In Fotofalle getappt

„Bis Idioten es abknallen“: Tierfreunde fürchten um das Leben des seltenen Goldschakals

  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Bei einem Streifzug durch den Rastatter Stadtwald tappte ein Goldschakal in eine Fotofalle. Eine kleine Sensation, denn in Mittel- und Nordeuropa war er zuvor nie heimisch.

Update vom 3.2.2021: Die Sichtung eines Goldschakals bei Raststatt hat in den sozialen Netzwerken Diskussionen ausgelöst. Die Tiere waren bisher nicht in Baden-Württemberg heimisch. Während sich bei Facebook viele Nutzer über die Aufnahmen und das „schöne Tier“ freuen, verbreitet sich auch Sorge. Zahlreiche User befürchten, dass der Goldschakal nun von einem Jäger abgeschossen wird.

Eine Facebook-Nutzerin fragt: „Und wie lange dauert es, bis dem armen Tier irgendwas angekreuzt wird, ein paar Idioten es zu „Problemtier“ abstempeln und es abknallen wollen?“ Eine andere kommentiert: „Oje, einmal vom Menschen entdeckt, ist er seines Lebens nicht mehr sicher.“ Der Goldschakal darf in Deutschland nicht gejagt werden, weil er laut der Naturschutz-Richtlinie FFH der Europäischen Union zu den schützenswerten Arten zählt.

Trotzdem fürchten einige Facebook-Nutzer, dass sich Jäger von diesem Verbot womöglich nicht abhalten lassen, den Goldschakal zu schießen. Ein User kommentiert: „Wie schon so oft, wird sich leider auch hier ein Jäger finden, dem alles recht egal ist und Freude am Abschuss haben wird. ein kurzer großer Aufschrei und alles ist dann bald wieder vergessen.“

Einige Nutzer weisen bei Facebook darauf hin, dass der Goldschakal eine Gefahr für die in Baden-Württemberg und Deutschland heimischen Arten darstelle. „Leute, wenn ihr etwas von der Natur verstehen würdet, müsstet ihr aufschreien und die sofortige Ausrottung dieser Art in Deutschland fordern“, schreibt ein User. „Noch ein Prädator mehr, der dem Wild und vielen geschützten Arten den Garaus machen wird!“ In Österreich haben bereits zwei Bundesländer, das Burgenland und Oberösterreich, eine Jagdzeit für den Goldschakal eingeführt. Weil sich die Tiere stark vermehrt haben, dürfen sie vom 1. Oktober bis 15. März geschossen werden.

Erstmeldung vom 1.2.2021: Rastatt - Forstmitarbeiter haben einen seltenen Gast im Landkreis Rastatt gesichtet. Der scheue Goldschakal lief einer Wildkamera im Rastatter Stadtwald direkt vor die Linse. Dieser Fund sei sensationell, so ein Sprecher des örtlichen Landratsamtes gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa). In Mittel- und Nordeuropa seien Goldschakale nämlich nie heimisch gewesen. Derzeit tauchen immer mehr ausgerottete Tierarten wieder in Baden-Württemberg* auf (*BW24 berichtete) - darunter der Wolf und der Luchs.

Ein Goldschakal ist etwas größer als ein Fuchs, aber deutlich kleiner als ein Wolf, mit dem er verwandt ist. Er gilt als besonders geschützt und gehört nicht zu den jagdbaren Arten. Für den Menschen stellt der Goldschakal Experten zufolge keine Gefahr dar. Meistens stehen kleine bis mittelgroße Säugetiere auf seinem Speiseplan. Auch Amphibien, Insekten, Fische oder Pflanzen isst er gerne. Der Goldschakal kann sich sehr gut an seine Umgebung anpassen und kommt fast überall gut zurecht.

Besuch vom Balkan: Ein Goldschakal steht in einem verschneiten Waldstück bei Rastatt, fotografiert von einer automatischen Fotofalle.

Goldschakal und Co. tauchen in Baden-Württemberg auf: Ist der Klimawandel der Grund?

Von seinem ursprünglichen Siedlungsgebiet auf dem Balkan breitet sich der Schakal zunehmend Richtung Mitteleuropa aus. Nachweise von Goldschakalen hat es in Baden-Württemberg bislang nur wenige gegeben. Zuletzt wurde laut dpa im Dezember 2020 ein männliches Tier bei Bruchsal überfahren. Ob es sich bei dem Goldschakal aus dem Rastatter Stadtwald um ein männliches oder weibliches Tier handle, sei auf dem Bild der Foto-Falle nicht zu erkennen.

Wieso Wildtiere wie Wölfe und Co. sich derzeit wieder vermehrt in unseren Breitengraden aufhalten, ist noch nicht ganz erforscht. Möglicherweise sei der Klimawandel der Grund dafür, heißt es in der Meldung der dpa. Die Ausbreitung der Wölfe in Deutschland macht vielen Menschen Angst* - jedoch gänzlich unbegründet. So gelten die Tiere als sehr scheu und haben in der Regel kein Interesse an einer Konfrontation mit Menschen. *BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Fotofalle/ Landratsamt Rastatt/dpa

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