Moralisch verwerflich

Gaffer filmen in Heilbronn bewusstlosen Mann, statt zu helfen

Schaulustige fotografieren neben einer Lärmschutzwand mit ihren Smartphones eine Unfallstelle, an der ein Autotransporter auf dem Dach liegt.
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Heilbronn: Menschen in einer Notlage helfen statt sie zu filmen (Symbolbild).
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Am Montagabend lag ein Mann leblos im Bereich des Marktplatzes in Heilbronn. Dreiste Zuschauer reagierten auf die Notlage des Mannes - aber nicht wie man es erwarten könnte.

  • Am Montagabend spielten sich in Heilbronn alarmierende Szenen ab.
  • Ein Mann lag leblos im Bereich des Marktplatzes im Zentrum der baden-württembergischen Großstadt.
  • Statt dem Mann zu helfen, filmten viele Zuschauer in Heilbronn die Notlage des Mannes. Auch bei der Versorgung durch den Notarzt störten die Gaffer.

Heilbronn - Ein Mann lag am Montagabend, den 24. August, gegen 18:45 Uhr leblos im Bereich des Marktplatzes im Zentrum der Stadt Heilbronn im Regierungsbezirk Stuttgart. Wie die Polizei berichtet, waren mehrere Passanten anwesend.

Statt dem Mann in seiner offensichtlichen Notlage zu helfen, reagierten sie jedoch auf erschütternde Art und Weise. Die Passanten in Heilbronn zückten ihre Smartphones und filmten den leblosen 41-Jährigen. Unterlassene Hilfeleistung ist schon schlimm genug. Eine Notsituation dann auch noch zu filmen, ist doppelt verwerflich - und eine Straftat, wie die Polizei in einer Pressemitteilung vom Dienstag verdeutlichte.

Schaulustige und Gaffer sind schon länger ein Problem und behindern oft die Arbeit der Rettungskräfte oder die Weiterfahrt im Straßenverkehr. Mitte des Monats geschah auf der A8 bei Pforzheim ein schwerer Unfall mit drei LKW. Bei dem Unfall verletzten sich zwei Personen schwer, Gaffer blockierten den Verkehr.

Zuschauer in Heilbronn: Gaffer filmen Mann in Notlage statt ihm zu helfen

Nach Angaben der Polizei Heilbronn befand sich der Mann am Montagabend in kritischem Gesundheitszustand. Neben den wenigen Ersthelfern war eine große Zahl an Passanten anwesend. Die dreisten Zuschauer in Heilbronn filmten die Szene und behinderten die ersten Maßnahmen. Die Rettungskräfte kämpften nach ihrem Eintreffen um das Leben des 41-Jährigen. Den Gaffern schien die ernste Lage, in welcher sich der Mann befand, nicht bewusst zu sein. Immer mehr Gaffer sammelten sich um die Einsatzstelle am Marktplatz in Heilbronn.

Die Zuschauer in Heilbronn filmten nicht nur die Notlage des Mannes, sondern setzten ihre Aufnahmen auch bei den Rettungsversuchen durch die Notärzte fort. Anwesende Beamte des Polizeipräsidiums Heilbronn halfen ebenfalls bei den lebensrettenden Maßnahmen und konnten die Gaffer dadurch nicht von ihrem unmoralischen Verhalten abhalten. Durch ihre Reaktion begingen die Gaffer in Heilbronn gleich zwei Straftaten. Die „Unterlassene Hilfeleistung“ nach § 323c ist genauso ein Verbrechen wie die „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen“ nach § 201a StGB. Ein solches Vergehen kann mit bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe bestraft werden, teilte die Polizei Heilbronn am Dienstag mit.

Dem 41-Jährigen geht es laut einem Facebook-Kommentar der Polizei Heidelberg den Umständen entsprechend wieder gut.

Zuschauer in Heilbronn: Gaffer filmen Mann in Notlage - Appell der Polizei im Wortlaut

Von Seiten der Polizei appellieren wir an die Vernunft der Bevölkerung. Wenn sich ein Mensch in einer hilflosen Lage befindet, dann helfen Sie dem- oder derjenigen. Letztendlich kann jeder einmal in eine solche Situation kommen und Hilfe oder Unterstützung benötigen. In einer solchen Lage gefilmt zu werden, möchte vermutlich niemand“.

Durch das Coronavirus in Baden-Württemberg ist körperlicher Kontakt zu Fremden nach Möglichkeit zu vermeiden. Erste-Hilfe kann jedoch auch geleistet werden, ohne sich selbst in Gefahr zu begeben.

Erste Hilfe ist auch in Zeiten von Corona möglich. Niemand verlangt, dass man sich hierbei selbst in Gefahr bringt, aber: Mensch ansprechen, Atmung prüfen, Notruf absetzen, ggf. Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten ,kann von jedem verlangt werden “ (Polizei Heidelberg, Facebook).

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