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Goldspäne bei der Arbeit geklaut - Urteil in Pforzheim wird erwartet

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Dutzende Male soll er zugegriffen haben, um die Goldspäne einzusammeln und einzustecken. Die kostbare gestohlene Beute aus der Schmuckfirma nahm der Mitarbeiter laut Anklage jahrelang immer wieder mit nach Hause. © Arne Dedert/dpa/Symbolbild

Die Versuchung muss zu groß gewesen sein für den Mann aus Pforzheim. Immer wieder soll er Goldspäne aus seiner Schmuckfirma gestohlen haben, Späne mit Millionenwert. Nun muss ein Gericht über eine Strafe entscheiden. Nicht das erste Mal in einem solchen Fall.

Pforzheim (dpa/lsw) - Dutzende Male soll er zugegriffen haben, um die Goldspäne einzusammeln und einzustecken. Die kostbare gestohlene Beute aus der Schmuckfirma nahm der Mitarbeiter laut Anklage jahrelang immer wieder mit nach Hause, schmolz sie in seinem Gartenhaus ein und verkaufte sie in Barren an Hehler in Köln. Der Wert: rund 1,67 Millionen Euro. Nun will das Landgericht Karlsruhe am Freitag (09.00 Uhr) ein Urteil sprechen gegen den mutmaßlichen Dieb aus Pforzheim, der deutschen Schmuckstadt.

Insgesamt 66 Mal hatte der teils geständige Mann laut Anklage die Gelegenheit genutzt und die Goldspäne gestohlen, die bei der Produktion von Goldringen angefallen waren. Chatprotokolle aus dem Mobiltelefon des Mannes sollen das aus Sicht der Anklage ebenso belegen wie Videoaufnahmen. Ende des vergangenen Jahres war der 50-Jährige verhaftet worden. Der Prozess findet vor der Außenstelle des Landgerichts Karlsruhe am Amtsgericht Pforzheim statt.

Kein Einzelfall, aber auch nicht die Regel in der Branche. Während die Sicherheitskonzepte in den Scheideanstalten sehr hoch und effizient seien, gebe es wie überall immer mal wieder ähnliche Fälle, sagt York Tetzlaff, Geschäftsführer der Fachvereinigung Edelmetalle (FVEM). «Es gibt vermeintliche Gelegenheiten. Und wenn diese zusammenkommen mit dem Umgang mit wertvollen Materialien und krimineller Energie, dann kann das passieren.» Scheideanstalten sicherten sich vor allem durch Taschen- und Körperscanner ab, es herrsche ein strenges Vier-Augen-Prinzip, einige Unternehmen hätten auch spezielle Schuhbürsten für mögliche Produktionsreste oder klebende Bodenbeläge, außerdem würden die durch den Betrieb laufenden Edelmetallmengen fortwährend gemessen.

Immer wieder erliegen Mitarbeiter vor allem abseits der Scheideanstalten dennoch der Versuchung und schmuggeln Goldspäne aus den Produktionsstätten heraus. Erst Ende März war in Regensburg ein Mann zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden, weil er feine Goldspäne gestohlen haben soll. Insgesamt ging es um Diebesgut mit einem Gesamtgewicht von mindestens 68,4 Kilogramm. Den Wert des Diebesgutes veranschlagten die Richter mit rund 1,13 Millionen Euro. Davon hatte der Mann etwa 400 000 Euro für sich behalten. Der Rest war an einen Mittelsmann gegangen, der das Gold weiterverkauft hatte. Im Urteil wurden dem Mann auch noch vier Fälle von Drogenhandel zur Last gelegt.

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