Großaktion

Filderstadt: 400 nicht heimische Goldfische werden aus Weiher umgesiedelt - und dafür mit Strom betäubt

Goldfische im Teich. (Symbolbild)
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Da sich Goldfische in einem Weiher in Filderstadt unkontrolliert ausbreiteten, mussten sie von dort weggebracht werden (Symbolbild).
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Vergangene Woche wurden hunderte Goldfische im Kreis Esslingen von einem Weiher in einen Tierpark gebracht. Um sie besser transportieren zu können, betäubte man sie mit Stromschlägen.

Filderstadt/Esslingen - Immer wieder werden Goldfische in der Natur ausgesetzt. Für die Umwelt hat das oft verheerende Folgen. Die Zierfische fressen den Laich der heimischen Amphibien, die dann in ihrem Fortbestand bedroht sind. Auch in Filderstadt hat die Goldfischpopulation in einem Weiher Überhand genommen. In dem kleinen, nur 2,30 Meter tiefen Biotop namens Stollenhauweiher tummelten sich rund 400 Goldfische. In einer groß angelegten Aktion wurden die Tiere am vergangenen Donnerstag abgefischt und in einem Wasserbehälter in den Tierpark Nymphaea in Esslingen* gebracht (BW24* berichtete).

Indem sie Stromstöße ins Wasser abgaben, betäubten Mitarbeiter des Tübinger Büros für Gewässerökologie Limnobiota die Goldfische. So konnten sie diese leichter von der Oberfläche abfischen. Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, waren die meisten der Fischchen zwischen fünf und zehn Zentimeter lang, manche sogar fast 20 Zentimeter. Wie Simone Schwierte, eine der Leiterinnen des Filderstädter Umweltschutzreferats, gegenüber der Zeitung erklärte, haben die schillernden Fische im Wasser keine natürlichen Feinde. Dadurch können sich die Tiere ungehindert vermehren.

Goldfische umgesiedelt: „Schwammen durch Stromschläge wie von selbst in den Kescher“

Mit einem Elektrofischereigerät, das mit 600 Volt ein elektrisches Feld unmittelbar um das Boot herum erzeugt, wurden die Fische betäubt. „So schwammen sie beinahe von selbst in den Kescher“, sagte Joachim Thonhofer vom Tübinger Büro für Gewässerökologie. Zwar stresse der Strom die Tiere schon, aber „weit weniger als die Netzbefischung“, so der Experte. In einer zweistündigen Aktion brachte Thonhofer die Fische gemeinsam mit zwei Kollgen in den Nymphaea Tierpark in Esslingen.

Von den 400 Goldfischen, die nun im Tierpark in Esslingen ihr Zuhause fanden, werden manche auch an neue Besitzer vermittelt. Schon am Donnerstag, als die Tiere im Park ankamen, meldeten sich offenbar Interessenten, die ein paar der Fische an sich nehmen wollten.

Fische aus dem Aquarium aussetzen: „Kein Kavaliersdelikt, sondern illegal“

Wie Simone Schwiete vom Umweltschutzreferat gegenüber der Stuttgarter Zeitung betonte, sei es kein Kavaliersdelikt, sondern illegal, Goldfische in den nächstbesten Teich zu bringen. „Ich appelliere dringend, Haustiere nicht in Gewässern auszusetzen“, so die Expertin. Dass Fische aus heimischen Aquarien einfach in Seen und Teichen ausgesetzt werden und damit das ökologische Gleichgewicht auseinanderbringen, ist auch andernorts in Baden-Württemberg* immer wieder ein Thema. So wird derzeit beispielsweise eine nicht heimische Tierart zur Gefahr im Bodensee*. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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