„Unverzeihliche Blamage“

Baupanne im Schwarzwald: Neue Ski-Schanze für 3 Millionen Euro wird abgerissen, weil 80 Zentimeter fehlen

Skisprung-Schanze Hinterzarten
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Alles andere als ein Vorzeige-Bauprojekt: Die Modernisierung der Skisprung-Schanze in Hinterzarten entpuppte sich als Flop.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Die Modernisierungs-Arbeiten an der Adlerschanze in Hinterzarten haben sich zu einer Katastrophe entwickelt. Wegen fehlerhafter Bauteile musste das Projekt zwischenzeitlich abgebrochen werden.

Hinterzarten - Es waren nur 80 Zentimeter, die das Gerüst zu weit nach rechts versetzt war. Für den Steuerzahler dürften das teure 80 Zentimeter werden - denn an ihnen scheiterte die 3,2 Millionen Euro teure Sanierung der Adler-Ski-Schanze in Hinterzarten im Schwarzwald (Baden-Württemberg). Ausgelöst durch eine Verkettung von Bau- und Messfehlern entwickelte sich das Bauprojekt zur Komplett-Katastrophe. Im Oktober 2020 blieb schließlich nur noch eine Lösung: Die Schanze wurde zum Abriss freigegeben.

„Was da passiert ist, ist eine unverzeihliche Blamage“, sagte ein außenstehender Bauingenieur gegenüber der Badischen Zeitung. Er fühle sich in seiner Berufsehre gekränkt, obwohl er mit Planung, Ausführung und Fehlern nichts zu tun hatte.

Blamagen-Schanze: „Niemand wollte für den Fauxpas verantwortlich sein“

Offenbar gestaltet sich die Suche nach dem Schuldigen für den Baufehler schwierig. „Niemand wollte für den Fauxpas verantwortlich sein. Bis heute ist der Verursacher nicht benannt. Und ohne Schuldigen biss man bei den Versicherungen erwartungsgemäß auf Granit“, schreibt das Portal schwarzbuch.de.

Im Mai 2021 stimmte der Hinterzartener Gemeinderat in einer emotionalen Sitzung mit knapper Mehrheit für die kostspielige Wiederaufnahme der Bauarbeiten. Dafür müssen der Schanzentisch, die betonierte Anlaufspur und der Sockel, auf dem das bereits montierte Anlaufgerüst befestigt war, abgerissen und wieder aufgebaut werden. Dabei entstehen Mehrkosten von rund 580.000 Euro.

Gescheitertes Bau-Projekt in Hinterzarten: Gemeinde versucht finanzielles Desaster abzuwenden

Laut schwarzbuch.de hat mittlerweile eine Versicherung 200.000 Euro für die Rettung des Bauprojekts zugesagt. Für die restlichen 380.000 Euro muss die Gemeinde in Vorleistung gehen. Hinterzartens Bürgermeister Klaus-Michael Tatsch kämpft gegen finanzielle Schäden für seine Gemeinde: „Wir gehen davon aus, dass wir keinen finanziellen Beitrag zu leisten haben“, erklärte er gegenüber dem Bund der Steuerzahler Baden-Württemberg. Ob das so klappt, wie er es sich vorstellt, ist jedoch fraglich. So haben mögliche Gönner wie der Skiverband Schwarzwald oder der Badische Sportbund bislang keine Signale gesendet, um bei der Schließung der klaffenden Finanzierungslücke zu helfen.

Die misslungene Skisprungschanze ist nur eins von mehreren Flop-Projekten im Südwesten. BW24 zeigt eine Liste weiterer Beispiele dafür, wie absurd in Baden-Württemberg teilweise Steuergelder verschwendet werden.

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