Diskussion um Klimabewegung

„Das ist gefährlich“: Boris Palmer schießt gegen Fridays For Future nach Auftrittsverbot von Dreadlock-Frau

Boris Palmer bei einer Pressekonferenz und ein Bild von Palmer mit Dreadlocks
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Boris Palmer erachtet die Entwicklung von Fridays For Future als gefährlich und zeigt sich auf Facebook überraschend mit Dreadlocks.
  • Nadja Pohr
    VonNadja Pohr
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Nachdem Fridays For Future den Auftritt einer Künstlerin wegen ihrer Dreadlocks abgesagt hatte, kritisiert Boris Palmer die Entwicklung der Klimabewegung - und hält sie für gefährlich.

Tübingen - Die Bewegung Fridays for Future setzte sich zuletzt nicht nur für eine bessere Klimapolitik ein, sondern trat auch bei Demonstrationen für die Ukraine auf - unter anderem auch in Baden-Württemberg. Nun sorgte eine Ortsgruppe der Klimaschutzbewegung in Hannover für Aufsehen: Sie sagten den Auftritt einer Künstlerin wegen ihrer Haare ab.

Die weiße Musikerin Ronja Maltzahn darf bei einer geplanten Demonstration von Fridays For Future nur auftreten, wenn sie sich bis dahin ihre Dreadlocks abschneiden würde. Die Begründung für diesen Schritt: Dreadlocks seien in den USA ein Widerstandssymbol der Bürgerrechtsbewegung schwarzer Menschen geworden. Weil Maltzahn eine weiße Person ist, wäre ihre Frisur eine kulturelle Aneignung. Der Fall sorgte für Diskussionen in der Öffentlichkeit.

Boris Palmer kritisiert Fridays For Future für Dreadlock-Posse: Entwicklung der Bewegung sei gefährlich

Inzwischen hat sich auch Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer zu Wort gemeldet. Auf Facebook schreibt der Grünen-Politiker, dass er zwar wie Fridays For Future für eine konsequente Klimaschutzpolitik stehe, sie für ihre eingeschlagene Richtung jedoch verurteile. „Jetzt ist es ausgerechnet eine Jugend, die sich als weltoffen, tolerant und progressiv versteht, die ein illiberales Regelwerk etablieren will, bei dem jeden Tag neue Verbote hinzukommen“, kritisiert Palmer und ergänzt, dass man sich nun auch schon die Frisur vorschreiben lassen müsse. „Sonst: Cancel!“ In seinen Augen befinde sich die Bewegung auf Abwegen. „Lasst euch nicht von der Illiberalität der identitätspolitischen Ideologie vereinnahmen“, mahnt der deutschlandweit bekannte Lokalpolitiker.

Boris Palmer, der sich selbst als Opfer der Cancel Culture sieht, geht sogar noch einen Schritt weiter: Die Entwicklung von Fridays For Future sei sehr gefährlich. „Erstens spaltet es die Klimaschutzbewegung und macht sie schwächer“, schreibt der Tübinger. „Zweitens gerät die liberale Gesellschaft in Gefahr.“ In seinem Facebook-Post zeigt er sich in einer Fotomontage mit Dreadlocks und verkündet: „Ich bin ein freiheitsliebender Mensch. Wenn ich die Haarlänge dafür hätte, würde ich mir jetzt Dreadlocks machen lassen.“

Boris Palmers Kritik an Fridays for Future findet auf Social Media Anklang

Die Kommentare unter Boris Palmers Beiträgen zeigen, dass viele seine Meinung teilen. „Diese Jugendbewegung kennt Toleranz nur im Zusammenhang mit sich selbst. Gegenüber Andersdenkenden ist dann auch schnell Schluss mit lustig“, schreibt eine Nutzerin. Ein weiterer schreibt, die Äußerungen wären ein klassisches Eigentor von Fridays For Future gewesen. „Diese Truppe entlarvt sich selbst“, schreibt eine Frau.

Nicht alle schätzen die Thematik jedoch so dramatisch ein wie der Oberbürgermeister von Tübingen. „Es ist aber auch nicht liberal, wenn man nun die Identitätspolitik völlig verdammt“, so die Meinung einer Nutzerin. „Übrigens, Herr Palmer: Nicht nur beim Klimaschutz sind alle Menschen gleich. Sonst auch und zwar überall. Sogar Ungeimpfte“, fügt ein weiterer Nutzer hinzu.

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