Arbeit trotz Grundeinkommen

dm-Gründer Götz Werner hat eine faszinierende Erklärung, warum das Grundeinkommen funktionieren würde

  • Valentin Betz
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Götz Werner hat nicht nur dm gegründet. Er setzt sich auch für das bedingungslose Grundeinkommen ein. Kritiker fürchten, die Menschen würden dadurch faul - doch Götz Werner hat gute Gegenargumente.

  • dm-Gründer Götz Werner spricht sich seit Jahren für ein bedingungsloses Grundeinkommen aus.
  • Kritiker halten das Grundeinkommen für eine nicht finanzierbare Utopie, welche die Menschen faul machen würde.
  • Götz Werner ist davon überzeugt, dass die Menschen mit einem Grundeinkommen sogar noch produktiver wären.

Karlsruhe - Drogerieartikel gibt es heute nicht nur im Lebensmitteleinzelhandel, sondern auch in speziellen Drogeriemärkten. Daran hat Götz Werner, Gründer der Drogeriemarktkette dm, einen entscheidenden Anteil. Die Drogerien von dm sind die beliebtesten in Deutschland. Götz Werner hatte die Marke 1973 gegründet und dm zum Marktführer gemacht, gegen den sich Konkurrenten wie Rossmann und Müller nur schwer durchsetzen können. Im Laufe der Unternehmensgeschichte hat Götz Werner die dm Drogerie zu einem menschlichen Unternehmen entwickelt

2008 zog sich dm-Gründer Götz Werner aus dem Geschäft zurück und ist seitdem nur noch im Aufsichtsrat tätig. Der Milliardär und dm-Gründer verschenkte nicht nur sein Vermögen, sondern engagiert sich auch für das Grundeinkommen. Für diesen Einsatz erntet er immer wieder Kritik. Viele halten das bedingungslose Grundeinkommen nicht nur für eine unfinanzierbare Utopie. Kritiker fürchten sogar, dass es die Menschen faul und unproduktiv machen würde. Bislang konnte das noch keiner in großem Maßstab überprüfen. Kleinere Versuche, wie beispielsweise in einem Dorf in Namibia, reichen als repräsentative Studie nicht aus. Zumindest theoretisch liefert Götz Werner aber zahlreiche Gründe, warum das bedingungslose Grundeinkommen funktionieren würde.

Götz Werner kontert Kritikern: Das Grundeinkommen schafft Möglichkeiten zur freien Entfaltung

Der dm-Gründer Götz Werner hält ein bedingungsloses Grundeinkommen von etwa 1.000 Euro im Monat für realistisch. Damit könne man bescheiden, aber menschenwürdig leben, so Götz Werner in einem Interview mit Utopia. Darüber hinaus könne dann jeder zusätzlich einer Arbeit nachgehen, die wirklich als erfüllend empfunden wird. „Das Grundeinkommen ermöglicht die Arbeit“, so Götz Werner in dem Interview.

dm-Gründer Götz Werner setzt sich seit Jahren für das bedingungslose Grundeinkommen ein - und hat faszinierende Gründe, warum es funktionieren würde.

Kritiker glauben hingegen, dass das Grundeinkommen nicht nur ein bescheidenes, sondern sogar ein sehr gutes Leben ermöglicht. Sobald also die wirtschaftliche Notwendigkeit zu arbeiten wegfiele, würden die Menschen faul werden, so die Befürchtung. Götz Werner ist allerdings fest davon überzeugt, dass der Mensch sich durch seine Tätigkeit ausdrückt und daher nicht einfach nur faul herumliegen könne. Dazu wählt der dm-Gründer eine faszinierende Erklärung. „Das sieht man bei Kindern. Sie sind unheimlich kreativ, lernbereit, sie wollen die Welt entdecken und interpretieren. Und da muss man anknüpfen: Man muss den Menschen die Möglichkeit geben, sich einzubringen und auszudrücken zu können“, so dm-Gründer Götz Werner gegenüber Utopia.

dm-Gründer Götz Werner: Auch unliebsame Jobs würden mit Grundeinkommen erledigt werden

Eine Welt, in der jeder nur einer Arbeit nachgeht, die er gerne macht und frei gewählt hat? Kritiker des bedingungslosen Grundeinkommens argumentieren angesichts dieser Vorstellung gerne mit unliebsamen Jobs, die - so der angebliche Konsens - keiner gerne machen will, die aber trotzdem erledigt werden müssen. Mit einem Grundeinkommen von 1.000 Euro im Monat, wie es dm-Gründer Götz Werner vorschlägt, würde niemand mehr als Putzkraft arbeiten oder bei der Müllabfuhr.

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Götz Werner „Revolutionäre Ideen sind wie ein Schwelbrand“ Der Gründer der Drogeriemarktkette dm Götz Werner spricht über seine Vision, über Schnäppchenkäufe bei der Konkurrenz und Alnatura. Stuttgart 2017 Von Anja Stehle @morgenpost @abendblatt @funkedigital Götz Werner kommt mit dem Elektrofahrrad zum Gespräch in einem Hotel in der Stuttgarter Innenstadt. Einen weiten Weg hat er nicht. Seit zehn Jahren lebt der Gründer der Drogeriemarktkette dm in der baden-württembergischen Landeshauptstadt am schön gelegenen Killesberg. Ein Büro in der Karlsruher dm-Zentrale hat er nicht mehr. Das soll jedoch nicht über seinen fortwährenden Einfluss bei dm hinwegtäuschen. #götzwerner #dmdeutschland #grundeinkommen #stiftung @dm_deutschland @hotelamschlossgarten

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Doch auch darüber hat sich Götz Werner Gedanken gemacht. „Wenn Sie wollen, dass in der Welt etwas geschieht, haben Sie drei Möglichkeiten: Erstens, Sie machen es selbst. Zweitens, Sie automatisieren es. Drittens, Sie schaffen einen Arbeitsplatz, den man verstehen und gestalten kann – und der sinnstiftend ist“, erklärt dm-Gründer Götz Werner im Interview mit Utopia. Besonders die Entwicklung von Maschinen spielt in der Argumentation von Götz Werner eine tragende Rolle. Er zieht dafür gerne Computer, Drucker oder Smartphones als Beispiel heran, die schon heute zahlreiche Aufgaben für uns übernehmen oder gebündelt haben. Götz Werner glaubt daran, dass für unliebsame Jobs in Zukunft entweder die Löhne steigen, oder das Budget zur Entwicklung von Maschinen wächst, die diesen Job übernehmen werden.

Für Götz Werner ist außerdem weniger der unliebsame Job das Problem, sondern die Wertschätzung dafür. Der dm-Gründer ist überzeugt davon, dass es für jede Art von Arbeit genügend Menschen gibt, die diese grundsätzlich gerne tun. „Wie kann ich die Verhältnisse so gestalten, dass die Menschen sich selber motivieren? Das geht nur durch Wertschätzung. Und die Krankenschwester wird in unserer Gesellschaft einfach zu wenig wertgeschätzt. Dasselbe gilt für die Kindergärtnerin“, so dm-Gründer Götz Werner zum Business Insider.

Finanzierung des Grundeinkommens unmöglich? Auch darauf hat Götz Werner eine Antwort

Selbst Kritiker, die bis hierhin vielleicht mit dm-Gründer Götz Werner einer Meinung sind und seine Argumente teilen, lassen sich nicht ganz vom bedingungslosen Grundeinkommen überzeugen. Denn ein entscheidender Punkt, aufgrund dessen das Grundeinkommen laut Kritikern nicht funktionieren kann, ist die Finanzierung. Kein Staat könne jedem Bewohner einfach 1.000 Euro pro Monat ohne Gegenleistung überweisen, dafür sei schlichtweg nicht genügend Geld vorhanden.

Götz Werner will das bedingungslose Grundeinkommen mit einer so genannten Konsumsteuer - einer Mehrwertsteuer von 50 Prozent - finanzieren. Diese Konsumsteuer würde im Gegensatz zu anderen, bislang geltenden Steuern, erst beim Kauf eines Produktes greifen. Götz Werner legt den Fokus ohnehin weniger auf Geld - das sei genügend vorhanden - als auf das Vorhandensein von Gütern.

Der dm-Gründer erklärt das am Beispiel von Stuttgart 21. „Ob das zu teuer ist oder nicht, ist nicht entscheidend. Sobald es gebaut wird, ist es auch finanzierbar. Denn dann wird ja die ganze Wertschöpfung in Gang gesetzt. Hinterher wird niemand mehr fragen, was es gekostet hat“, so Götz Werner zum Business Insider. „Der Kardinalfehler ist, dass man meint, Geld sei ein Wert an sich. Das ist es aber nicht, sondern nur eine Erfindung - wenn auch eine sehr kluge.“

Wegen seiner „dummen Ideen“ wurde Götz Werner vom eigenen Vater gefeuert. Doch er glaubte an sich, gründete seinen Drogeriemarkt dm und wurde zu einem der beliebtesten Unternehmer Deutschlands und zum Milliardär. Sein Vermögen vererbt der dm-Gründer Götz Werner aber nicht seinen sieben Kindern.

Rubriklistenbild: © Uli Deck/dpa

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