Auch Metzgereien in Stuttgart betroffen

Hepatitis-E: Schweinefleisch aus dem Supermarkt verseucht - Forscher alarmieren

Ein Logo mit einem Hinweisschild des Universitätsklinikums Tübingen, links in einer Bubble ist Schweinefleisch zu sehen.
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Hepatitis-E: Schweinefleisch aus dem Supermarkt verseucht - Forscher schlagen Alarm
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    vonJulian Baumann
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Wissenschaftler aus Tübingen haben Hepatitis-E-Viren in Schweinefleisch nachgewiesen. Sie analysierten Produkte von Supermärkten in Tübingen, Reutlingen, Dortmund und auch in Stuttgart.

Tübingen - Ein Wissenschaftler-Team aus Tübingen hat in mehreren frei verkäuflichen Fleischprodukten Hepatitis-E-Viren nachgewiesen, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am Mittwoch mitteilte. Hepatitis-E ist eine virale, infektiöse Krankheit. Die Viren werden beispielsweise durch verunreinigtes Wasser übertragen. Im Gegensatz zum Coronavirus in Baden-Württemberg ist über das Hepatitis-E-Virus jedoch bereits einiges bekannt. In China ist seit 2012 ein Impfstoff zugelassen.

Die Wissenschaftler vom Universitätsklinikum Tübingen untersuchten Produkte aus Supermärkten und Metzgereien in Tübingen, Reutlingen, Dortmund und auch in der Landeshauptstadt Stuttgart, wie die dpa berichtet. Die Studie zeigte, dass zehn Prozent der untersuchten Proben mit Hepatitis-E-Viren kontaminiert gewesen seien, sagte Thirumalaisamy Velavan vom Institut für Tropenmedizin laut einer Mitteilung der Universität.

Hepatitis-E-Viren: Schweinefleischprodukte am stärksten betroffen

Zwischen Oktober 2019 und Februar 2020 entnahmen die Forscher nach Angaben der dpa 41 Proben von Schweinelebern, 40 von streichfähigen Leberwürsten, 40 von Leberpasteten und zehn von Rohwürsten ohne Leber. Die Untersuchung habe ergeben, dass Schweinefleischprodukte deutlich stärker mit Hepatitis-E-Viren kontaminiert seien als Schweineleber, sagte Professor Velavan laut der Mitteilung des Instituts für Tropenmedizin. Bei der Studie sei nicht untersucht worden, wie infektiös die Viren seien. Durch eine starke Erhitzung der Produkte könne der Erreger bereits inaktiv sein.

Hepatitis-E-Viren: So gefährlich sind die Erreger für den Menschen

Nach Angaben der dpa werden die Hepatitis-E-Viren in Deutschland hauptsächlich durch nicht ausreichend gegartes oder infiziertes Schweinefleisch und Wild übertragen. Ein Import als Reisekrankheit sei äußerst selten. Insgesamt werden fünf Arten der Leberentzündung unterschieden:

Art der LeberentzündungGefährlichkeit und Krankheitsverlauf
Hepatitis-A Kann zu Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen führen.
Hepatitis-BSchwere Leberschäden, kann zum Tod führen
Hepatitis-CSchwere Leberschäden, kann zum Tod führen
Hepatitis-DSchwere Leberschäden, kann zum Tod führen
Hepatitis-EKann zu Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen führen.

Die von den Wissenschaftlern aus Tübingen in den getesteten Schweinefleischprodukten entdeckten Hepatitis-E-Viren sind für den Menschen demnach nicht lebensgefährlich, können jedoch zu starken Beschwerden führen. Nach Angaben des Instituts für Tropenmedizin seien im Jahr 2019 in Deutschland 3.727 Fälle einer Erkrankung mit Hepatitis-E gemeldet worden. Im August 2020 sei die Zahl bereits bei 2.280 bekannten Fällen gelegen. In Deutschland ist eine Infektion mit den Viren nach dem Infektionsschutzgesetz namentlich meldepflichtig.

In Tübingen testen Forscher jedoch nicht nur Schweinefleisch, sondern arbeiten auch an einem Impfstoff gegen das Coronavirus. Die Bundesregierung investierte 300 Millionen Euro in die Impfstoff-Hoffnung CureVac. Die Firma arbeitet schon seit Januar an einem Impfstoff und war ursprünglich ebenfalls an der Universität Tübingen ansässig. Sogar Tesla-Chef Elon Musk stattete der Stadt unlängst einen Besuch ab, um sich mit Vertretern von CureVac zu treffen.

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