freiwilligen Helfer in den Hochwassergebieten auch Nikolai N. gemischt, der sich selbst „Volkslehrer“ nennt. Er trat bereits regelmäßig auf Demonstrationen der Querdenker auf und zweifelte unter anderem die Existenz des Coronavirus an. Laut SWR befindet sich der Querdenker aktuell in Bad Neuenahr-Ahrweiler und postet auf seinem Telegram-Kanal Videos aus den von der Flut-Katastrophe betroffenen Gebieten.

Unterstützung nach der Flut-Katastrophe: Unter die Helfer für die Hochwasser-Opfer haben sich auch Querdenker und Verschwörungsmystiker gemischt.

Gegenüber seinen über 30.000 Abonnenten zeigt sich Nikolai N. gar erfreut, nicht überall Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk zu sehen. „Das ist großartig, weil wir damit endlich in die Selbstverantwortung kommen. Und zeigen können, dass wir diese ganzen BRD-Organisationen gar nicht brauchen“, so der „Volkslehrer“ in einem Video. Damit bedient sich der Querdenker den Narrativen von Reichsbürgern und inszeniert sich „als der Gute, der wirklich da ist für die Menschen“, so Sozialpsychologin Pia Lamberty gegenüber dem SWR.

Auch der Sinsheimer HNO-Arzt und Pandemie-Leugner Bodo Schiffmann hat ein Spendenkonto „für Hochwasseropfer“ eingerichtet, auf das bereits rund eine halbe Million Euro eingegangen sein sollen. Der Arzt aus Baden-Württemberg hetzt unter seinen 140.000 Followern* unter anderem gegen Angela Merkel.

Unterstützung nach der Flut-Katastrophe: Verein aus der Querdenker-Szene wird vor Ort abgewiesen

Während nach der Flut-Katastrophe bereits Helfer aus der Region Stuttgart heimgeschickt wurden*, gelangen offenbar immer wieder Unterstützer aus der Querdenker-Szene in die Hochwassergebiete. Der Verein „Eltern stehen auf“ plante, in Bad Neuenahr-Ahrweiler ein Familienzentrum für die Hochwasser-Opfer einzurichten. Da die Gruppe in der Vergangenheit aber bereits vor der Corona-Impfung gewarnt und gegen Masken mobil gemacht hatte, wurde das vom Familienministerium in Rheinland-Pfalz verhindert.

Die Verantwortlichen des Ministeriums begründeten dieses Vorgehen gegenüber dem SWR mit deutlichen Worten: „Trittbrettfahrer-Versuche aus der Querdenker-Szene, die ihre Ideologie unter dem Deckmantel von ‚Hilfsangeboten‘ verbreiten, sind in der Krise nicht weiterführend. Dass Personen, die den Gesundheitsschutz in einer Pandemie ablehnen, nun eine offizielle Rolle für die psychische und psychologische Versorgung von Kindern für sich reklamieren, musste deshalb sofort unterbunden werden.“

Auf Vorwürfe, der Verein „Eltern stehen auf“ stünde der Querdenker-Szene nahe, reagierte dieser mit Unverständnis. Es sei eine „Schamlosigkeit, eine etwaige politische Gesinnung der unbürokratisch und ad hoc Helfenden zum Thema“ zu machen. Für das Innenministerium in Rheinland-Pfalz ist das derzeitige Geschehen indes leider keine Überraschung. Es sei ein „bekanntes und gängiges Muster“, dass Rechtsextremisten akute Krisensituationen ausnutzten, indem sie sich als „Kümmerer vor Ort“ ausgäben - mit dem eigentlichen Ziel, extremistisches oder verschwörungstheoretisches Gedankengut zu verbreiten, teilte das Ministerium dem SWR mit. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Philipp von Ditfurth

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