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Handwerk wirbt um Azubis und entfacht Shitstorm - „Man gewinnt keinen Nachwuchs, indem man ihn beschimpft“

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Von: Nadja Pohr

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Ein Plakat vom Zentralverband „Das Handwerk“
In ganz Deutschland wirbt „Das Handwerk“ mit Plakaten und Slogans wie „Was gegen Handwerk spricht? Meine Akademikereltern“ für Azubis. Ein anderes Plakat lässt sich in Heidelberg finden. © Screenshot Twitter/Ronny Patz

Mit einer speziellen Kampagne wirbt der Handwerksverband für Azubis. Die Slogans auf den Plakaten kommen in den sozialen Medien allerdings nicht gut an - es entsteht ein regelrechter Shitstorm.

Heidelberg - Der Fachkräftemangel ist in Deutschland akuter denn je und trägt zu einer sorgenvollen Stimmung in vielen Branchen bei. Es gibt einige Jobs, die niemand machen will, obwohl sie gut bezahlt sind. Um diesem Umstand entgegenzuwirken, hat der Zentralverband „Das Handwerk“ eine Image-Kampagne gestartet, mit dem die jungen Menschen zum Umdenken angestoßen werden sollen, wie es in der Deutschen Handwerkszeitung heißt.

Auf einem Plakat in Heidelberg in Baden-Württemberg schreibt der Verband zum Beispiel: „Fürs Klima auf die Straße, aber nicht ins Handwerk? Dabei lassen sich die politischen Klimaziele ohne Handwerk niemals erreichen. Hier stimmt etwas nicht.“ Auf einem anderen steht: „Unsere Kinder lernen, mit dem Kopf zu arbeiten. Mit den Händen arbeiten sollen dann andere.“ Untermalt sind die Slogans mit emotionalen Bildern von jungen Leuten. Damit soll um die Wertschätzung in der breiten Öffentlichkeit geworben werden. Die Reaktionen auf die Kampagne folgten prompt - allerdings nicht mit dem gewünschten Erfolg. Vielmehr entfachten die Plakate einen Shitstorm in den sozialen Netzwerken.

Social-Media-Nutzer ätzen gegen Handwerk-Werbung: „Man gewinnt keinen Nachwuchs, indem man ihn beschimpft“

In den sozialen Medien fühlen sich die Menschen nicht etwa animiert, sondern angegriffen. „Ein Miteinander hätte besser gewirkt als ein Gegeneinander“, schreibt ein Twitter-User beispielsweise. „Man gewinnt keinen Nachwuchs, indem man ihn beschimpft“, ätzt ein weiterer. Auch über den Spruch „Was spricht gegen Handwerk? Meine Akademikereltern“ ärgert sich ein Nutzer. „Muss diese Polarisierung sein? Ganz ehrlich - ich arbeite im Handwerk und hab vorher studiert“, schreibt er.

Die Menschen im Netz können die Werbemaßnahme zum Teil auch verstehen, sehen bei Handwerks-Jobs allerdings ein viel größeres Problem. „Schlecht wären die Plakate nicht. Wenn sie nicht einen unterbezahlten Knochenjob bewerben, den man unmöglich bis zur Rente aushält“, kommentiert ein User auf Facebook. „Das Handwerk hat sich dazu entschieden, eine Kampagne zu fahren, wie unfair alle zu ihnen sind. Das lockt natürlich Leute an“, lautet das Fazit eines Twitter-Nutzers.

Ziel erreicht? - Handwerk-Werbung regt zur Diskussion an

Auf der anderen Seite finden manche Nutzer die Werbung durchaus gelungen. „Trifft genau den Punkt“, „So muss Werbung sein, sonst liest es ja keiner“, oder „Es entspricht der Wahrheit“, schreiben die User unter anderem. In gewissermaßen hat die Handwerk-Kampagne also ihr Ziel erreicht: Über die Branche wird nun definitiv diskutiert. Ob dadurch allerdings die jüngere Generation erreicht wurde und über einen handwerklichen Beruf nachdenkt, ist angesichts der vielen negativen Stimmen jedoch fraglich.

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