Archäologische Funde

Sensationeller Fund! Bei Neubau-Arbeiten in Heilbronn tauchen Hunderte Gräber auf

  • vonJulia Thielen
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In Heilbronn liegen außergewöhnliche Funde unter der Erde. Vor der Erschließung eines Neubaugebiets werden sie von Archäologen gerettet.

Wir leben buchstäblich auf einem Schatz vergangener Zeiten. Das beweisen Archäologen immer wieder, wenn sie bei Grabungen zutage fördern, was die Erde von früheren Jahrhunderten konserviert hat. Doch das passiert längst nicht nur im alten Ägypten oder bei Entdeckungen rund um die in Vulkanasche begrabenen Stadt Pompeji. Auch in Baden-Württemberg lassen sich unter Umständen Kulturdenkmäler wiederentdecken. Wie derzeit bei einer Stadt, die eigentlich ein Neubaugebiet erschließen will.

In Heilbronn sollen im Stadtteil Sontheim auf etwa 112 Grundstücken auf einmal rund 125 Wohneinheiten entstehen, berichtet echo24.de*. Die Einzel-, Doppel- und Reihenhäuser sollen später das geplante Neubaugebiet „Klingenäcker“ bilden. Bevor die Stadt und 81 private Grundstückseigentümer ihre Bauprojekte umsetzen können, muss das Gebiet allerdings zunächst erschlossen werden.

Heilbronn: Stadt will Gebiet bebauen – und stößt auf irre Funde

Schon 2018 wurde hierfür der Bebauungsplan rechtsgültig. Schon damals wies dieser laut der Stadt Heilbronn „ausdrücklich darauf hin, dass im Geltungsbereich des Bebauungsplans mit umfangreichen Funden und Befunden zu rechnen sei“. Schon 2019 machte eine Archäologin in Heilbronn an anderer Stelle eine unfassbare Entdeckung*.

StadtHeilbronn
StadtteilSontheim
NeubaugebietKlingenäcker

Ende des vergangenen Jahres habe eine sogenannte Sondage, ein archäologisches Verfahren zur Voruntersuchung eines möglichen Grabungsterrains, „einen Überblick über das echte Ausmaß der Kulturdenkmäler im Boden“ unterhalb des geplanten Neubaugebiets gegeben, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt.

Heilbronn: Landesamt für Denkmalpflege entdeckt Hunderte Gräber

Bei der Untersuchung stieß das Landesamt für Denkmalpflege (LAD) auf einige außergewöhnliche archäologische Funde. Darunter ein großes Reihengräberfeld aus dem 6. und 7. Jahrhundert – mit etwa 450 bis 500 Gräbern. Doch das ist nicht alles.

„Hinzu kamen vorgeschichtliche Funde, die auch mit der keltischen Viereckschanze in Zusammenhang stehen könnten“, teilt die Stadt Heilbronn* mit. Eine der sogenannten Keltenschanzen befindet sich angrenzend an das geplante Neubaugebiet im Stadtteil Sontheim. Es war als „relativ seltenes und hochwertiges Kulturgut“ ohnehin extra aus dem Bebauungsplan ausgenommen worden.

Viereck- oder auch Keltenschanze

Die sogenannte Viereck- oder auch Keltenschanze wurde schon häufig, vor allem in Süddeutschland, entdeckt. Es gibt aber auch Funde zum Beispiel in der Schweiz oder Österreich. Bei der Keltenschanze handelt es sich um die Überreste einer Bauweise. Meist ist die Viereckschanze ein rechteckiges oder quadratisches Areal und wurde von Wall und Graben umsäumt. Datiert werden sie Keltenschanzen auf das 2. oder 1. Jahrhundert vor Christus. Genauere Untersuchungen fehlen bislang weitestgehend - die gut gesicherten Viereckschanzen könnten aber zentrale Gutshöfe, religiöse oder kulturelle Städten geschützt haben.

Heilbronn: Rettungsgrabungen sollen archäologische Funde sichern

Um die archäologischen Funde nun sichern zu können, wie es das Denkmalschutzgesetz vorsieht, sind sogenannte Rettungsgrabungen erforderlich. Laut LAD könnten die, abhängig von den Kulturgütern, sechs bis zwölf Monate dauern.

Die Stadt bemühe sich nun darum, dass es eine gemeinsame Ausschreibung für die Grabungsarbeiten geben wird. Anschließend werden Experten unter Kontrolle des LAD wohl ab dem Sommer beginnen, die besonderen Funde zutage zu fördern.

Irre Funde in Heilbronn gehören alle Land Baden-Württemberg

Egal was diese finden – die Grundstückseigentümer, darunter auch die Stadt Heilbronn selbst, haben keinen Anspruch auf die Kulturgüter. Die Kosten für die Grabungen werden allerdings von ihnen getragen.

Die archäologischen Funde werden dann von den beauftragten Fachleuten dokumentiert und im zentralen Fundmagazin in Raststatt gesichert, heißt es von der Stadt. „Alle Funde, einschließlich der menschlichen Gebeine, gehören dem Land Baden-Württemberg.“ Theoretisch könnten es die Kulturgüter aus dem Boden des künftigen Neubaugebiets in ein Museum schaffen. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Soeren Stache/dpa

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