Nah an Baden-Württemberg

Radioaktive Verseuchung droht: Atomkraftwerk bei Günzburg muss heruntergefahren werden

Scheinwerfer beleuchten im Kernkraftwerk Gundremmingen den offenen Reaktor von Block C.
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Im Atomkraftwerk nahe Günzburg gibt es immer wieder Sicherheitsprobleme
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Am Atomkraftwerk bei Günzburg wurde zum zweiten Mal in diesem Jahr gefährliche Schäden entdeckt. Der Betreiber sieht jedoch noch immer keinen Grund zum Handeln.

Günzburg - Das Atomkraftwerk Gundremmingen bei Günzburg (Bayern) liegt nur etwas über 100 km von der Landeshauptstadt Stuttgart und knapp eine halbe Stunde von Ulm entfernt. Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr wurden an dem AKW Brennelementeschäden entdeckt, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am Mittwoch berichtete.

In Baden-Württemberg wurden Kernkraftwerke nach und nach abgeschaltet. Durch das Coronavirus in Baden-Württemberg fand die Sprengung eines Kühlturms des AKW Philippsburg bei Karlsruhe ohne Zuschauer statt. Eine Drohne filmte den Vorgang jedoch. Die Aufnahmen machten Gänsehaut.

Mitte Juli wurden am letzten noch aktiven Atomkraftwerk in Baden-Württemberg ebenfalls Schäden festgestellt. Die Rohre am AKW Neckarwestheim II zeigten auffällige Risse. Die Schäden am Kernkraftwerk bei Günzburg stellen durch die Nähe zu Ulm und der Region Stuttgart auch eine Gefahr für Baden-Württemberg dar. Laut der dpa sieht der Betreiber jedoch keinen Grund zum Handeln.

Günzburg: Erneut Schäden am AKW Gundremmingen festgestellt - Kraftwerk heruntergefahren

Wie der Energiekonzern RWE am Mittwoch nach Angaben der dpa berichtete, habe es bei der Betriebsüberwachung des Reaktorkerns im Atomkraftwerk bei Günzburg Hinweise auf ein defektes Brennelement gegeben. Daraufhin wurde das AKW außerplanmäßig heruntergefahren. Bereits im Frühjahr wurde aufgrund eines ähnlichen Defekts Block C ausgeschaltet. Laut einer Sprecherin werden die Reparaturarbeiten etwa vier Wochen andauern. In dieser Zeit sollen nach Angaben der dpa auch Wartungsarbeiten erfolgen. Diese seien erst für 2021 geplant gewesen.

Die Gefahr bei einem Defekt an den Brennelementen ist, dass dadurch Radioaktivität in das Kühlwasser des Reaktors gelangen kann. „Das Kraftwerk ist für das Auftreten von Brennelementdefekten ausgelegt“, sagte Kraftwerkssprecherin Christina Kreibich nach Angaben der dpa. Spezielle Rückhaltesysteme würden in diesem Fall für einen sicheren Betrieb sorgen. „Ein Brennelementdefekt hat keine radiologisch messbaren Auswirkungen auf die Umgebung“.

Günzburg: Kritiker halten AKW Gundremmingen für ganz besonders unsicher

Atomkritiker fordern bereits seit Langem, das Atomkraftwerk Gundremmingen bei Günzburg herunterzufahren. Durch die immer wieder auftretenden Schäden sei das größte AKW Deutschlands besonders unsicher. Laut dem „Forum - Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik“ sei noch immer nicht geklärt, warum der letzte noch aktive Siedewasserreaktor in Deutschland so häufig mit undichten Spaltelementen auffalle, wie die dpa berichtet. In keinem anderen deutschen Atomkraftwerk habe es so viele Probleme damit gegeben, sagte Vorstand Raimund Kamm.

Der Block B des Atomkraftwerks Gundremmingen bei Günzburg ist bereits im Jahr 2017 vom Netz gegangen. Der Standort war der letzte mit zwei aktiven Reaktoren in der Bundesrepublik. Laut der dpa darf der verbliebene Block C noch bis Ende 2021 weiter betrieben werden.

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