Nach Ende der Kontaktverfolgung

Millionen haben sie noch auf dem Handy: Luca-App soll zur Bezahl-App werden

Luca-App
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Die Luca-App haben noch viele Menschen in Deutschland auf ihren Smartphones installiert. Investoren und Gründer sehen darin eine große Chance und wollen eine Bezahl-App daraus machen.
  • Nadja Pohr
    VonNadja Pohr
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Die Luca-App geriet wegen unerlaubter Datennutzung immer wieder in die Kritik. Nun soll aus der Luca-App eine Bezahl-App für Gastronomie und Kultur-Betriebe werden.

Stuttgart/Berlin - Im Kampf gegen das Coronavirus wurde im Jahr 2020 auch die Luca-App gestartet, um die Kontaktdaten von Restaurantgästen und Event-Besuchern möglichst datenschutzfreundlich und effizient zu erledigen. Die Landeshauptstadt Stuttgart wurde für die App sogar als „Modellkommune“ genutzt. Auch, weil die Idee vom ehemaligen Baden-Württemberger Smudo, Rapper der Hip-Hop-Gruppe „Die Fantastischen Vier“, kam.

Mittlerweile ist die häufig in die Kritik geratene App in der Gastronomie und bei Veranstaltungen und anderen Aktivitäten nicht mehr notwendig. Experten kritisierten die Luca-App häufig scharf und bezweifelten deren Nutzen ohnehin. Einen Imageschaden erlitt die App auch durch die Datennutzung für Ermittlungsverfahren der Polizei. Nach dem Aus der App werden die Gründer die Funktion auf dem Smartphone allerdings nicht komplett einstellen.

Umstrittene Luca-App wird zur Bezahl-App umgebaut

Millionen Menschen haben die Luca-App noch auf ihrem Handy. Einige Finanzinvestoren sehen darin ein großes Potenzial. In einer Finanzierungsrunde haben die App-Gründer 30 Millionen Euro eingesammelt, um die Anwendung zum Eindämmen der Corona-Pandemie in eine Bezahl-App für die Gastronomie und den Kultur-Betrieb umzubauen. Zu den Investoren gehören unter anderem die Unternehmen Target Global, The Delta und embedded/capital.

Den Vorsitz im Verwaltungsrat übernimmt FinTech-Unternehmer Julian Teicke. Patrick Hennnig ist weiterhin Geschäftsführer von Culture4Life, der Gründungsfirma in Berlin. Genauso wird sich Musiker Smudo weiterhin an der Firma beteiligen. Mithilfe weiterer neuer Investoren soll die Luca-App weiterentwickelt werden. Auch, wenn die Verträge mit Baden-Württemberg, Bayern und allen anderen Bundesländern Ende März ausgelaufen seien und das System der App bis auf weiteres keine Kontaktdaten mehr erfassen werde, könne die Funktion bei erneutem Bedarf wieder aktiviert werden, erklärte Geschäftsführer Hennig.

Luca-App: Internet-User kündigen Deinstallation an

Die Nutzer im Internet zeigen sich weniger begeistert von der Ankündigung, die Luca-App in eine Bezahl-App umzubauen. Auf Facebook teilen viele User mit, dass sie die App nun endgültig deinstallieren werden. „Sobald das der Fall wird, ist die Luca App vom Handy“, schreibt ein Facebook-Nutzer. „Bevor ich Luca als Bezahl-App verwende, bleib ich weiterhin bei GooglePay und Klarna-Karte“, meint ein weiterer. Auch Politiker hatten zuletzt zur Löschung der Luca-App aufgerufen.

Die User in den sozialen Medien sind nicht der Meinung, dass diese Funktion in Deutschland gebraucht wird. Außerdem sind sie nach den vorherigen Daten-Skandalen eher skeptisch, ob sie die App nutzen würden. Zumal Smudo in der Vergangenheit äußerte, dass er das Abfragen von Daten legitim fände. „Die App, die seit Beginn Probleme mit der Datensicherheit hat, soll Zugriff auf meine Finanzen haben?“, fragt ein User deshalb fassungslos.

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