Weltmarktführer im Tunnelbau

Chinesen wollen Herrenknecht für 2 Milliarden Euro übernehmen - Chef sagt radikal ab: „würde nie verkaufen“

Martin Herrenknecht.
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Die Herrenknecht AG aus Baden-Württemberg soll in Familienhand bleiben. Einen Verkauf nach China lehnt Chef Martin Herrenknecht ab.
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Die Herrenknecht AG aus Baden-Württemberg betreibt neun Standorte in China. Einen kompletten Verkauf lehnt der Chef jedoch radikal ab.

Schwanau - Die Volksrepublik China hat sich in den vergangenen Jahren zum Innovationstreiber entwickelt und ist auch für westliche Unternehmen inzwischen ein begehrter Markt. Autobauer wie die Daimler AG oder die Porsche AG verkaufen auf dem chinesischen Markt mit Abstand die meisten Modelle und bei Daimler stammt auch der größte Investor aus dem Reich der Mitte. Auch der Weltmarktführer im Tunnelbau, die Herrenknecht AG mit Sitz in Schwanau (Ortenaukreis), expandierte bereits und unterhält aktuell neun Standorte mit insgesamt rund 900 Mitarbeitern in China (Stand: 2020).

Die großen Maschinen der Herrenknecht AG aus Baden-Württemberg kommen überall dort zum Einsatz, wo Tunnel gebohrt werden müssen - eben auch in China. Konkurrenten aus dem Reich der Mitte sind bereits seit einiger Zeit an einem Kauf des Unternehmens interessiert. In einer Folge des ZDF-Magazins „Die Wahrheit übers Erben“ sprach Herrenknecht-Chef Martin Herrenknecht offen über Firmeninterna und nannte auch eine konkrete Summe, die ihm aus China für sein Unternehmen angeboten wurde, wie der Schwarzwälder Bote berichtet. Einen Verkauf schloss der Vorstandsvorsitzende jedoch radikal aus.

Herrenknecht: Chinesen boten 2 Milliarden Euro für das Unternehmen

Martin Herrenknecht gründete die Herrenknecht AG im Jahr 1977 und baute das Unternehmen seither nicht nur zum Marktführer bei Tunnelbohr-Systemen, sondern auch zu einem mit Milliardenerträgen aus. Die Firma aus Baden-Württemberg wurde demnach in seiner gesamten bisherigen Geschichte von Martin Herrenknecht geleitet und geprägt. Allmählich bereitet der Noch-Chef allerdings eine Übergabe des Postens an seinen Sohn vor. Deshalb witterten die Konkurrenten aus China wohl ihre Chance, ein Kaufangebot zu unterbreiten. Dafür seien sie bereit, zwei Milliarden Euro zu zahlen, erzählte Herrenknecht in der ZDF-Sendung, fügte jedoch hinzu: „Aber ich würde nie die Firma verkaufen.“

Erst kürzlich spottete der Herrenknecht-Chef über die E-Autos von Tesla und sagte, er ziehe die Modelle von Mercedes-Benz vor. Dabei kritisierte er jedoch auch den immer stärker werdenden Fokus der Daimler AG auf den chinesischen Markt. Dass er sein Unternehmen nicht nach China verkaufen - oder insgesamt verkaufen - möchte, hat jedoch andere Gründe. Stattdessen ist bereits lange geplant, dass der badische Tunnelbauer weiterhin in Familienhand bleiben soll. Deshalb formte Martin Herrenknecht die Herrenknecht AG 2015 in eine Familienstiftung um, berichtet der Schwarzwälder Bote.

Herrenknecht: Noch-Chef könnte Posten bereits kommendes Jahr an Sohn abgeben

In der ZDF-Sendung ging es im Kern nicht um das Kaufangebot der chinesischen Konkurrenz. Stattdessen befasste sich der Beitrag mit der Frage, ob es fair sei, dass Kinder reich werden, weil ihre Eltern es sind. Durch die gegründete Familienstiftung könnte Martin Herrenknecht die Herrenknecht AG bereits im kommenden Jahr steuerfrei an seinen Sohn übergeben.

Was er von einer möglichen Erbschaftsteuer hält, macht der Chef der Herrenknecht AG in der Sendung unmissverständlich deutlich. Wer ein geerbtes Unternehmen mit den Mitarbeitern weiterführt, sollte nicht vom Fiskus zur Kasse gebeten werden, so Herrenknecht. Eine Erbschaftssteuer sei schlichtweg „Blödsinn“.

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