Unverständnis beim Rüstungsunternehmen

Heckler & Koch will 15.000 Euro für Flutopfer spenden - Organisation lehnt ab: „ethische Bedenken“

Am Eingang der Firmenzentrale des Waffenherstellers Heckler & Koch steht ein Schriftzug mit dem Firmennamen.
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Das Rüstungsunternehmen Heckler & Koch wollte 15.000 Euro an Flutopfer spenden. Die Spende wurde jedoch abgewiesen.
  • Julian Baumann
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Das baden-württembergische Rüstungsunternehmen Heckler & Koch wollte für die Flutopfer in Deutschland spenden. Die Hilforganisation hatte jedoch Bedenken und wies die Spende ab.

Oberndorf - Das Rüstungsunternehmen Heckler & Koch ist vor allem als Lieferant und Hersteller des Standardgewehrs G36 der Bundeswehr bekannt. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen mit Sitz in Oberndorf am Neckar (Kreis Rottweil) südwestlich der Landeshauptstadt Stuttgart jedoch mit Problemen zu kämpfen. Der Großauftrag für das deutsche Heer wurde zunächst an einen Konkurrenten aus Thüringen vergeben. Heckler & Koch hätte dadurch einen Auftrag über 120.000 Sturmgewehre und knapp 250 Millionen Euro verloren. Nach einer Entscheidung des Verteidigungsministeriums ist das Sturmgewehr-Debakel bei der Bundeswehr inzwischen vom Tisch: Nun soll doch Heckler & Koch liefern.

Rüstungsunternehmen wie Heckler & Koch oder andere bekannte Waffenhersteller stehen oftmals in der Kritik, weil sie „Mordwerkzeuge“ fertigen. Aus diesem Grund wies die Hilfsorganisation „Aktion Deutschland Hilft“ wohl nun auch eine Spende des baden-württembergischen Unternehmens für die Opfer der Flutkatastrophe im Juli ab, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet. Und das, obwohl der Wiederaufbau in den betroffenen Gebieten noch in vollem Gange ist und wohl jeder Euro helfen würde.

Heckler & Koch: Spende für Flutopfer abgewiesen - Hilfsorganisation hat ethnische Bedenken

Im Juli dieses Jahres führten massiver Starkregen und extreme Unwetter zu einer in dieser Form nie dagewesenen Flutkatastrophe in Deutschland. Ganz besonders betroffen waren Regionen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. In einem Landkreis forderte das Unwetter zahlreiche Opfer, es sei „die schlimmste Katastrophe seit dem zweiten Weltkrieg“ gewesen, sagte der Bürgermeister einer besonders betroffenen Gemeinde. In den Regionen rissen die Wassermassen ganze Häuser hinfort, überfluteten Straßen und forderten Menschenleben. Nach der verheerenden Katastrophe war die Anteilnahme und die Hilfsbereitschaft groß.

Nach der Flutkatastrophe meldeten mehrere große Unternehmen aus Baden-Württemberg Hilfe an. Die Discounterkette Lidl spendete etwa 10 Millionen Euro und der Autobauer Daimler schickte spezielle Fahrzeuge und eine Million Euro. Auch der Rüstungskonzern Heckler & Koch habe Anfang August eine Spende von 15.000 Euro auf das Spendenkonto der Hilfsorganisation „Aktion Deutschland hilft“ überwiesen, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Die Summe setzt sich aus Spenden zusammen, die zur Hälfte von der Firma und zur anderen Hälfte von den Mitarbeitern stammen. Einen Monat später habe das Aktionsbündnis die Spende mit Verweis auf die ethnischen Richtlinien abgewiesen.

Heckler & Koch: Unternehmen äußert Unverständnis über Ablehnung der Spende

Das Rüstungsunternehmen Heckler & Koch beliefert nicht nur die Bundeswehr mit dem Sturmgewehr G36, sondern auch die Heere der meisten NATO-Staaten, zahlreiche Polizeien und andere Sicherheitsbehörden. Dass die Spende an die Opfer der Flutkatastrophe nicht angenommen wurde, stößt bei dem Waffenhersteller auf Unverständnis, heißt es in einem offenen Brief an Ex-Bundespräsidenten Horst Köhler, dem Schirmherren des Aktionsbündnisses, und den Kuratoriumsvorsitzenden, Außenminister Heiko Maas (SPD). Die Nichtannahme würde nicht nur die Mitarbeiter von Heckler & Koch herabsetzen, sondern „auch die Sicherheitskräfte Deutschlands, der EU und der Nato, die täglich unsere Produkte benutzen.“

Die Waffen von Heckler & Koch seien keine Kriegsinstrumente, sondern beispielsweise auch bei der Evakuierung aus dem von den Taliban besetzten Kabul zum Einsatz gekommen, heißt es in dem Brief. Zudem beliefere man ausschließlich die deutschen Bündnispartner. „Ohne Genehmigung der Bundesregierung verlässt keine einzige Waffe unser Haus.“ Die Ablehnung der Spende habe jedoch auch nicht direkt mit dem Waffenhersteller zu tun, hieß es von dem Aktionsbündnis auf Anfrage der dpa. In den ethischen Leitlinien hieße es jedoch, ein Unternehmen, das spende, dürfe weder Kriegswaffen herstellen, noch verbreiten.

Entsprechend der Leitlinien „und vor dem Hintergrund unserer Mission und Wertestandards“ behalte man sich das Recht vor, Spenden zurückzuweisen, sagte eine Sprecherin des Aktionsbündnisses der dpa. Nach der Abweisung der Spende will Heckler & Koch die gesammelten 15.000 Euro nun an das Technische Hilfswerk und die Gemeinde Dernau im Ahrtal (Rheinland-Pfalz), die von der Flutkatastrophe ebenfalls besonders schwer betroffen war, spenden.

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