Nach 60 Jahren Zusammenarbeit

Sturmgewehr-Schlappe bringt Heckler & Koch in Bedrängnis

Eine Soldatin des Panzergrenadierbataillon 401 nimmt an der Gefechtsausbildung teil.
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Heckler & Koch: Entscheidung aus Berlin bringt Traditionsunternehmen in Bedrängnis (Symbolbild).
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Der Waffenhersteller Heckler & Koch aus Oberndorf (Schwarzwald) stellt seit 1959 die Waffen für die Bundeswehr her. Nun soll die Konkurrenz diese Aufgabe übernehmen.

Oberndorf - Das Rüstungsunternehmen Heckler & Koch aus dem baden-württembergischen Oberndorf (Schwarzwald) ist der bedeutendste Hersteller von Handfeuerwaffen und Infanteriewaffen Deutschlands. Das Unternehmen beliefert unter anderem die Streitkräfte der meisten NATO-Staaten sowie zahlreiche Polizeieinheiten und Sicherheitsbehörden. Seit 1959 stellt Heckler & Koch die Standard-Sturmgewehre der Bundeswehr her.

Damit ist jetzt offenbar Schluss: Statt Heckler & Koch soll die Firma C.G. Haenel aus Thüringen zukünftig die deutsche Armee mit Gewehren versorgen, wie das Bundesverteidigungsministerium am Dienstag mitteilte. Die Firma ist mit diesem Schritt nicht einverstanden. „Vorbehaltlich einer ausgiebigen juristischen Überprüfung bedauern wir diese Entscheidung“, erklärte Vorstandschef Jens Bodo Koch nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Das lässt vermuten, dass Heckler & Koch gegen den Beschluss klagen will.

Heckler & Koch: Entscheidung bringt große Probleme für das Traditionsunternehmen

Laut Angaben der dpa komme der Rückschlag durch die Entscheidung des Bundesverteidigungsministeriums für Heckler & Koch zu einer ungünstigen Zeit. Die vergangenen Jahre waren eine Herausforderung für das Traditionsunternehmen aus dem Schwarzwald. Im Jahr 2018 stieg der Schuldenstand des Waffenherstellers von 182 Millionen auf 231 Millionen Euro, wie der Finanzvorstand des Unternehmens, Björn Krönert auf der Hauptversammlung im Juli 2019 bekanntgab. Nach rund 60 Jahren verliert das Rüstungsunternehmen nun wohl auch seinen wichtigsten Kunden. Heckler & Koch macht durch den Wegfall des Auftrags von 120.000 Sturmgewehren einen Verlust von 245 Millionen Euro, wie die Welt berichtete.

Der Chef von Heckler & Koch betonte jedoch, dass es für die Mitarbeiter des Stammsitzes in Oberndorf keine unmittelbaren Folgen gebe. Das Unternehmen habe insgesamt sehr gut gefüllte Auftragsbücher, die Zahl der Bestellungen sei höher, als aktuell bearbeitet werden könne, erklärte Bodo Koch nach Angaben der Welt.

Heckler & Koch: Gewehr der Konkurrenz stellt sich als etwas besser heraus

Bereits im Jahr 2017 wurde das Bieterverfahren für das neue Sturmgewehr der Bundeswehr eingeleitet, wie die dpa berichtet. Bei umfangreichen Tests habe sich die angebotene Waffe von Haenel als etwas besser für die militärischen Zwecke herausgestellt als das G36 von Heckler & Koch. Im Jahr 2012 entwickelte sich ein Skandal um die Waffe. Dabei ging es vor allem um Probleme bei der Treffgenauigkeit des Sturmgewehrs. Nach weiteren Untersuchungen traten nach Angaben der dpa auch Hitzeeinwirkungen bei langen Schussfolgen auf. Das Sturmgewehr G36 werde von den Soldaten der Bundeswehr jedoch bis heute geschätzt.

Erst vor wenigen Tagen entdeckte die Polizei ein Kriegswaffen-Lager in Baden-Württemberg. Die Beamten durchsuchten eine Wohnung in Nellingen (Ostfildern) und fanden Gewehre, Pistolen, Revolver, Munitionsgurte, Patronen, Schwarzpulver und Bajonette.

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